Sportgerichtshof blamiert IOC

CAS hebt Dopingsperren für russische Athleten auf

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CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb verkündete das Urteil in Pyeongchang. Foto: Felipe Dana

Eine Woche vor den Winterspielen steht das IOC blamiert da. Der CAS hat lebenslange Olympia-Sperren gegen 28 russische Athleten getilgt - aus Mangel an Beweisen. Ungelöst ist zudem das Problem manipulierbarer Dopingproben.

Pyeongchang/Moskau (dpa) - Ein sonniger Donnerstag neigte sich am Olympia-Ort Pyeongchang dem Ende zu, die ersten Athleten waren gerade ins olympische Dorf eingezogen, da erschütterte der Generalsekretär des Internationalen Sportgerichtshofs CAS mit seinem Statement die Sportwelt.

Der CAS hat alle Doping-Sanktionen gegen 28 russische Wintersportler aufgehoben. Elf weitere Sportler bleiben von den Spielen in Pyeongchang ausgeschlossen, ihre lebenslangen Sperren für Olympia sind aber ebenfalls ungültig. Was für eine Niederlage für das Internationale Olympische Komitee mit Präsident Thomas Bach an der Spitze.

Vor allem die Begründung war für das IOC, das die Urteile gefällt hatte, eine schwere Niederlage. Denn der CAS kippte die Sperren aus Mangel an Beweisen. Den Juristen erschien zu dürftig, was das IOC zusammengetragen hatten, bevor es insgesamt 43 russische Wintersportler von künftigen Olympischen Spielen ausgeschlossen hatte, weil die Athleten bei den Heim-Spielen in Sotschi 2014 von organisierten Manipulationen profitiert haben sollen.

Für Alfons Hörmann, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), ist der CAS-Spruch "ein höchst unbefriedigendes Urteil, weil damit das nachweislich vorhandene und völlig inakzeptable staatliche Dopingsystem in Russland nicht in der gebotenen Härte bestraft werden kann". Er sprach von einer "schlechten Nachricht für den Weltsport".

Das IOC prüft nun Konsequenzen, einschließlich einer Beschwerde gegen das CAS-Urteil beim Schweizer Bundesgericht. Dort könnte das IOC aber allenfalls gegen formale Fehler vorgehen.

Das IOC muss binnen kurzer Zeit schon den zweiten Schlag hinnehmen. Im Laufe der Woche war bekannt geworden, dass die für die Dopingproben in Pyeongchang vorgesehenen Urin-Flaschen manipulierbar sind. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA empfiehlt nun den Einsatz eines älteren Modells.

Die Rechtsstreitigkeiten um die Sperren zeigen das Chaos im Weltsport deutlich. So hatte das IOC zwar russische Bob- und Skeleton-Sportler für die Spiele gesperrt, an den Weltcup-Wettbewerben nahmen sie aber teil. Andreas Trautvetter, Vizepräsident des Weltverbandes, fühlt sich im Umgang mit den zuvor gesperrten Russen bestätigt: "Diese Entscheidung vom CAS habe ich erwartet, weil die europäische Rechtslage gilt. Da gilt die Unschuldsvermutung, bis man die Schuld nachgewiesen hat. Die Beweise waren von Beginn an nicht ausreichend."

Kremlchef Wladimir Putin freut sich über die CAS-Entscheidung. "Das bestätigt unsere Position, dass die überwältigende Mehrheit unserer Athleten sauber ist", sagte der Präsident. Zugleich warnte er vor übergroßer Euphorie: "Es gibt noch einiges zu tun, das ist völlig klar, um bei uns die Programme und die Politik gegen Doping zu verbessern." Moskau werde dabei mit dem IOC und der WADA zusammenarbeiten, sagte Putin der Agentur Tass zufolge. Putin hatte den Plan aufgebracht, zeitgleich zu den Spielen in Pyeongchang in Sotschi Wettbewerbe für die gesperrten Athleten auszurichten.

Nach der Aufhebung der Sperre für 28 Athleten steht nun die Frage im Raum, ob weitere russische Athleten in Pyeongchang antreten dürfen. Das IOC betonte: "Die CAS-Entscheidung bedeutet nicht, dass Athleten aus der Gruppe der 28 zu den Spielen eingeladen werden." Wer nicht sanktioniert werde, bekomme "nicht automatisch" das Privileg einer Einladung verliehen.

Auf der vor einer Woche veröffentlichten Einladungsliste stehen 169 russische Wintersportler, die in Pyeongchang unter neutraler Flagge und ohne Hymne als "Olympischer Athlet aus Russland" (OAR) antreten müssen. "Russland in meinem Herzen", prangt groß auf den Trikots. Das Hintertürchen, durch das möglicherweise der eine oder andere Russe doch noch auf die Einladungsliste gelangen könnte, ist mit den Formulierungen des IOC weiter offen.

Der russische Sport drängt nach dem CAS-Urteil auf mehr Teilnehmer bei den am Freitag kommender Woche beginnenden Spielen. Sportminister Pawel Kolobkow sagte der Agentur Interfax, nun erwarteten die Sportler, dass das IOC reagiere und sie auch zu den Winterspielen in Südkorea zulasse. "Wir sind froh, dass die Gerechtigkeit endlich triumphiert hat", tönte Kolobkow. Die CAS-Entscheidung bestätige, dass die Athleten "sauber" seien.

Das besagt der Spruch des Sportgerichtshofs allerdings nicht. Der CAS betonte, dass die Athleten nicht für "unschuldig" erklärt worden seien, sondern dass die Beweislage seines Erachtens nicht ausreichend sei. Und: Nur die individuellen Fälle seien beurteilt worden, es sei nicht um die Frage gegangen, ob es ein organisiertes Dopingsystem in Russland gegeben habe. Das NOK Russlands war Anfang Dezember für die Winterspiele gesperrt worden.

Skeleton-Olympiasieger Alexander Tretjakow, Rodler Albert Demtschenko und Langlauf-Olympiasieger Alexander Legkow gehören zu den Athleten, deren Sperren der CAS nun aufgehoben hat. "Für Legkow beginnt damit buchstäblich ein zweites Leben, er dürfte jetzt der glücklichste Mensch auf Erden sein", sagte Legkows Trainer, der Sauerländer Markus Kramer, der Agentur Tass. Die Athleten behalten ihre vor vier Jahren gewonnenen Medaillen. Der deutsche Rodler Andi Langenhan bleibt daher Vierter der Spiele von Sotschi und erhält nicht nachträglich Bronze. "Das war eine Achterbahn der Gefühle, die ich seit Wochen durchmache", sagte der Thüringer.

So geht es vielen Athleten. DOSB-Präsident Hörmann befürchtet nun eine "lang anhaltende juristische Auseinandersetzung mit jahrelangen Unklarheiten auch für die Athleten, die rückwirkend in die Medaillenränge aufsteigen müssten."

CAS-Mitteilung zu den Anhörungen

IOC-Entscheidung

Link zum ersten Teil des McLaren-Reports

Link zum zweiten Teil des McLaren-Reports

Sanktionen gegen 28 Russen aufgehoben

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