Nationalmannschaft gelandet

Russland fiebert Confed Cup entgegen - erstes Training des DFB-Teams

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Nur zwei Kilometer vom Hotel der DFB-Elf entfernt liegt das Stadion, in dem Deutschland in der Gruppenphase gegen Australien und Kamerun auflaufen wird.

Die letzten Vorbereitungen für den Confed Cup laufen. Die deutschen Weltmeister bereiten sich bei Sommerwetter am Schwarzen Meer vor. Beim russischen Gastgeber ist in der alten Zarenstadt die Nervosität spürbar.

St. Petersburg - Kurz vor dem Anpfiff zu Russlands großer WM-Prüfung wird am sündhaft teuren Krestowski-Stadion in St. Petersburg noch gebohrt, gehämmert und gestrichen. Drei Flugstunden südöstlich in Sotschi begann Bundestrainer Joachim Löw am Donnerstag gleich nach der Landung des DFB-Sonderfliegers in der Olympia-Stadt mit dem letzten Feinschliff an seinem runderneuerten Kader für den Confederations Cup.

Bis zum deutschen Auftakt am Montag (17.00 Uhr/MESZ/ZDF) gegen Australien hat Löw noch Zeit, sein Perspektivteam fit zu machen. Russland muss schon am Samstag gegen Neuseeland ran - und sportlich wie logistisch spürt der stolze Gastgeber den Druck. Präsident Wladimir Putin findet klare Worte für die Sbornaja. Fans und alle, die „den russischen Fußball lieben, erwarten bessere Ergebnisse von unserem Nationalteam“, sagte Putin am Donnerstag. „Wir erwarten, dass die Jungs mit echter Hingabe spielen, wie echte Kämpfer und Sportler“, lautete die Ansage des Kreml-Chefs.

Russland steht vor dem Confed Cup unter Druck

Die sportlich Verantwortlichen sind deutlich vorsichtiger. „Wir sind der absolute Außenseiter unter den acht Mannschaften. Wir sind als Gastgeber das einzige Team beim Confed Cup, das kein anderes Turnier gewonnen hat, um sich zu qualifizieren“, sagte Russlands Trainer Stanislaw Tschertschessow der Deutschen Presse-Agentur.

Tiefstapeln als Disziplin, diese Taktik können sich die Organisatoren nicht leisten. „Das ist ein besonderer Augenblick für Russland“, sagte Chef-Organisator Alexej Sorokin vor der Mini-WM mit 16 Spielen in St. Petersburg, Moskau, Sotschi und Kasan.

Doch es bleiben kritische Fragen aus dem Ausland, unter anderem zu Menschenrechten, Fan-Gewalt und explodierenden Kosten. Für die Vorbereitung von Confed Cup und WM hat die Regierung mehr als 643,5 Milliarden Rubel (rund 10 Milliarden Euro) eingeplant. Experten halten gut das Doppelte für wahrscheinlich. Auch für das Krestowski-Stadion auf der gleichnamigen Halbinsel in St. Petersburg explodierten in der Bauphase die Kosten um das Dreifache bis knapp unter die Milliarden-Euro-Grenze.

Deutsche Mannschaft trainiert und gibt Autogramme

Geht es nach Präsident Putin rücken solche Rechnungen mit dem Anpfiff in den Hintergrund. Der starke Mann im Kreml will wieder positive Schlagzeilen. Umso wichtiger ist der Erfolg der Sbornaja gegen Außenseiter Neuseeland. Darüber hinaus wird offiziell noch nicht gedacht: „Es wäre schamlos und anmaßend, über den Turniersieg zu sprechen“, sagte Stürmer Fedor Smolow dem „Kicker“.

Bestes Sommerwetter mit 25 Grad und Sonnenschein empfing die neu zusammengestellte deutsche Nationalmannschaft am Schwarzen Meer. Nach der Ankunft ging es direkt weiter in ein Luxushotel an der Strandpromenade. Einchecken, Mittagessen und rasch umziehen lauteten die ersten Programmpunkte. Denn schon vier Stunden nach der Ankunft war im Olympia-Park das erste Training angesetzt. Joachim Löw standen dabei in der Park Arena im Schatten des Fischt-Stadions alle 21 Spieler zur Verfügung. Der Bundestrainer hatte nach den Ausfällen von Diego Demme (Rückenprobleme) und Leroy Sané (Nasen-OP) auf mögliche Nachnominierungen für die Mini-WM verzichtet. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte zu der öffentlichen Einheit einige Dutzend russischer Kinder eingeladen. Vor dem Training verteilte der DFB T-Shirts mit dem Slogan "Die Mannschaft" in kyrillischer Schrift. Auch Löw sowie sein Trainerteam um WM-Torschützenkönig Miroslav Klose und alle Spieler gaben sich volksnah. Sie schrieben nach dem Aufwärmprogramm eifrig Autogramme und standen für Selfies zur Verfügung.

DFB-Präsident Reinhard Grindel verspürt bei dem jungen Team, das den Weltmeister bei dem Acht-Nationen-Turnier vom 17. Juni bis 2. Juli vertritt, eine „große Lust“ auf einen starken Auftritt. Allerdings bleiben einige Fragezeichen, ob die neue Generation im Schnelldurchlauf so vorbereitet werden kann, dass sie gegen internationale Topteams wie Chile oder Portugal besteht.

Ronaldo entflieht Steuer-Ärger

Allerdings ist die Vorbereitung der portugiesischen Europameister belastet: Im fernen Russland lächelte Cristiano Ronaldo den Steuer-Ärger aus der sportlichen Heimat Spanien erstmal weg. Beim launigen Fangenspielen mit Real-Kumpel Pepe auf dem Trainingsrasen von Rubin Kasan schienen die schweren Vorwürfe weit entfernt. Was er von der Steuer-Affäre hält, verdeutlichte er mit einer simplen Geste. Den rechten Zeigefinger auf die Lippen - so präsentiert sich der Weltfußballer via Instagram. Bloß nichts sagen. „Manchmal ist die beste Antwort, still zu sein“, schreibt der 32-Jährige zu dem Foto nach der ersten Trainingseinheit mit Portugal im russischen Kasan.

Gefasst sein müssen die Spieler auf neue Regeln. Erstmals werden bei einem großen FIFA-Turnier die Video-Schiedsrichter zum Einsatz kommen, um bei spielentscheidenden Situationen wie Toren, Abseits, Roten Karten oder Elfmetern die Korrektur offensichtlicher Fehlentscheidungen zu ermöglichen. FIFA-Technik-Direktor Marco van Basten kündigte am Donnerstag in St. Petersburg eine genauere Berechnung der Nachspielzeit an.

„Wir wollen mehr Spielzeit“, sagte der Holländer. Nachspielzeiten von drei oder vier Minuten sind bislang üblich, diese könnten sich demnach durchaus verdoppeln. Ein hartes Durchgreifen werde es auch bei „Mobbing-Situationen“ gegen Referees geben. „Wir wollen ein ordentliches Verhalten der Spieler.“

Auftz.de* finden Sie weitere Informationen und den kompletten Spielplan zum Confed Cup 2017, zum Kader der deutschen Nationalmannschaft und zu den TV-Übertragungen des Turniers.

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dpa

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