Thioune-Team mit Ladehemmung

HSV-Chancentod: Versemmelt Simon Terodde den Aufstieg?

Gegen Holstein Kiel vergibt der HSV reihenweise beste Chancen. Knipser Simon Terodde total schwach. Ist der HSV zu schlecht für den Bundesliga-Aufstieg?

Hamburg – Es dürfte eine Szene sein, die sich am Montag, 8. März, ab 20.30 Uhr vor vielen TV-Bildschirmen wiederholt hat. Da in der Zweiten Liga weiter keine Zuschauer zugelassen sind, fand das Spiel des Hamburger SV* gegen Holstein Kiel vor leeren Rängen statt. Daheim aber dürfte mancher HSV-Anhänger mehrfach aufgesprungen sein und den Jubelschrei schon auf den Lippen gehabt haben – das Chancenplus des HSV gegenüber Kiel war immens. Doch der HSV traf an diesem Abend nur einmal. Zu wenig. Nicht nur an diesem Tag. Bricht der leichtfertige Umgang mit Torchancen dem HSV im Aufstiegsrennen das Genick?

Fußballverein:Hamburger SV
Gegründet:29. September 1887
Stadion:Volksparkstadion
Kapazität:57.000 Plätze
Ligazugehörigkeit:Zweite Bundesliga
Trainer:Daniel Thioune

HSV: Treffsicherste Offensive der gesamten Liga – aber viel Profit stammt aus der Hinrunde

Eine Frage, die erst einmal ziemlich komisch daher kommt, wenn man auf die Zahlen schaut. Die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune* ist mit 49 erzielten Toren in der laufenden Saison 2020/2021 die treffsicherste Mannschaft der Liga. Mit 30 Gegentoren hat sie dafür die meisten Treffer der Top-Teams, die sich um den Sprung in die Erste Bundesliga streiten, kassiert. Wäre da nicht eher die Frage angebracht, ob die Defensive des Clubs aus dem Volksparkstadion* zum großen Problem des HSV wird?

Blankes Entsetzen: HSV-Stürmer Simon Terodde geht mit seinen Chancen zu großzügig um. (24hamburg.de-Montage)

Ja. Und zugleich nein. Zwar ist es unverkennbar, dass dem Traditionsclub aus Hamburg hinten der noch immer verletzte Toni Leistner fehlt, Rick van Drongelen wieder ausfällt* und beispielsweise Gideon Jung nicht als adäquater Nebenmann zu Stephan Ambrosius passt, aber: Wenn man hinten Treffer kassiert, kann man immer noch gewinnen. Dann, wenn die Teamkollegen aus der „Abteilung Attacke“ vorne entsprechend zuschlagen. Ein Umstand, der in den letzten fünf Spielen, von denen keines gewonnen wurde, eben augenscheinlich nicht oft genug geklappt hat. Zumindest nicht so oft, dass mehr als drei Remis und zwei Niederlagen dabei rauskommen. Diese Bilanz ist eine handfeste Krise.

HSV: Nach 353 Minuten ohne Treffer legt Simon Terodde seine Ladehemmungen ab

Das Sieglos-Spiel gegen Kiel* taugt als bester Beleg dafür: Chance um Chance um Chance hatte der HSV – und am Ende sprang gerade einmal ein mickriges Törchen heraus, mit dem Stürmer Simon Terodde* den Kieler Führungstreffer durch den vom HSV umworbenen Jae-Sung Lee* egalisierte. Sowohl Terodde selbst als auch Josha Vagnoman* hatten am Montagabend, 8. März, im Volksparkstadion die Möglichkeit, das zu ändern – und versagten dabei kläglich. Das, was der HSV da auf dem Rasen seiner Heimspielstätte zeigte, war Chancenwucher allererster Güte.

Das führt dann eben dazu, dass de HSV, der in der Hinrunde nach sieben Spielen mit 17 Punkten an der Spitze der Tabelle in der Zweiten Bundesliga stand, in der Rückserie gegen die gleichen Kontrahenten nur sieben Punkte einfahren konnte und damit in der Rückrunden-Tabelle auf dem 13. Platz steht. Und auch, wenn Simon Terodde in 24 Spielen jetzt bereits 20 Treffer erzielt hat – er muss mit Kritik leben. Exakt 353 Minuten in Folge hatte er zuletzt Ladehemmungen. In einem Kader, in dem kaum ein anderer Stürmer vorne regelmäßig trifft, ist das tödlich.

HSV: Terodde entschuldigt sich für vergeben Chance – Mutzel nimmt Vagnoman in Schutz

Terodde aber hat auch das Problem, dass seine Mannschaftskollegen ihn in den zurückliegenden Wochen nicht oft genug so in Szene setzten, wie es ein Stürmer seines Formats benötigt. Gegen Kiel klappte das immerhin – eine Garantie für Treffer aber ist auch das nicht, wie seine vergebene Großchance in der zweiten Halbzeit zeigt. „Ich freue mich riesig über das Tor. Es war eminent wichtig“, sagte Terodde nach dem Kiel-Spiel, ärgerte sich aber: „Im zweiten Durchgang hatte ich noch eine Riesenchance. Die muss ich machen. Das tut mir leid. Ich war ungläubig, wo ich den hingemacht habe. Das muss ein Tor sein.“

 „Im zweiten Durchgang hatte ich noch eine Riesenchance – die muss ich machen, das tut mir leid“

HSV-Stürmer Simon Terodde

Immerhin: Terodde weiß, um den Ernst der Lage und ärgert sich. Ein anderer hingegen hat die Realität offenbar nach wie vor verkannt und ergibt sich in nichtssagenden Floskeln und Schonfärberei: Michael Mutzel. Der HSV-Sportdirektor erklärte am Tag nach dem Spiel in einer Presserunde angesprochen auf die Riesen-Möglichkeit von Josha Vagnoman: „Der Kopfball war schon eine Großchance, das muss man sagen. Er hat ein super Spiel gemacht, er hat mir richtig gut gefallen. Man sollte bei so einem jungen Spieler wegen einer Chance nicht so kritisch sein.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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