Black Lives Matter

„Geht mir aufn Sack“ – Patrick Esume über Insta-Rassismus

Shitstorm nach Video über Rassismus: Patrick „Coach“ Esume vom Hamburger SV spricht mit Jochen Breyer (ZDF-Sportredaktion) über Rassismus in Deutschland. Der Zorn des Netztes entzündet sich an einem Zitat.

Patrick Esume über Rassismus auf Instagram. (24hamburg-Montage)

Update vom 16. Juni, 12:10 Uhr: Hamburg – Der Coach hat sich kurz nach dem Insta-Shitstorm mit einem dicken „Danke“ an seine Fans gewendet. Die haben ihn nämlich ordentlich unterstützt. Dann sprach der HSV-Trainer Esume über seinen Football-Podcast* mit dem Ex-NFL-Profi Björn Werner. Dort steht bald ein Jubiläum an!

Ursprünglicher Beitrag vom 11. Juni, 15:30 Uhr: Auch im Norden Deutschlands wird über Rassismus diskutiert. Georgy Floyd, Rassismus und Polizeigewalt lassen nur wenige kalt. Patrick „Coach“ Esume* hat sich deshalb mit Jochen Breyer vom ZDF „getroffen“, um über das Riesenproblem Rassismus zu sprechen. Kurz darauf gab es einen Shitstorm auf Instagram, sodass Breyer und Esume in einem zweiten Video nochmal wichtige Statements abgeben mussten.

Patrick EsumeAmerican-Football-Trainer
Geboren3. Februar 1974 (Alter 46 Jahre), Hamburg
AusbildungWilhelm Gymnasium
BücherBelieve the Hype!
FernsehsendungenranNFL
AuszeichnungenDeutscher Fernsehpreis für die beste Sportsendung
PositionSafety, Cornerback

Auch der Fußballverein Borussia Mönchengladbach äußerte sich am Donnerstag, 11. Juni zum Thema Rassismus. Hier gab es, wie auch bei Esumes Zitat, einen heftigen rassistischen Shitstorm – teilweise sogar noch deutlich krasser. Der kam als Reaktion auf ein Video, in dem sich diverse Bundesliga-Vereine gegen Rassismus aussprachen.

Rassismus-Interview auf Instagram: Patrick „Coach“ Esume vom HSV und Jochen Breyer (ZDF)

Patrick Esume vom Hamburger SV und ZDF-Moderator und Sport-Experte Jochen Breyer: Die beiden Männer kennen sich erst seit Februar, doch ihre Gespräche sind alles andere als oberflächlich. Am Dienstag, 9. Juni „treffen“ sie sich auf Instagram zu einem öffentlichen Video-Chat. Darin geht es um Rassismus, den Fall George Floyd und Esumes Eindrücke von den Geschehnissen in den USA. Zeitgleich zum Interview wird George Floyd in den Vereinigten Staaten beigesetzt*. Das berichtet der Münchener Merkur.* Wut und Verzweiflung verspürt Esume bei diesen Bildern. Die anhaltenden Proteste gegen Rassismus* wecken aber auch Hoffnung in ihm.

Der HSV-Coach Patrick Esume spricht nicht zum ersten Mal über den Rassismus, den er in Hamburg und Deutschland* selbst erlebt und erlebt hat. Im Gespräch mit Breyer erwähnt er den „kleinen Alltagsrassismus“, den er „zwischendurch“ erlebt. Sei es bei der Wohnungssuche oder wenn Menschen in der Öffentlichkeit Angst vor ihm haben. Doch auch körperliche Gewalt hat er erlebt. Als junger Erwachsener wurde Esume mit einem Baseballschläger im Genick getroffen, musste im Krankenhaus behandelt werden.

Auf das erste Video von Breyer und Esume gibt es viel Zuspruch, die Follower auf Instagram feiern die „starken Worte“ vom Coach. Doch kurz darauf ändert sich die Stimmung. Ein Mitarbeiter der ZDF-Sportredaktion stellt ein Zitat aus dem Gespräch der beiden Sport-Moderatoren auf Instagram. Danach hagelt es Kritik. So viel, dass Esume und Breyer sich abermals in einem Video äußern.

