Russischer Doping-Skandal

Mutko schließt Rückzug als WM-Organisator nicht aus

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Legt die Führung des russischen Fußballverbandes vorerst nieder: Der stellvertretender Ministerpräsident Witali Mutko. Foto: Christian Charisius

Wackelt der Stuhl von Witali Mutko? Oder schlägt der russische Spotfunktionär eine Volte, um ungeschoren durch die Doping-Vorwürfe zu kommen? Die Treueschwüre der FIFA scheinen dünner zu klingen.

Moskau (dpa) - Ein halbes Jahr vor der Fußball-WM in Russland schließt der im Doping-Skandal bedrängte Cheforganisator Witali Mutko einen Rücktritt von diesem FIFA-Posten nicht mehr aus.

Mutko sagte in Moskau außerdem, dass er die Führung des russischen Fußballverbandes RFS für bis zu sechs Monate ruhen lassen werde. In dieser Zeit wolle er sich vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne gegen die vom IOC verhängte lebenslange Olympia-Sperre wehren.

Es wäre logisch, sich auf sein staatliches Amt zu konzentrieren und die Ehrenämter abzugeben, sagte der für Sport zuständige Vizeregierungschef und Multifunktionär (59). Über den Verbleib an der Spitze des Organisationskomitees bestimme aber nicht er: "Das entscheiden das Staatsoberhaupt, der Regierungschef und der Aufsichtsrat." Als Organisationschef der WM vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 ist er vertraglich an den Fußball-Weltverband FIFA gebunden.

Nach einer Meldung der Agentur Tass dankte die FIFA Mutko für den Rückzug aus dem russischen Fußballverband. Dies sei im Interesse einer erfolgreichen WM. Über weitere Schritte im Organisationskomitee werde die FIFA in den kommenden Tagen mit allen Beteiligten reden, zitierte die Agentur aus einer Stellungnahme. Es ändere sich nichts an einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen FIFA, russischer Regierung und dem Organisationskomitee.

Mutko sagte, an seiner Stelle stünde der Generalsekretär des Komitees, Alexander Sorokin, bereit. Den Fußballverband soll für die Zwischenzeit dessen Generalsekretär Alexander Alajew führen, wie russische Agenturen nach einer Sitzung der Verbandsführung meldeten. "Er geht, um zu bleiben", schrieb die russische Zeitung "Sport-Express".

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hält den langjährigen Sportminister Mutko für einen der Verantwortlichen im russischen Doping-Skandal. Die Manipulationen erreichten einen Höhepunkt bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Deshalb hatte das IOC Mutko Anfang Dezember lebenslang für Olympia gesperrt. Die FIFA hatte ihn danach zunächst unterstürzt, doch es wuchs der Druck, ein Zeichen zu setzen. Auch Fußballer, darunter russische Nationalspieler bei der WM 2014 in Brasilien, sollen von dem Doping-System profitiert haben.

Die russische Politik weist den Vorwurf systematischen Dopings zurück und spricht von Einzelfällen. "Es gibt in letzter Zeit so viele Angriffe auf den russischen Sport, aber wir gehen davon aus, dass das alles politisiert ist und die Erfolge und das Image unserer Athleten diskreditieren soll", sagte Mutko. Die Dopingstrafen gegen russische Sportler wegen Sotschi seien durch nichts begründet. Gegen seine Sperre wollte er am Dienstag beim CAS Beschwerde einlegen.

Mutko ist ein langjähriger sportpolitischer Weggefährte von Präsident Wladimir Putin. Wie der Kremlchef begann er seine Karriere in St. Petersburg. Den Fußballverband führte er bereits von 2005 bis 2009 und ließ sich 2015 erneut an die Spitze wählen.

Artikel bei-R-Sport/russ.

Bilder der Sitzung bei russischem Fußball-Verband

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