Nach Tweet

Mesut Özil und das China-Gate: Jetzt wird der Arsenal-Star aus einem Videospiel gelöscht

Mesut Özil und sein Tweet zur Uiguren-Verfolgung in China schlägt hohe Wellen. Jetzt wurde er sogar aus einem Videospiel gelöscht.

  • Mesut Özil hat auf Twitter einen Streit um die Uiguren-Verfolgung in China ausgelöst
  • Die chinesische Regierung kritisierte den Fußballer daraufhin scharf
  • Jetzt wurde der Arsenal-Star sogar aus einem Videospiel gelöscht

Update vom 19. Dezember: Nach der Kritik von Mesut Özil an der Verfolgung der Uiguren in China ist der Star des FC Arsenal aus der chinesischen Version von „eFootball PES 2020“ gestrichen worden. „Seine Worte haben die Gefühle der chinesischen Fans verletzt. Wir können es nicht verstehen, akzeptieren oder entschuldigen!“, teilte das Projektteam der Internetfirma NetEase mit, die in China die Lizenz für das Spiel hat.

Die chinesischen Spiele „Pro Evolution Soccer“, „Pro Evolution: Kings Assembly“ und „Pro Evolution Club“ wiesen keinen Spieler „Mesut Özil“ mehr auf, hieß es weiter. Die Reaktion folgte auf heftige Kritik der chinesischen Regierung an einem Tweet von Özil. Der Ex-Weltmeister hatte auf Türkisch die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in Nordwestchina scharf angeprangert und sie als „Kämpfer, die der Verfolgung widerstehen“, beschrieben.

Bei Özils Ex-Klub Schalke 04 trauert man währenddessen um einen verstorbenen Fan

Mesut Özil und das China-Gate: Leidet nun die gesamte Premier League darunter?

Erstmeldung vom 18. Dezember: London - Der deutsche Ex-Fußballnationalspieler Mesut Özil hat im Streit um die Uiguren-Verfolgung in China die Unterstützung von US-Außenminister Mike Pompeo bekommen. 

Pompeo schrieb am Dienstag im Kurzbotschaftendienst Twitter, die chinesischen „Propaganda-Medien“ könnten Özil und die Spiele seines Vereins FC Arsenal die gesamte Saison über mit Zensur belegen. „Aber die Wahrheit wird sich durchsetzen.“ Die kommunistische Partei Chinas könne die „schweren Menschenrechtsverletzungen“ gegen die Uiguren nicht verheimlichen.

Mesut Özil: Tweet zu Uiguren-Verfolgung in China schlägt hohe Wellen

Der frühere Arsenal-Trainer Arsène Wenger hat Özil nach dessen kritischen Äußerungen derweil auch in Schutz genommen. „Mesut Özil hat das Recht auf freie Meinungsäußerung wie jeder andere auch“, sagte Wenger der BBC am Rande der Club-WM in Doha, „er nutzt seine Bekanntheit, um seine Sichtweise auszudrücken, die nicht unbedingt von allen geteilt wird.“

Wenger, der inzwischen FIFA-Direktor für „globale Fußballförderung“ ist, betonte, Özil habe eine individuelle Verantwortung. Der frühere deutsche Fußball-Weltmeister spreche nicht für seinen Club. „Er muss nicht das Wort des FC Arsenal in die Welt tragen“, sagte der Ex-Coach, fügte aber hinzu: „Wenn man seine eigene Meinung äußert, akzeptiert man auch die Konsequenzen.“

Der FC Arsenal hatte sich, wohl auch aufgrund wirtschaftlicher Interessen in China, umgehend von Özils Äußerungen distanziert. Der chinesische Staatssender CCTV nahm in der Folge die Live-Übertragung eines Spiels zwischen dem FC Arsenal und Manchester City aus dem Programm. 

Die Auseinandersetzung könnte für den FC Arsenal und die Premier League Auswirkungen im lukrativen chinesischen Markt haben. Bereits vor einigen Monaten gab es einen Vorfall mit der US-Basketball-Profiliga NBA und der chinesischen Regierung.

Am Montag warf die chinesische Regierung Özil vor, er habe sich „von Fake News täuschen“ lassen. Lob erhielt Özil von Menschenrechtsaktivisten.

Der Weltmeister von 2014 hatte vergangene Woche die Verfolgung der muslimischen Minderheit der Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjiang kritisiert und das Schweigen muslimischer Staaten angeprangert. Chinesische Medien kritisierten den türkischstämmigen Fußballer daraufhin scharf.

Mesut Özil: China reagiert heftig nach Kritik - Pompeo und Wenger springen ihm zur Seite

Experten werfen China massive Menschenrechtsverletzungen an der muslimischen Minderheit der Uiguren vor. Mehr als eine Million Uiguren und andere Muslime befinden sich Menschenrechtsaktivisten zufolge in Umerziehungslagern, wo sie demnach willkürlich festgehalten und teils misshandelt werden. Nachdem die Regierung in Peking die Existenz der Lager zunächst bestritten hatte, spricht sie heute von "Berufsbildungszentren" zur Deradikalisierung.

Nach offiziell unbestätigten Schätzungen sind Hunderttausende Uiguren in Umerziehungslager gesteckt worden, die China allerdings nur als Fortbildungszentren beschreibt. 

Özil und das China-Gate: Das nächste politische Statement des Arsenal-Stars

Uiguren sind ethnisch mit den Türken verwandt und fühlen sich von den herrschenden Han-Chinesen unterdrückt. Nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking hatten die Kommunisten das frühere Ostturkestan der Volksrepublik einverleibt. Peking wirft uigurischen Gruppen Terrorismus und Separatismus vor.

Özil war im vergangenen Jahr in Deutschland in die Kritik geraten, weil er sich vor einer Wahl in der Türkei demonstrativ an der Seite des islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gezeigt hatte, dem seinerseits Menschenrechtsverletzungen und die Missachtung des Rechtsstaates vorgeworfen werden. Der Streit führte schließlich mit zu Özils Rücktritt aus der deutschen Fußballnationalmannschaft.

afp/sid/fs

Rubriklistenbild: © dpa / Nick Potts

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