Entsetzen schlägt in blanke Wut um

HSV wie ein Absteiger - Fans bedrohen Spieler

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Sicherheitskräfte mussten nach dem Spiel die HSV-Spieler beschützen.

Der Hamburger SV verliert im Abstiegskampf immer mehr den Anschluss und liefert keine Argumente für ein erneutes Happy End. Am Sonntag kam es bei der Mitgliederversammlung zum Duell ums Präsidentenamt.

Hamburg - Nach dem sportlichen Offenbarungseid schlug das Entsetzen in blanke Wut um. Aufgebrachte Anhänger des Hamburger SV versuchten den Innenraum zu stürmen und ihrem Frust über den deprimierenden Auftritt beim 1:2 (0:1) gegen Bayer Leverkusen Luft zu machen. Schon während des so wichtigen Duells hatten einige Chaoten ihrem eigenen Team mit einem geschmacklosen Plakat gedroht: "Bevor die Uhr ausgeht, jagen wir euch durch die Stadt." Vieles wirkte im Volksparkstadion so, als sei das düsterste Szenario bereits eingetreten.

"Wir dürfen uns nicht zerfleischen", sagte der bislang glücklose Trainer Bernd Hollerbach nach der zehnten Partie in Folge ohne Sieg und dem nächsten großen Schritt in Richtung des ersten Abstiegs. Und auch Sportchef Jens Todt sah wie Vorstandsboss Heribert Bruchhagen durch das Plakat "eine Grenze überschritten". Die große Enttäuschung der Fans konnten die HSV-Verantwortlichen derweil nachvollziehen. Denn wohl nur noch ein kleines Fußball-Wunder kann den Bundesliga-Dino vor dem Absturz bewahren.

"Wir sind heute nicht abgestiegen. Das wäre ja noch schöner", sagte Bruchhagen nach der 200. Bundesliga-Heimniederlage der Hanseaten kämpferisch. Doch das erschreckende Bild, das sein völlig verunsichertes Team abgeliefert hatte, konnte er nicht geraderücken. Zum Relegationsplatz klafft mittlerweile eine große Lücke von sechs Punkten.

Jetzt Abstiegsduell bei Werder Bremen

Falls den Hanseaten der Klassenerhalt erstmals nicht gelingt, dürfe man "keine Apokalypse ausrufen", sagte Bruchhagen, um dann sofort wieder seine Hoffnung auf den Klassenerhalt zu betonen: "Es gibt keine Resignation." Ähnlich äußerte sich Todt, der seinen Optimismus aus den besseren 20 Schlussminuten nach dem Anschlusstreffer von Andre Hahn (71.) gewann. Zuvor hatten die Norddeutschen aber nicht nur bei den Gegentoren durch Leon Bailey (40.) und Kai Havertz (50.) ein denkbar schlechtes Bild abgegeben.

"In den ersten 60 Minuten waren wir viel zu gehemmt und im letzten Drittel zu schlampig. Darüber muss ich mit dem Team reden", sagte Hollerbach folgerichtig. In seinen bisherigen vier Partien als Nachfolger von Markus Gisdol hat der Franke nicht den richtigen Hebel gefunden, um sein Team zu Punkten zu führen. Die Situation ist dramatischer als in den Vorjahren, noch nie hat ein Klub mit dieser Ausgangsposition die Klasse gehalten. Dementsprechend emotional ging es am Sonntag zu.

Denn die Partie gegen Bayer 04 war nur der erste Teil eines auf mehreren Ebenen richtungweisenden Wochenendes für die Hanseaten. Am Tag nach der 14. Saisonniederlage besuchten Bruchhagen und Co. die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung des HSV e.V. mit dem Duell zwischen Amtsinhaber Jens Meier und Herausforderer Bernd Hoffmann um das Präsidentenamt. Der frühere Vorstandsboss Hoffmann hatte zuletzt medienwirksam Wahlkampf betrieben und immer wieder Attacken gegen Meier geritten.

Auf die größte Baustelle hat die Wahl aber kurzfristig nur einen äußert geringen Einfluss. Hier ist Hollerbach im Zusammenspiel mit Todt und dem schwer angeschlagenen Team gefragt. Das Nordderby am kommenden Samstag bei Werder Bremen ist ein Abstiegsendspiel für den am Boden liegenden HSV.

sid

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