Spieltage der Entscheidung

WM-Quali: Unruhe in Spanien und England - Italien und Argentinien zittern

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Das Olympiastadion Luschniki in Moskau ist Schauplatz des WM-Finals 2018.

Die WM-Qualifikation geht in die entscheidende Phase. Zahlreiche Fußball-Größen zittern und bangen oder bereiten sich auf eine große Feier vor. In Südamerika droht Argentinien dagegen die große Schmach.

Düsseldorf - In Spanien belastet der Katalonien-Konflikt die Vorbereitung, in England sorgt ein U-Bahn-Streik für Unruhe: Die Stimmung bei den beiden Fußball-Größen ist vor der entscheidenden Phase der WM-Qualifikation aus höchst unterschiedlichen Gründen angespannt. Doch sportlich sind die beiden auf Kurs.

Wie Titelverteidiger Deutschland und Serbien können der Weltmeister von 2010 und das Mutterland des Fußballs in dieser Woche aus eigener Kraft das Ticket für die WM 2018 lösen. Weit davon entfernt sind derzeit der viermalige Weltmeister Italien und der zweimalige Titelträger Argentinien. Die Squadra Azzurra will die „Apokalypse“ verhindern, die Albiceleste setzt im Kampf gegen die größte Fußball-Schmach seit fast 50 Jahren ihre ganze Hoffnung auf Superstar Lionel Messi.

Insgesamt werden bis zur Gruppenauslosung am 1. Dezember noch 24 WM-Tickets vergeben, viele davon in den kommenden Tagen. Neben Gastgeber Russland haben sich bislang Brasilien, Belgien, Mexiko, Iran, Japan, Südkorea und Saudi-Arabien sieben der 31 weiteren WM-Plätze gesichert.

Syrien im Ausscheidungsduell gegen Australien

Viele Augen sind auch auf Syrien gerichtet, das im Ausscheidungs-Hinspiel am Donnerstag gegen Australien in Malaysia antritt. Der Sieger spielt gegen den Vierten der Nordamerika-Qualifikation einen Startplatz aus. Das Verhältnis der Syrer zu ihrem Nationalteam ist jedoch gespalten. „Unter den Syrern sagen viele: Das ist nicht meine Mannschaft, sondern das sind die Spieler des Regimes“, sagt der fußballverrückte Flüchtling Ajaz Ali, der von Neustrelitz aus eine Fanseite für den syrischen Sport mit mehr als 100.000 Abonnenten betreibt.

Spanien und England vor der Qualifikation

Zerrissenheit im Land herrscht auch in Spanien, was sich auf die Nationalmannschaft auswirkt. Barcelonas Abwehrspieler Gerard Piqué unterstützt offen und leidenschaftlich den Wunsch Kataloniens nach Unabhängigkeit. Beim Training am Montagabend in der Nähe von Madrid wurde er am Tag nach dem von der Justiz verbotenen Unabhängigkeitsreferendum von wütenden Fans so heftig beleidigt, dass Nationaltrainer Julen Lopetegui die Einheit vorzeitig abbrach. Gewinnen die Spanier am Freitag gegen Albanien, sind sie für Russland aufgrund der guten Tordifferenz quasi qualifiziert.

Noch besser sind die Voraussetzungen für England vor dem Spiel gegen Slowenien. Doch wie viele Fans im Wembley-Stadion dabei sein werden, ist offen. Über öffentliche Verkehrsmittel ist das Stadion wegen des Streiks nicht erreichbar. Der Verband setzt Shuttle-Busse ein und will nicht genutzte Tickets erstatten. Sportlich heißt die Hoffnung Harry Kane, der im September 13 Tore für Tottenham Hotspur und das Nationalteam schoss. „Er ist so gut wie Ronaldo, vielleicht besser“, sagte sein Vereinstrainer Mauricio Pochettino. Für Ex-Nationalmannschaftskapitän Steven Gerrard ist Kane „der formstärkste Spieler im Weltfußball“.

Serbien vor dem Sprung nach RUssland - Italien muss kämpfen

Als viertes Team in Europa braucht Serbien am neunten Spieltag keine Fremdhilfe. Die Partie in Österreich wollen die Serben zum Heimspiel machen. „Ich hoffe, dass viele unserer Fans im Stadion sein werden, denn es leben sehr viele Serben in Österreich“, sagte Routinier Branislav Ivanovic.

Italien muss in der Spanien-Gruppe dagegen Rang zwei und die Teilnahme an den Playoffs sichern. Verbandspräsident Carlo Tavecchio gab die Devise aus: „Die WM zu verpassen, wäre eine Apokalypse.“ Zittern muss auch Vize-Europameister Frankreich vor dem Spiel in Bulgarien, nachdem das Team um Antoine Griezman jüngst gegen Luxemburg (0:0) gepatzt hatte.

Argentinien drohen die Playoffs

Lionel Messi (r.) und Lucas Biglia bangen mit Argentinien um das WM-Ticket.

Ernüchternd wäre ein Scheitern auch für Argentinien, bei der WM 2014 noch Finalgegner von Deutschland. Vor dem Spiel gegen die punktgleichen Peruaner in der Nacht zum Freitag belegen Messi und Co. Rang fünf der Südamerika-Qualifikation. Würden sie diesen auch nach den beiden abschließenden Spielen belegen, müssten sie in die Playoffs gegen Neuseeland. Von hinten drängt noch Chile.

Doch der zwischenzeitlich zurückgetretene Messi, der die Hälfte der Spiele verletzt oder gesperrt verpasst hat, ist dabei - und voll motiviert. Russland könnte seine letzte Chance auf den WM-Titel sein.

dpa

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