Torhüter sorgt für Diskussionen

HSV-Torwart: Risikofaktor Ulreich – nur ein Fliegenfänger?

Er sollte dem Hamburger SV hinten Sicherheit verleihen. Doch die Patzer von Torwart Sven Ulreich häufen sich. Sportdirektor Michael Mutzel hat jedoch keine Angst.

  • HSV-Torhüter Sven Ulreich* gerät nach einigen Aussetzern in den Fokus.
  • Die Fehlerquote des Ex-Keepers vom FC Bayern München mit dem Ball am Fuß überrascht.
  • HSV-Sportdirektor Michael Mutzel: „Er ist kein Maradona am Ball, aber das muss er auch nicht sein.“

Hamburg – Es lief die 63. Minute des Auswärtsspiels des Hamburger SV* beim 1. FC Nürnberg. Der Ball kam zu Sven Ulreich und der Torhüter der Mannschaft von Trainer Daniel Thioune* wollte die Kugel auf den zentral vor ihm stehenden Teamkollegen Moritz Heyer weiterleiten. Es blieb beim Versuch. Das Anspiel war zu ungenau, Nürnbergs Stürmer Manuel Schäffler hatte freie Bahn – und Ulreich musste zwischen den Pfosten eine Riesen-Parade auspacken, um den 1:2-Rückstand zu verhindern. Ein selbst heraufbeschworener Fehler, der eine Frage aufwirft: Ist Ulreich zu schlecht am Ball?

Fußballspieler:Sven Ulreich
Geboren:3. August 1988 (Alter: 32 Jahre) in Schorndorf
Größe:1,92 Meter
Gewicht:84 Kilogramm
Aktuelles Team:Hamburger SV (seit Oktober 2020, Rückennummer: 26)
Vorherige Vereine:FC Bayern München, VfB Stuttgart, VfB Stuttgart I

HSV: Sven Ulreich hatte auch gegen Heidenheim und Regensburg schon Aussetzer mit dem Ball am Fuß

Denn: Jener Bock, den der 32-Jährige da im Spiel gegen die Franken im Max-Morlock-Stadion schoss, ist nicht der erste Fehler dieser Art, den Ulreich in der laufenden Saison in der Zweiten Bundesliga fabrizierte. In Heidenheim konnte er in der letzten Minute des Spiels einen Rückpass von Toni Leistner nicht unter Kontrolle bringen, sodass Christian Kühlwetter dazwischen ging und den HSV-Schlussmann zum 3:2-Siegtreffer überwand.

HSV-Torhüter Sven Ulreich (li.) strahlt am Ball nicht die nötige Ruhe aus – doch Sportdirektor Michael Mutzel sieht dies unbesorgt. (24hamburg.de-Montage)

Und auch im Heimspiel des HSV im Volksparkstadion* gegen den SSV Jahn Regensburg patzte Ulrich, als er das Spielgerät völlig unkontrolliert aus dem Fünf-Meter-Raum nach vorne schlug, sodass die Gäste leichtes Spiel hatten, wieder in Ballbesitz zu gelangen und in Person von Max Beschukow den Ausgleichstreffer zum zwischenzeitlichen 1:1 zu erzielen.

HSV: In München hatte Sven Ulreich mit Manuel Neuer den besten Lehrmeister für modernes Torwartspiel

Eine erstaunliche Häufung von Fehlern dieser Art. Vor allem für einen Keeper wie Sven Ulreich, der vor seinem Wechsel nach Hamburg immerhin für den FC Bayern München spielte und sich dort an der Seite von Weltklasse-Torhüter Manuel Neuer einiges abgucken konnte. Gerade auch, was das Fußballerische angeht, denn dort ist Neuer, seine Qualitäten betreffend, so gut wie über jeden Zweifel erhaben.

Doch weit gefehlt. Ulreich, der aus München Souveränität gewohnt ist und beim HSV Ruhe und eine Gewinner-Mentalität vermitteln sollte, kann diese Unsicherheiten bislang offenbar nicht abstellen. „Ich spiele Heyer an, dachte, der lässt ihn klatschen. Dann hatte ich Glück gehabt, dass ich ihn halten konnte. Es hat Spaß gemacht, den zu halten“, kommentierte der Schlussmann seinen Nürnberg-Fehler anschließend am Sky-Mikrofon.

HSV: Trainer Daniel Thioune spricht davon, dass er „ein gewisses Maß an Fehler-Toleranz“ hat

Wenig Einsicht also. Wird Ulreich so nicht nur zum Unsicherheits- sondern auch zum Risikofaktor des HSV auf dem Weg zum Aufstieg in die Bundesliga? „Ich habe ein gewisses Maß an Fehler-Toleranz“, sagte HSV-Trainer Daniel Thioune schon vor Wochen ganz allgemein, als Sven Ulreich seinen folgenschweren Aussetzer gegen Heidenheim schon hinter sich hatte. Und auch Michael Mutzel wehrt sich vehement dagegen, Ulreichs Tun zu verteufeln.

HSV: Für Sportdirektor Michael Mutzel muss Torwart Sven Ulreich „kein Maradona am Ball“ sein

„Er spielt auch gute Bälle mit dem Fuß. Sven ist kein Maradona am Ball, aber das muss er auch nicht sein. Das Wichtigste im Tor ist, dass er die Bälle hält“, sagte der Sportdirektor des HSV nach dem Unentschieden gegen Nürnberg in einer Medienrunde. „Wir wollen auch, dass er mutig ist. Man darf nicht vergessen, dass er lange nicht gespielt hat und zweiter Torhüter war“, Mutzel mit Blick darauf, dass Ulreich in München meist „Bankdrücker“ hinter Manuel Neuer war.

HSV: Michael Mutzel ist sich sicher, dass Sven Ulreich zwischen den Pfosten an Sicherheit gewinnen wird

„Dass es eine gewisse Anpassung braucht, ist klar. Das muss man ihm einfach auch zugestehen. Deswegen wird das auch sicherer werden, da bin ich mir sicher“, so Mutzel weiter. „Wir sehen das nicht als große Baustelle. Wir sind zufrieden mit ihm“, stellt der Sportdirektor des Zweitligisten im Hinblick auf die Personalie Ulreich fest. Eine Aussage, die zumindest so lange Bestand haben dürfte, bis sich der Schlussmann die nächsten folgenschweren Patzer leistet... * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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