Demonstrativ demütig

Mario Götze: „Mir geht es wieder gut, aber ...“

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Mario Götze beim Spiel gegen Wolfsburg.

Er kam, sah und siegte: Doch nach seinem einstündigen Comeback beim 3:0-Erfolg des deutschen Pokalsiegers Borussia Dortmund beim VfL Wolfsburg gab sich Weltmeister Mario Götze demonstrativ demütig.

Wolfsburg - Auch lauter Beifall und nicht enden wollende Jubelgesänge der nach Wolfsburg mitgereisten Fans konnten "Super-Mario" Götze nicht aus der Reserve locken. "Mir geht es wieder gut, ich habe mich gut gefühlt, aber ich bin längst noch nicht wieder bei hundert Prozent", sagte der Weltmeister und blickte dabei fast demütig zu Boden.

Aber das einstündige Comeback in die Liga nach fast siebenmonatiger Pause wegen einer Stoffwechselstörung war ein weiterer Schritt auf der langen Reise zurück zum unumstrittenen Leistungsträger bei DFB-Pokalsieger Borussia Dortmund - und irgendwann auch wieder in der Nationalmannschaft. Doch bis dahin "muss ich viel trainieren und eine Menge arbeiten."

Wahrscheinlich mehr als beim lockeren 3:0 (2:0)-Erfolg des BVB beim VfL Wolfsburg. Die Niedersachsen waren als Aufbaugegner für den 25-Jährigen wie gemalt: Viel zu körperlos in den Zweikämpfen, erschreckend behäbig im Spielaufbau.

Defizite, die Götze zu einer Torvorlage, mehreren gelungenen Dribblings und ein paar allerdings noch eher schwächlichen Torschüssen nutzte. Da war dann doch zu erkennen, dass es dem Mittelfeld-Ass noch an Wettkampfpraxis mangelt.

Und so blieben auch dem neuen BVB-Coach Peter Bosz nachvollziehbare Ansätze für mahnende Worte. "Mario ist ein außergewöhnlicher Spieler mit vielen Qualitäten. Aber wir müssen geduldig sein. Gegen Wolfsburg hat er einige Spielminuten gesammelt und ist unverletzt geblieben", resümierte der Niederländer nach seinem Liga-Debüt in Diensten der Westfalen.

Eine Zurückhaltung, der sich BVB-Boss Hans-Joachim nicht anschließen mochte - und sichtlich auch nicht wollte: "Wenn Mario spielt, da lacht das Herz. Einen solchen Fußball kann man - oder eben nicht!"

Da fiel es Watzke einen Moment lang sogar leicht, sich nur am Rande gedanklich mit "Streikprofi" Ousmane Dembélé zu beschäftigen. "Man einigt sich oder man einigt sich nicht, nur diese beiden Möglichkeiten gibt es", sagte er zu diesem Thema kurz angebunden.

Luxusprobleme aus Sicht der 90 Minuten lang überforderten Norddeutschen, die 82 Tage nach dem entscheidenden Relegationsspiel gegen den Nachbarn Eintracht Braunschweig offensichtlich sportlich nicht vom Fleck gekommen sind. Auch eine noch höhere Heimniederlage wäre vor 30.000 enttäuschten Zuschauern in der ausverkauften Volkswagen-Arena möglich gewesen.

Da blieb auch VfL-Torjäger Mario Gomez, der in der Sturmspitze der Wölfe förmlich verhungerte, kaum mehr als das Prinzip Hoffnung. "So stark wie Dortmund wird nicht jeder Gegner in den kommenden Wochen sein", formulierte der Mannschaftskapitän. Der Auftritt seines Teams am kommenden Wochenende in Frankfurt könnte dazu erste Hinweise liefern.

Beim Gastspiel am Main, das musste Coach Andries Jonker auf brutale Weise lernen, fängt die Wolfsburger Saison erst so richtig an. Denn der sportliche Anschluss an die Topteams der Liga ist völlig verloren gegangen, bis auf weiteres muss man sich in der Tabelle eher nach unten orientieren.

"In den nächsten Wochen kommen andere Spiele und andere Ergebnisse", sagte der Fußball-Lehrer so optimistisch wie möglich. Hoffnungen, die vielleicht nicht ganz unbegründet sind: Nach dem Auftritt bei der Eintracht geht es "nur" gegen die Aufsteiger Hannover 96 und VfB Stuttgart.

sid

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