Rassistisches Material in Hamburgs Schulen – Patrick Esume wehrt sich gegen Vorwürfe

In dem Zitat geht es um einen Aufgabenzettel aus der Schule, den Patrick Esumes Tochter behandeln musste. Darin geht es um die Buchstaben. Zu jedem Buchstaben des Alphabets sind kleine Dinge abgebildet. Darunter ganz alltägliches, Baum, Banane, Nuss, Nikolaus. Doch beim „N“ gibt es ein weiteres Bild. Ein schwarzes Kind ist dort abgebildet. Es ist klar, was das bedeuten soll. Patrick Esumes Tochter geht in die erste Klasse, ihr Vater muss ihr erklären, was dort gemeint sein soll. Warum das falsch und rassistisch ist.

Unter genau dieser Zitat-Karte auf Instagram regt sich am Mittwoch (10. Juni) ein heftiger Shitstorm. Viele Nutzer nennen Esume einen Lügner, wollen Beweise vom HSV-Coach sehen. Einige leugnen, dass es in Deutschland Rassismus gibt. Andere können schlicht nicht glauben, dass so etwas im Jahre 2020 noch in einem Schulbuch stehen soll. Um auf diese Reaktionen gesondert eingehen zu können, treffen sich Patrick Esume und Jochen Breyer am Abend zu einer zweiten Video-Session.

„Unverständnis, Ignoranz und Verschlossenheit“ – Patrick Esume über Rassismus in Deutschland

In dem gut halbstündigen Video sprechen HSV-Coach Patrick Esume und ZDF-Moderator Jochen Breyer ausführlich über das Video, die Schulaufgaben mit dem N-Wort und Rassismus in Deutschland. Esume kritisiert, dass das Zitat ohne den Kontext des Videos zu provokant sein könnte. Gleichermaßen merkt er an, dass es genau diese Art der Debatte ist, die den deutschen Rassismus prägt. Anstatt sich mit dem großen Problem Rassismus zu beschäftigen – beispielsweise dem tätlichen Angriff auf ihn – geht es um eine Kleinigkeit. Jochen Breyer findet, dass Journalismus genau diese Missstände ansprechen muss und genau richtig ist, wenn es provoziert.

Den besprochenen Aufgabenzettel will Esume nicht zeigen, um das Problem nicht aufzubauschen. Breyer hat das Papier gesehen, er bestätigt die Echtheit der rassistischen Bezeichnung. Patrick Esume hat bereits mit der Lehrerin seiner jungen Tochter gesprochen. Die habe sich entschuldigt, für Esume war das kein großes Thema. Sowas könne mal durchrutschen.

Was Patrick Esume hingegen nicht akzeptieren kann, ist die Ignoranz vieler Mitmenschen vor dem Rassismus. Dass man ihm nicht glaubt, ist Teil davon. Er will, dass sich die Menschen bilden und aufklären und fordert mehr Empathie für von Rassismus betroffene Menschen. Dazu solle man sich auch mit der kritischen Geschichte von Rassismus und Sklaverei auseinandersetzen. „400 Jahre waren wir gar keine Menschen“, kommentiert Esume die Versklavung vieler Menschen vom afrikanischen Kontinent. Diesen Teil der Geschichte müsse man mitdenken. Er resümiert: „Das einzige was hilft, ist wissen und Aufgeklärtheit!“

Patrick Esume und Jochen Breyer mit Buch- und Video-Tipps gegen Rassismus

Zum Abschied geben Patrick Esume und Jochen Breyer ihren Zuschauern noch ein paar Recherche-Tipps mit auf den Weg. Der HSV-Coach Esume empfiehlt das Video eines sozialen Experiments aus den 90ern. In dem „Brown Eyed / Blue Eyed“-Experiment verdeutlicht die US-amerikanische Lehrerin und Aktivistin Jane Elliott, wie Rassismus und Diskriminierung entstehen. Auch bei Menschen, die sich vorher als vermeintlich geschlossene Gruppe verstanden haben.

Jochen Breyer empfiehlt das Buch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“ von der Kölner Autorin Alice Hasters. Darin erzählt sie „wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt“ und warum jeder von uns sich mit seinem „eigenen Rassismus“ konfrontieren muss, um dieses Problem anzugehen.

Quelle: 24hamburg.de-HSV

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