Sechs Abgänge stehen fest

Schalke vor abermaligem Umbruch

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Leon Goretzka (r, mit Guido Burgstaller (M) und Alessandro Schöpf) soll nach dem Willen der Vereinsführung "das Gesicht von Schalke 04" werden. Foto: Federico Gambarini

Seit vergangenem Wochenende hat der FC Schalke die Gewissheit, 2017/18 erstmals nach sieben Jahren international nicht vertreten zu sein. Den nächsten personellen Umbruch hätte es aber ohnehin gegeben. Sechs Abgänge stehen fest, weitere werden folgen.

Gelsenkirchen (dpa) - Die Nächsten bitte! Während die Spieler dem ersehnten Urlaub entgegenfiebern, brechen für Manager Christian Heidel und Sportdirektor Axel Schuster intensive Wochen an.

Nach seiner wenig erfolgreichen Premierensaison als Sportvorstand des FC Schalke 04 muss Heidel abermals den personellen Umbruch vorantreiben. Insgesamt zehn Profiverträge laufen zum Saisonende aus. Sechs Spieler wurden im Revier bereits beim 1:1 gegen den Hamburger SV am Samstag verabschiedet. Weitere werden folgen.

Heidel kündigte an, dass der Kader verkleinert wird. "Die ideale Anzahl an Feldspielern ist 22 oder 23. Es kann aber auch noch der eine oder andere dazu kommen", umriss der 53-Jährige seine Vorstellungen und die Transferstrategie beim Fußball-Bundesligisten.

Dass die Königsblauen erstmals nach sieben Jahren (viermal Champions League, dreimal Europa League) nächste Saison international nicht vertreten sind, ist nicht nur ein Imageverlust, sondern schmälert wegen geringerer Einnahmen den finanziellen Handlungsspielraum.

Zudem erleichtert es wegen der fehlenden Europacup-Bühne nicht gerade die eigene Position bei Vertragsverhandlungen mit umworbenen Spielern wie Leon Goretzka. Schwieriger wird auch die Suche nach von Trainer Markus Weinzierl gewünschten Hochkarätern, um künftig wieder deutlich weiter vorne mitzuspielen, wie es der Anspruch ist.

Dennis Aogo, Sascha Riether, Timon Wellenreuther, Bayern-Leihgabe Holger Badstuber, der auf großer Bühne verabschiedete Klaas-Jan Huntelaar sowie der zum FC Ingolstadt wechselnde Nachwuchsspieler Phil Neumann gehören vom 1. Juli an nicht mehr dem Knappen-Kader an. Der umworbene und ablösefreie Linksverteidiger Sead Kolasinac steht laut Medien kurz vor dem Absprung zum Premier-League-Club FC Arsenal. Auch wenn das nicht bestätigt ist, gilt Schalkes Kampf um den bosnischen Nationalspieler als verloren.

Bis zum Saisonende verliehen sind Torhüter Fabian Giefer (Bristol City) sowie Felix Platte und Sidney Sam (beide Darmstadt 98). Das Trio besitzt auf Schalke Kontrakte bis 2018, spielt in den Planungen von Trainer Markus Weinzierl aber keine Rolle. "Ich bin mit den Spielern im Gespräch. Wir überlegen gemeinsam, was für jeden die beste Option für die Zukunft ist", erläutert Heidel.

Er ist auch im Austausch mit dem FC Chelsea über den ausgeliehenen Linksverteidiger Abdul Rahman Baba. Heidel will nicht warten, bis der Ghanaer, der sich im Januar beim Afrika-Cup einen Kreuzbandriss zuzog, wieder ganz gesund ist, sondern möchte vorher eine Entscheidung: "Wenn es irgendwie möglich ist, würden wir ihn gerne behalten."

Die wichtigste, aber auch kniffligste Personalie ist und bleibt Goretzka, dessen Vertrag in Gelsenkirchen 2018 ausläuft. Der in Bochum verwurzelte Mittelfeldspieler gilt wegen seiner sportlichen Entwicklung als Eckpfeiler des Teams, das die nationale Konkurrenz wieder angreifen soll. Der 22-Jährige ist auch als Persönlichkeit gereift und nimmt im Mannschaftsgefüge eine wichtige Stellung ein.

Nach Heidels Willen soll der vielseitige Goretzka in den nächsten Jahren "das Gesicht von Schalke 04" werden. Das Problem: Längst haben europäische Topclubs, darunter der FC Bayern, sich mit dem Talent beschäftigt. Für eine Vertragverlängerung mit Goretzka würde Schalke bis an die finanzielle Schmerzgrenze gehen. Immerhin hat Heidel auf das verbesserte Angebot noch keine Absage erhalten. "Wenn er die Absicht hätte zu wechseln, hätte er mir das gesagt."

Gleichwohl droht ein Déjà-vu. Kurz vor Transferschluss kam im vorigen August Manchester City und schnappte sich Supertalent Leroy Sané für rund 50 Millionen Euro. Heidel wurde bei dieser Summe schwach. Ein ähnliches Szenario soll es zumindest vom Zeitpunkt her nicht geben. Heidel versprach dem Chefcoach, dass der Kader anders als im Vorjahr zum Trainingsauftakt im Wesentlichen zusammen ist.

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