WM-Gastgeber

Russen-Disco & Größenwahn - Wirbel um deutsches Duo

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Steht im russischen Kader: Ex-Bundesliga-Profi Roman Neustädter. Foto: Marius Becker

Moskau (dpa) - WM-Gastgeber Russland hat rund 80 Tage vor dem Turnierstart genug sportliche Sorgen. Der Disco-Vorfall um die Ex-Bundesliga-Spieler Roman Neustädter und Konstantin Rausch kommt da zur Unzeit. Im nächsten Härtetest wird sich zeigen, ob Trainer Tschertschessow dem Duo verziehen hat.

Entspannt schlendert die Gruppe junger Menschen über einen spärlich beleuchteten Hinterhof-Parkplatz. Für WM-Gastgeber Russland ist die Video-Aufnahme aus dem nächtlichen Moskau ein Ärgernis und die ehemaligen Bundesliga-Profis Rausch und Neustädter bringen die schummrigen Bilder gut 80 Tage vor dem Turnierstart in Bedrängnis. Ob nun tatsächlich eine Disco-Feier im Nachtclub Duran oder wie von den Spielern als Entschuldigung vorgebracht nur ein Restaurant-Besuch, Schlagzeilen um nachtaktive Fußball-Stars kann Russland nicht gebrauchen.

Noch am Tag nach dem ernüchternden 0:3 gegen Brasilien wurden die gegen die Seleçao nicht eingesetzten Neustädter und Rausch mit einer Geldstrafe in nicht genannter Höhe belegt. Das Verhalten schade dem Image der russischen Nationalmannschaft, teilte der Verband mit. "Wir werden unser Bestes geben, um diesen Fehler nicht zu wiederholen", wurden die Profis in der Mitteilung des Verbandes zitiert.

Am Sonntag waren beide beim Training im Camp der Russen im verschneiten Nowogorsk dabei. Beim nächsten Test gegen Frankreich am Dienstag in St. Petersburg wird sich zeigen, ob Trainer Stanislaw Tschertschessow den mit dem Ziel WM-Teilnahme eingebürgerten Spielern verziehen hat. Die WM-Chancen haben sich für den ehemaligen Schalker Neustädter und den früheren Kölner Rausch definitiv nicht verbessert.

Für Neustädter spricht immerhin, dass nach dem Ausfall der verletzten Georgi Dschikija und Wiktor Wassin in der Abwehr Personalnot herrscht. Rausch ist nach seinem Winterwechsel vom 1. FC Köln zu Dynamo Moskau noch nicht durch hervorragende Leistungen aufgefallen.

Tschertschessow hat allerdings größere Sorgen. Die Geldbuße war nur Teil der notwendigen Aufarbeitung nach der Brasilien-Niederlage. Nach dem ungleichen Duell mit dem Rekord-Champion konnte der WM-Gastgeber die Fußball-Realität nicht ausblenden. "Der Gegner war stärker und in seiner Qualität besser. Wir müssen jetzt beginnen, unsere Probleme zu lösen und die Fehler zu korrigieren", mahnte Tschertschessow.

Knapp zwölf Wochen bleiben dem ehemaligen Dresdner Torwart, um die Sbornaja auf die Vorrunden-Duellen gegen Saudi-Arabien, Ägypten und Uruguay vorzubereiten. Brasilien und Frankreich sind nicht die Messlatte, aber eine weitere Niederlage würde die Stimmung drücken.

Die Erwartungen schwanken zwischen Größenwahn und Fatalismus. "Unser höchstes Ziel ist es, die WM zu gewinnen. Das ist unsere Messlatte", sagte Stürmer Anton Sabolotny zu championat.com. und ergänzte treffender: "Wir werden einen anderen Fußball zeigen müssen."

Fußball ist längst ein Politikum im Land von Präsident Wladimir Putin. Der einflussreiche Duma-Abgeordnete Igor Lebedew wollte wohl beruhigend einwirken und warnte davor, solchen Vorfällen zu viel Bedeutung beizumessen. "Ja, die Mannschaft hat gegen Brasilien verloren. Aber sollen alle Spieler jetzt aus dem Fenster springen, sich ein Bein abschneiden oder zwei Wochen weinen?"

Die Bespitzelung von Fußballern sollte aufhören, sagte der Parlamentsvizepräsident der Zeitung "Sport Express". "Spieler sind ganz normale Menschen. Sie können in ihrer Freizeit in Clubs und Restaurants gehen, das ist nichts Schlimmes", meinte Lebedew, der auch Funktionär des russischen Fußballverbands RFS ist.

Mitteilung russischer Verband zu Rausch und Neustädter

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