Verkehrte Welt im Norden

Fußball vs. Handball: „Störche“ fliegen „Zebras“ davon

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Aufsteiger Holstein Kiel geht als Tabellenführer der zweiten Bundesliga in die Länderspielpause.

Holstein Kiel ist die Überraschungsmannschaft der zweiten Bundesliga. Die „Störche“ gehen auf einem direkten Aufstiegsplatz in die Länderspielpause.

Kiel - Während der deutsche Pokalsieger den Meistertitel nach vier Niederlagen in sieben Spielen fast schon abschreiben kann, eilt der Zweitliga-Aufsteiger von Erfolg zu Erfolg. Kaum jemand hat im hohen Norden für möglich gehalten, dass Holstein nach einem Viertel der Saison auf einem direkten Aufstiegsplatz in die Länderspielpause geht. "Schon jetzt 19 Punkte! Wenn mir das einer vorher gesagt hätte, hätte ich gefragt: Bist du verrückt?", sagte Holstein-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke.

Schließlich weiß der frühere Handball-Nationalspieler nur zu gut, wie schwer der THW in Kiel in die Schranken zu weisen ist. Der 49-Jährige holte als Rückraumspieler sieben nationale Titel mit dem THW, 2009 wechselte er aus dem Handball-Business zum Fußball-Management - mit stetig wachsendem Erfolg.

Scheiterte der deutsche Meister von 1912 noch vor zwei Jahren in der Relegation gegen 1860 München am Aufstieg, bricht er als Zweitliga-Rückkehrer nach 36 Jahren Rekorde. Sechs Siege in neun Spielen, das ist in den ersten neun Begegnungen in der 2. Liga noch keinem Klub gelungen. Wie Schwenke ist daher auch Präsident Steffen Schneekloth begeistert: "Es ist überragend, wie die Mannschaft auftritt. Da wird einem warm ums Herz."

Holstein Kiel: Rasanter Aufschwung in den vergangenen Jahren

Noch 2013 mühten sich die Holsteiner in der viertklassigen Regionalliga Nord ab, die Entwicklung ist rasant. Trainer Markus Anfang fällt es daher von Woche zu Woche schwerer, die stetig wachsende Euphorie in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt zu bremsen: "Wir bleiben mit den Füßen auf der Erde. Es wird auch einmal Spiele geben, wo nicht alles so gut gelingt."

Besonders stolz sein darf der ehemalige Bundesliga-Profi auf den Leistungssprung von Marvin Ducksch. Der frühere U18-Nationalspieler geriet sowohl bei Borussia Dortmund als auch beim FC St. Pauli aufs Abstellgleis. Seit Jahresbeginn bei Holstein trug der 23-Jährige mit fünf Toren maßgeblich zum Aufstieg bei. Weitere fünf Treffer gelangen ihm seit Saisonbeginn.

Nur das altehrwürdige, aber eben auch sanierungsbedürfte Holstein-Stadion schien den unbewohnten Belastungen kurzfristig nicht gewachsen zu sein. Unter hüpfenden Fans hatte sich eine Bodenplatte verformt. Eine Prüfung ergab: Die Grundstatik ist nach wie vor stabil und belastbar - wie die sportliche Erfolgsbilanz des KSV Holstein.

sid

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