Ex-Fanbeauftrager soll Präsident werden

Hannover 96 in Aufruhr: Mitglieder strafen Kind ab - und rütteln an 50+1-Plan

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Das hatte sich Martin Kind wohl anders vorgestellt: Die Mitglieder von Hannover 96 haben ihn kräftig abgestraft - und könnten seine Pläne ins Wanken bringen.

Über den möglichen Fall der 50+1-Regel wird in Fußball-Deutschland erbittert gestritten. Im Fokus steht auch Hannover 96 - dort haben nun die Fans einen kleinen Erdrutsch losgetreten.

Hannover - Als das Wahlergebnis verkündet wurde, jubelte und sang die Opposition bei Hannover 96 wie in der Fankurve im Stadion. Die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung des tief gespaltenen Vereins endete am Samstagabend mit einem Machtwechsel.

Die Gegner von Martin Kind setzten sich nach rund viereinhalb Stunden deutlich gegen die Befürworter des bisherigen Präsidenten durch. Denn alle fünf Kandidaten der Oppositionsgruppe „Pro Verein 1896“ inklusive des früheren 96-Kapitäns Carsten Linke wurden in den neuen fünfköpfigen Aufsichtsrat gewählt. Mit dieser absoluten Mehrheit können die Kind-Gegner nun den Nachfolger des langjährigen Vereinschefs einsetzen. Neuer 96-Präsident soll der frühere Fanbeauftragte und bisherige Aufsichtsrat Sebastian Kramer werden.

„Der Unmut im Verein ist über Jahre gewachsen. Deshalb war es für uns leichter, zu mobilisieren“, sagte Ex-Kicker Linke. „Ich hoffe, dass wir jetzt gemeinsam wieder an einem Strang ziehen können.“

Kind von Hannovers Mitglieder abgestraft - er warnt vor einer Gefahr für den Verein

Das wird allerdings nicht einfach, denn Kind ist nach fast 22 Jahren freiwillig nur aus dem Amt des Vereinspräsidenten geschieden. Der 74-Jährige ist nach wie vor Geschäftsführer der ausgegliederten Profifußball-Abteilung Hannover 96 GmbH und Co. KGaA sowie Mehrheitseigner jener Gesellschaft, der diese KGaA gehört. In Zukunft muss nun die Profifußball-Gesellschaft von Kind mit einem Mutterverein zusammenarbeiten, der ausschließlich von Kind-Gegnern geführt wird und außerdem so viel Einfluss wie möglich auf die Bundesliga-Mannschaft zurückgewinnen will.

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„Ich werde mich heute nicht positionieren“, sagte Kind. „Wir wollen jetzt nichts überstürzen und alles in Ruhe und Gelassenheit angehen. Es war immer klar, dass die Szene gut organisiert ist und gut mobilisiert.“ In seiner Rede während der Versammlung warnte er aber auch: „Aus meiner Sicht ist das Zwei-Säulen-Modell ein Erfolgsmodell. Hier der Profifußball, dort der Amateursport. Wer dieses Modell infrage stellt, der gefährdet das ganze Haus Hannover 96 insgesamt.“ Kind hatte die Bundesliga wegen ihrer Haltung zur 50+1-Regel wiederholt scharf kritisiert.

Hannover 96: Unmut gegen Kind war über Jahre gewachsen

Im Laufe der Jahre ist vor allem bei den organisierten Fans ein großer Unmut über Kind gewachsen. Die Hauptvorwürfe: Er regiere den Verein von oben herab, er ignoriere Meinungen der Mitglieder und gebe vor allem niemanden einen Einblick in entscheidende Dinge wie den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel.

Das ist das mit Abstand brisanteste Thema bei 96. Denn dieser Antrag liegt seit Monaten beim Ständigen Schiedsgericht der Lizenzligen. Sollte Kind diese Ausnahmegenehmigung bekommen, hätte der Verein 96 endgültig keinen Zugriff auf die Fußball-Profis von 96 mehr. Deshalb will die neue Vereinsführung nun auch prüfen, ob sie den Antrag eventuell sogar wieder zurückziehen kann. „Das ist schwer zu beurteilen“, sagte der designierte Präsident Kramer. „Wir sind an diesem Prozess nicht beteiligt gewesen und werden jetzt versuchen, Informationen von der DFL und dem Schiedsgericht zu bekommen.“

Zoff bei Hannover 96: Mitglieder verweigern Kind die Entlastung - und lassen Kandidaten durchfallen

Gerade weil es um Reizthemen wie die Mitbestimmung der Mitglieder und die 50+1-Regel ging, waren die Anhänger der Opposition bei dieser Versammlung deutlich in der Mehrheit. Zunächst wurde sowohl der bisherige Vorstand um Martin Kind als auch der bisherige Aufsichtsrat für das vergangene Jahr nicht entlastet. Danach fielen bei den Aufsichtsratswahlen alle fünf Kandidaten des Pro-Kind-Lagers durch. Selbst Karsten Surmann erhielt als Kapitän der Pokalsieger-Mannschaft von 1992 nur 678 von rund 2000 möglichen Stimmen.

Die meisten erhielt Carsten Linke mit 1444 Stimmen. „Wir freuen uns für den heutigen Abend. Aber wir haben heute keinen Pokal gewonnen. Wir haben eine schwierige Aufgabe übernommen“, sagte der 53-Jährige.

dpa/fn

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