Nach Anschlag auf den Bus

Die Show muss weitergehen: BVB-Spieler zurück auf der Fußball-Bühne

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Julian Weigl (l.) und Felix Passlack betraten als erste BVB-Spieler den Rasen.

Dortmund - Die Spieler von Borussia Dortmund wurden nach dem Sprengstoffanschlag auf ihren Mannschaftsbus von den Fans schon vor dem Spiel gegen AS Monaco frenetisch gefeiert. Die Begegnung im Signsl-Iduna-Park war als Hochrisikospiel eingestuft worden.

Julian Weigl, Sven Bender und Felix Passlack betraten unter dem Applaus der Fans um 17.32 Uhr als erste Spieler den Rasen. Begleitet von Dortmund-Sprechchören aus dem Monaco-Fanblock folgten einige Minuten später Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang. Keine 24 Stunden nach dem schockierenden Sprengstoffattentat mit einem mutmaßlichen terroristischen Hintergrund auf den Mannschaftsbus waren die Profis von Borussia Dortmund zurück auf der Fußball-Bühne. Sie schauten sich nach der Ankunft des Busses im Stadion ein wenig um, Aubameyang winkte den Anhängern vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen AS Monaco zu. Die Show musste weitergehen.

Dazu hatte auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke aufgerufen. "Egal, ob Borusse, Bayer oder Schalker. Wir wollen zeigen, dass Terror und Hass unser Handeln niemals bestimmen dürfen", sagte Watzke, der am Mittwochmorgen vor dem Training der Mannschaft und Coach Thomas Tuchel einen Besuch abstattete. "Ich habe in der Kabine an die Mannschaft appelliert, der Gesellschaft zu zeigen, dass wir vor dem Terror nicht einknicken", sagte Watzke danach. Die Chronologie der Ereignisse.

Man versucht Normalität einkehren zu lassen

Während Marc Bartra nach seinem bei dem Anschlag erlittenen Handgelenksbruch sich im Krankenhaus von der am späten Dienstagabend durchgeführten Operation erholte, war man bei den Schwarz-Gelben um ein Stück Normalität bemüht. Training am Morgen, ein gemeinsames Essen, Teambesprechung - die Abläufe blieben fast unverändert. Und doch war etwas anders. "Die Jungs sind gefragt worden, wie sie sich fühlen. Und wenn einer sagen kann, er fühlt sich absolut nicht in der Lage zu spielen, dann ist es ihm auch freigestellt", sagte Torwarttrainer Wolfgang de Beer der Rheinischen Post.

Spätestens als sich der Mannschaftsbus auf dem Weg ins Stadion machte, kamen die fürchterlichen Erinnerungen an den Vorabend wieder hoch. Am Dienstag gab es drei Explosionen, als sich der Bus vom Teamhotel Richtung Signal-Iduna-Park in Bewegung gesetzt hatte. Nur durch Glück gab es nicht mehr Verletzte.

Kritik an der Neuansetzung des Spiels

Dass die BVB-Profis einen Tag nach dieser Ausnahmesituation schon wieder die Königsklassen-Hymne hören mussten, war nicht für jeden nachvollziehbar. Die Verantwortlichen betonten allerdings, dass dies alternativlos gewesen sei. "Es gab dazu keine Alternative, weil die Terminsituation zwischen Viertel- und Halbfinale nichts anderes zulässt", sagte Watzke und betonte, dass es unsere Aufgabe sei, das zu verarbeiten. "Das ist unser Job", sagte Watzke.

Die Mannschaft und Tuchel bekamen die neusten Entwicklungen am Mittwoch aber natürlich mit. "Wir werden aufarbeiten, was passiert ist und den neuesten Sachstand mit der Mannschaft diskutieren", sagte BVB-Präsident Reinhard Rauball, der vor dem Anpfiff überzeugt davon war, dass Kapitän Marcel Schmelzer und Co. den Fokus auf das Spiel gegen den französischen Tabellenführer legen können. "Das ist ganz sicher eine schwierige Situation, die die Mannschaft so auch noch nicht erlebt hat. Trotzdem gehen wir davon aus, dass die Mannschaft ihr Bestes gibt. Sie müsse zwei Dinge auf einmal bewältigen. Ich traue der Mannschaft zu, dass sie das schafft", sagte Rauball.

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Mentaltrainer: „Normalisierung bis Mittwochabend nicht möglich“

Der sportpsychologische Experte Steffen Kirchner sieht in der zeitnahen Neuansetzung auch einen Vorteil. "Die Absage war eine perfekte Entscheidung. Aber jetzt muss man auch wieder ins Tun kommen. Wenn ich jetzt eine Woche lang nicht spiele oder eine halbe Woche, dann geistert das im Kopf trotzdem rum. Das Nachdenken und Abwarten macht es nicht besser", sagte Kirchner dem SID.

Der unter anderem im Fußball tätige Mentaltrainer betonte aber auch, dass eine Normalisierung bis Mittwochabend nicht möglich sei: "Das wird mit Sicherheit noch im Kopf rumgeistern. Das Spiel ist unter Anführungszeichen zu setzen. Keine der beiden Mannschaften kann das volle Leistungsvermögen abrufen. Dafür ist die Zeit zu kurz."

Kurz war die Zeit auch für die Dortmunder Polizei, die die Begegnung als Hochrisikospiel einstuften. Die Einsatzkräften rund um das ehemalige Westfalenstadion wurden deutlich erhöht, zudem gab es ausgiebige Einlasskontrollen der Zuschauer. Für beide Mannschaften seien Schutzmaßnahmen ergriffen worden, teilte der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange mit. Lange betonte allerdings auch, dass man nicht jedes Szenario ausschließen, sondern nur versuchen könne, eine hohe Sicherheit zu gewährleisten. "Eine hundertprozentige Sicherheit kann es niemals geben", sagte Lange.

SID

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