Rücktritt (noch) kein Thema

Pique erwartet Spießrutenlauf: „Werde nicht durch Hintertür verschwinden“

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Gerard Pique.

Angesichts der Spannungen in Spanien rückt der sportliche Wert des WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien in den Hintergrund. Auf Gerard Pique lastet ein besonders großer Druck.

Alicante/Berlin - Gerard Pique ist es gewohnt, auch bei heftigem Gegenwind seinen Mann zu stehen. Über die Jahre hat der 1,93 Meter große Abwehrhüne mit seiner lässigen Spielweise, vor allem aber mit politischen Äußerungen den Zorn der spanischen Fans auf sich gezogen. Am Freitag (20.45 Uhr) dürften die Anfeindungen aber über das normale Maß hinaus gehen. Auf den stolzen Katalanen wartet im WM-Qualifikationsspiel in Alicante gegen Albanien ein Spießrutenlauf.

Einen Vorgeschmack bekam der Profi des FC Barcelona beim öffentlichen Training am Montag, als Tausende Fans der "Furia Roja" den angeblichen Unterstützer des Unabhängigkeitsreferendums Kataloniens verbal massiv attackierten. "Pique cabron, Espana es tu nacion", skandierten die Anhänger. "Pique, Arschloch, deine Nation ist Spanien."

Pique scheint die enormen Spannungen auf sich zu vereinen. Nachdem der 30-Jährige unter Tränen die Polizeigewalt rund um das Referendum kritisiert und seine Solidarität mit dem katalanischen Volk ausgedrückt hat, ist der in Barcelona geborene Fußballprofi ein Held für die Unabhängigkeitskämpfer - und ein Feindbild für die Spanier. Dabei hat sich Pique öffentlich bislang gar nicht für eine Abspaltung ausgesprochen.

Pique: „Werde jetzt nicht durch die Hintertür verschwinden"

"Wir Fußballer sind globale Figuren", sagt er, "wir können uns nicht auf eine Seite schlagen." Deshalb komme ein Rücktritt aus der spanischen Nationalmannschaft für ihn auch nicht infrage: "Seit fast zehn Jahren spiele ich für Spanien, ich werde jetzt nicht durch die Hintertür verschwinden." Er habe eine Nachricht an alle Fans, sagte Barcas Abwehrchef auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz: "Zweifelt nicht meine Hingabe an! Ich bin sehr stolz, hier zu sein."

Es ist jedoch zu befürchten, dass Pique - sollte er nicht zum Selbstschutz auf der Bank Platz nehmen - im Spiel gegen Albanien zum Opfer einer spanischen Gewohnheit wird: regionale Konflikte auf den Fußball zu übertragen. Pique selbst hat bei dem Spiel in der Vergangenheit gerne mitgemacht, doch in der momentan aufgeheizten Atmosphäre schlägt der Ehemann der Popsängerin Shakira versöhnliche Töne an: "Die einzige Lösung ist der Dialog. Oder es wird immer schlimmer."

Interessant wird sein, ob das Nationalteam im Spiel gegen Albanien ein Zeichen des Zusammenhalts setzt. Wie werden sich die Profis von Real Madrid um Rädelsführer Sergio Ramos verhalten? Die Stimmung im Team sei "zum Zerreißen gespannt", berichtete die Sportzeitung AS. So oder so, die Zukunft der Nationalmannschaft dürfte ungewiss sein, sollte die Situation nach einer möglichen Unabhängigkeitserklärung der katalonischen Regionalregierung eskalieren.

sid

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