Bayern am Dienstag bei Celtic Glasgow

Heynckes sieht Lewandowski-Ausfall ganz cool: „Ich werde eine Lösung finden“

Bayern München plagen vor dem wichtigen Champions-League-Gruppenspiel bei Celtic Glasgow erhebliche Probleme in der Offensive. Der Ausfall von Robert Lewandowski wiegt schwer.

Den Platz von Robert Lewandowski auf dem Sonderflug LH2570 nach Schottland nahm Manuel Wintzheimer ein. Ausgerechnet vor dem wichtigen Gruppenspiel in der Champions League am Dienstag (20.45 Uhr/im Live-Ticker bei tz.de*) bei Celtic Glasgow hat der deutsche Rekordmeister Bayern München, der mit einem Sieg schon frühzeitig das Achtelfinale erreicht hat, den Sturm-Notstand ausrufen müssen.

Nach dem Ausfall seines angeschlagenen Torjägers, der wegen muskulärer Probleme am linken Oberschenkel fehlt, ist Trainer Jupp Heynckes im legendären Celtic Park zu Experimenten gezwungen. Der 72-Jährige lässt sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. "Ich werde eine Lösung finden. Man kann 4-4-2 spielen mit Arjen Robben und Kingsley Coman vorne oder man kann beide auf den Flügel stellen und einen Mittelfeldspieler als hängenden Stürmer bringen", sagte der Coach (eine detaillierte Analyse zur möglichen Aufstellung des FCB finden Sie unter tz.de*)

Neben Lewandowski stehen auch Thomas Müller und Franck Ribery weiterhin nicht zu Verfügung. Der erst 18 Jahre alte Wintzheimer aus dem U19-Team ist deshalb der einzige echte Angreifer im Kader der Münchner, nachdem Regionalliga-Angreifer Kwasi Wriedt für die Königsklasse nicht gemeldet ist. Wintzheimer spielt in Heynckes' Überlegungen aber keine Rolle: "Das ist eigentlich keine Möglichkeit, ich kenne ihn nicht so gut."

Auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge wollte die Probleme vor dem Abflug auf die Insel am Montagmittag nicht überbewerten. Als Bundesliga-Tabellenführer habe man "keine Baustellen". Zumal er seinem erfahrenen Coach vertraut. "Der Trainer lässt sich immer wieder Dinge einfallen, die am Ende des Tages erfolgreich sind", sagte Rummenigge.

Vielleicht blieb der Bayern-Boss auch deshalb so gelassen, weil Lewandowski schon am Samstag (18.30 Uhr/Sky) im Bundesliga-Spitzenspiel bei Borussia Dortmund wieder dabei sein soll. "Der Trainer will nichts riskieren. Er hat schon das Spiel am Samstag im Hinterkopf, das für uns sehr wichtig ist. Da wird Robert auf dem Platz stehen", sagte Rummenigge. Die Pause in Glasgow sei "eine Vorsichtsmaßnahme. Wenn wir gegen Real Madrid gespielt hätten, wäre er mitgefahren."

Dies relativierte Heynckes allerdings. Aus seiner Sicht wäre ein Einsatz Lewandowskis in Glasgow "unsinnig. Es wäre viel zu früh, viel zu risikoreich. Er würde sich eine Muskelverletzung zuziehen", sagte der Triple-Coach, der die "bestmögliche Mannschaft" aufbieten will. Das Top-Spiel beim BVB habe "keinen Einfluss" auf seine Entscheidung.

Der Ausfall des Polen zeigt dennoch, wie dünn die Spielerdecke der Bayern im vorderen Bereich ist. "Eigentlich Wahnsinn, dass wir nur einen Stürmer haben", klagte Jerome Boateng bereits am Samstag nach dem 2:0 gegen Leipzig. Die Situation sei "besorgniserregend".

Bewusst hatten sich die Bayern vor der Saison gegen einen Backup für Lewandowski entschieden. Man habe ja noch Müller, außerdem sei Lewandowski so gut wie nie verletzt, hieß es. Inzwischen hat ein Umdenken eingesetzt. "Wir schauen uns um", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Auch Rummenigge kündigte an, dass sich der FC Bayern bei einem passenden Namen mit dem Thema befassen wird.

Zumal auch Lewandowski selbst schon Alarm schlägt. "Es wäre gut, wenn ich ein bisschen mehr Ruhe bekommen könnte", sagte der 29-Jährige. Kein Spieler könne "die ganze Saison 90 Minuten spielen. Diese Saison ist wirklich schwer." Gegen Leipzig streikte nun der Muskel. Ein Krampf, wie der Pole betonte. James, Robben, Thiago oder Arturo Vidal hatten sich danach abwechselnd in der Spitze versucht - allerdings ohne Erfolg.

Nach fünf Siegen unter Heynckes wollen die Münchner aber so oder so auf Kurs bleiben. "Es wäre schön, wenn wir die drei Punkte holen, dann wären wir schon für das Achtelfinale qualifiziert", sagte Rummenigge, der sich auf die "außergewöhnliche Atmosphäre" im Celtic Park freut. "Welcome to Paradise" begrüßt Celtic die Fans auf der offiziellen Website, für den FC Bayern soll das 60.000 Zuschauer fassende Stadion aber zur Hölle werden.


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sid/Video: Glomex

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