Reaktion auf ARD-Bericht

Roberto Carlos wehrt sich gegen Dopingvorwürfe

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Roberto Carlos.

Dem brasilianischen Spitzensport droht ein Dopingskandal, der möglicherweise auch ehemalige Fußball-Nationalspieler und Olympiamedaillengewinner des Landes erfasst.

Roberto Carlos ist sich keiner Schuld bewusst. "Ich bestreite vehement die von der ARD gemachten Anschuldigungen und bekräftige, dass ich niemals auf Mittel zurückgegriffen habe, die mir einen Vorteil gegenüber meinen Kollegen hätten verschaffen können", betonte der langjährige Weltklasse-Außenverteidiger von Real Madrid in einem offenen Brief als Reaktion auf Vorwürfe in einer ARD-Reportage. Weil er den im Bericht genannten Arzt nicht kenne, seien seine Anwälte schon eingeschaltet worden. Die ARD solle für ihre Anschuldigungen "vor Gericht und öffentlich" Beweise vorlegen.

Das Erste hatte am Samstag in einer Reportage von einem flächendeckenden Dopingskandal im Olympia-Gastgeberland von 2016 berichtet. Der frühere Seleção-Star Roberto Carlos wies die Vorwürfe, im Vorfeld der WM 2002 einen für die Verschreibung verbotener Mittel bekannten Arzt aufgesucht zu haben, energisch zurück und drohte mit der Einschaltung von Anwälten.

Der 44-Jährige hatte jedoch zuvor von den für die Produktion der Folge "Brasiliens schmutziges Spiel" aus der ARD-Reihe Geheimsache Doping zuständigen Journalisten mehrfach die Chance erhalten, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, aber alle Anfragen unbeantwortet gelassen.

Sein Name steht in einem 200 Seiten starken Dossier der brasilianischen Anti-Doping-Agentur ABCD, das 2015 der Staatsanwaltschaft übergeben worden war. Dieser Bericht liegt der ARD-Dopingredaktion vor.

Dort heißt es, dass eine Person, die beim vermeintlichen Dopingarzt Júlio César Alves zu jener Zeit Patient war, Roberto Carlos im Juli 2002 in der Praxis gesehen hatte. Gegenüber einem als Fußballmanager aus Europa getarnten Reporter ging der Arzt sogar noch weiter und bestätigte: "Roberto Carlos war bei mir in Behandlung. Der Nationalspieler. Er kam schon mit 15 zu mir. Da war er ein schmächtiger Junge. Ich habe seine Oberschenkel entwickelt."

Doch nicht nur der Fußball ist von den Dopingvorwürfen betroffen. Laut Alves gegenüber ESPN waren im Vorfeld der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro rund 25 Kader-Athleten aus diversen Sportarten bei ihm in Piracicaba, rund 150 km von São Paulo entfernt, zu Gast. Das brisante Dossier mit Namen und Fakten schlummert seit 2015 bei der Staatsanwaltschaft in der Millionen-Metropole.

Alves behauptet unterdessen weiter, dass er bis heute mit vielen Topsportlern zusammenarbeite, darunter immer wieder Profifußballer aus Brasilien und dem Ausland. Lockvögeln der ARD-Dopingredaktion verkaufte der Mediziner für knapp 3000 Euro kiloweise hochwirksame und gesundheitsgefährdende Hormonpräparate, die auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) stehen. Anfragen zu einer möglichen Zusammenarbeit von Spielern der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft mit dem verdächtigen Arzt ließ der nationale Fußballverband CBF unbeantwortet.

Dass Alves offenbar Sportler gezielt mit Dopingmitteln versorgt, ist in Brasilien eigentlich seit Jahren bekannt. So behauptete er im brasilianischen Fernsehen, Olympia-Athleten mit Dopingsubstanzen zu behandeln. Zudem seien zwei Fußballer aus der Seleção im Vorfeld der Heim-WM 2014 bei ihm in Behandlung gewesen.

Brasiliens Sport war kurz vor Beginn der Olympischen Spiele in Rio bereits unter Generalverdacht geraten. Die WADA hatte bestätigt, dass im größten Land Südamerikas im Vorfeld der Spiele bei "führenden Athleten" keine Dopingtests mehr vorgenommen worden seien - auch auf Druck staatlicher Stellen.

Brasiliens langjähriger Anti-Doping-Chef Marco Aurelio Klein erklärte dem ARD-Rechercheteam nun, dass es in Brasilien sogar viele Monate überhaupt keine Tests mehr gegeben habe. Demnach wurde Anfang Juli 2015 die letzte unangemeldete Trainingskontrolle der brasilianischen Anti-Doping-Agentur durchgeführt.

sid

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