Vercoacht

HSV-Krise: Coach Daniel Thioune mit dem Rücken zur Wand

Die Lage nach fünf Sieglos-Spielen mit drei Pleiten in Folge ist alles andere als lobenswert beim HSV. Welche Schuld trägt Trainer Daniel Thioune am Leistungstief?

  • Daniel Thioune* steckt mit seinem Team nach zuletzt drei Niederlagen in der Krise.
  • Taktische Änderungen bringen dem Trainer des Hamburger SVs* viel Kritik ein.
  • Sportdirektor Michael Mutzel und Sportvorstand Jonas Boldt stehen hinter Thioune.

Hamburg – Dass es in den letzten Tagen nicht gerade ruhig um ihn und um seine Mannschaft war – das dürfte auch an Daniel Thioune nicht vorbeigegangen sein. So eine Negativserie mit fünf Spielen, in denen der Hamburger SV nicht einen einzigen Sieg einfuhr, würde vermutlich auch bei jedem anderen Verein eine Diskussion auslösen, woran das liegt. Beim HSV – seit jeher ein Verein, bei dem Viele viel mitreden wollen – als Aufstiegskandidat fällt dies noch einmal heftiger aus. 

Fußballtrainer:Daniel Thioune
Geboren:21. Juli 1974 (Alter: 46 Jahre) in Georgsmarienhütte
Größe:1,83 Meter
Bisherige Trainerstationen:Hamburger SV (seit 2020), VfL Osnabrück (2017-2020)

Dabei ist es allerdings nicht damit getan, dass nur einzelne Spieler ins Visier genommen werden. Auch das große Ganze muss betrachtet werden – und somit eben auch, oder gerade, das Handeln von Daniel Thioune. „Die Mannschaft ist immer noch positiv und hat Bock darauf, Spiele zu gewinnen“, sagte der Coach vor dem Darmstadt-Spiel am Samstag und ergänzte: „Die Mannschaft ist total enttäuscht aus dem letzten Spiel gegen Hannover herausgegangen. Doch was konnten wir ihr vorwerfen? Sie hat den Ball nicht über die Linie gedrückt und mit einem Mann weniger gespielt“, sagte der HSV-Coach nach dem Hannover-Spiel unter der Woche in einer Medienrunde.

HSV: Trainer Daniel Thioune manövriert sich durch Personalentscheidungen selbst in die Kritik

Apropos Vorwurf: Was kann oder muss man Daniel Thioune in der aktuellen Situation vorwerfen? Schließlich ist letztlich er derjenige, der die personellen Entscheidungen trifft. Sei es bei der Kaderzusammenstellung im Sommer, bei den Aufstellungen in den einzelnen Spielen oder aber, was die Einwechselungen in den bislang in der Zweiten Bundesliga gespielten Begegnungen angeht. Und an dieser Stelle kann man nur zu der Quintessenz kommen: Der HSV-Trainer hat in den zurückliegenden Wochen einiges nicht richtig gemacht. Zumindest aber nicht glücklich agiert und entschieden.

HSV-Trainer Daniel Thioune sorgte mit seinen Personal-Entscheidungen zuletzt mehrfach für Verwunderung. (24hamburg.de-Montage)

HSV: Plötzlicher Wechsel zur Dreier-Abwehrkette im Spiel gegen den VfL Bochum

Im Spiel gegen Bochum brachte der 46-Jährige seine Mannschaft ausgerechnet nach dem 1:1-Ausgleichstreffer vollkommen aus dem Konzept, als er anschließend gleich eine Vierfach-Auswechselung vornahm. Zudem setzte er bei der 1:3-Niederlage gegen das Team aus dem Ruhrpott in der Defensive auf eine ungewohnte Dreierkette — und ließ in dieser dann auch noch den bis dahin bei seinen Einsätzen positiv aufgefallenen Stephan Ambrosius in der Abwehrmitte draußen, um stattdessen Toni Leistner dort aufzubieten. Der ist zwar ein Muster an Einsatzbereitschaft, hat aber bei seinen bisherigen fünf Einsätzen in der laufenden Zweitliga-Saison eine miese Bilanz von nur einem Sieg und vier Niederlagen vorzuweisen.

Hamburger SV: Thioune hält für seine Aufstellungen „als Trainer den Kopf hin“

Gegen Hannover verbannte HSV-Trainer Daniel Thioune dann überraschend Manuel Wintzheimer auf die Bank und brachte ihn erst in der 75. Minute ins Spiel. Stattdessen lief Sonny Kittel auf, der nicht nur das Kunststück fertig brachte, binnen zwölf Minuten erst die Gelbe und dann die Gelb-Rote Karte zu kassieren, sondern in den Wochen davor eher durch sein phlegmatisches Auftreten statt durch Spitzenleistungen aufgefallen war. „Wir haben uns entschieden, gegen den Gegner mit Spezialisten auf den Positionen zu spielen. Genau deshalb haben wir uns gegen Manuel entschieden“, so Thioune. Und das, obwohl Wintzheimer zuletzt auch laut Thioune „der formstärkste Spieler ist — auch in Zahlen gemessen.“

Im Nachgang eines Spiels sei es „immer leichter“, zu beurteilen, was richtig und falsch gelaufen sei. „Ich halte dafür als Trainer den Kopf hin“, weiß auch Thioune um seinen Anteil am Absturz der vergangenen Wochen. „Ich nehme mich immer in die Kritik mit ein. Vielleicht ist der eine oder andere Aufstellungs-Schachzug nicht so aufgegangen“, gibt sich der Coach des Hamburger SV durchaus selbstkritisch. Was ihm dies am Ende wirklich bringen wird, steht allerdings noch in den Sternen. Sowohl tabellarisch als auch im Bezug auf seine eigene Position.

HSV-Krise: Sportdirektor Michael Mutzel will „den Weg weitergehen — das gilt auch für den Trainer“

Bislang sitzt Thioune trotz der zuletzt fünf Begegnungen ohne dreifachen Punktgewinn und der drei Niederlagen nacheinander fest im Sattel. „Wir gehen ganz bewusst den Weg der Entwicklung“, sagte HSV-Sportdirektor Michael Mutzel* in dieser Woche. Dies beziehe sich nicht nur auf die Mannschaft des Clubs aus dem Volksparkstadion*. „Das gilt für den Trainer genauso. Wir gehen diesen Weg weiter und lassen uns überhaupt nicht davon abbringen“, so Mutzel, der seinem Übungsleiter damit (zumindest vorerst) eine Jobgarantie ausspricht.

Hamburger SV: Für Sportvorstand Jonas Boldt sind „fünf Spiele ohne Sieg nicht unser Anspruch“

„Zur Entwicklung gehört auch, jetzt mit dem Sturm klarzukommen“, äußerte sich Jonas Boldt in eine ähnlich Richtung. Andererseits aber sagt der Sportvorstand des Hamburger SV auch ganz offen: „Fünf Spiele ohne Sieg sind nicht unser Anspruch, das ist klar.“ Und nicht nur Boldt selbst, sondern auch Daniel Thioune ist lang genug im Geschäft, um zu wissen, dass — sinnbildlich gesprochen — die Jobgarantie von heute im Falle weiterer Niederlagen schon morgen wertlos sein kann. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks 

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