Trotz Befreiungsschlag

Gladbach hat Ärger mit den eigenen Fans

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Torwart Yann Sommer, Matthias Ginter (verdeckt) und Lars Stindl (l-r) von Mönchengladbach diskutieren nach dem 3:1 gegen Berlin mit einem Fan.

Aufatmen in Mönchengladbach: Nach sechs Wochen ohne Sieg gelang der Borussia gegen Hertha BSC ein Befreiungsschlag. Gute Laune wollte dennoch nicht aufkommen.

Mönchengladbach - Wie Sieger sahen sie nach dem Spiel nicht aus, die Weltmeister Christoph Kramer und Matthias Ginter. Auch Nationalspieler Lars Stindl verließ nach den Diskussionen mit den eigenen Fans sichtlich genervt den Rasen. Für die Profis von Borussia Mönchengladbach fühlte sich das glückliche 2:1 (0:1) gegen Hertha BSC wie ein Befreiungsschlag an, einige Anhänger ließen trotzdem ihrem Frust freien Lauf.

Die schwachen Leistungen der Rückrunde - und dazu zählten auch die ersten 70 Minuten gegen Berlin - haben am Niederrhein ihre Spuren hinterlassen. Trainer Dieter Hecking sah sich genötigt, seine Mannschaft gegen die Anfeindungen in Schutz zu nehmen.

"Wenn einige wenige Fans meinen, nach dem Spiel unseren Torwart anzugehen, finde ich das sehr, sehr bedenklich. Das hat bei uns im Borussia-Stadion nichts zu suchen", sagte Hecking. Yann Sommer hatte sich die Häme von der Tribüne nicht gefallen lassen und die Tumulte ausgelöst. Kramer, Ginter und Stindl versuchten zu schlichten, doch die Stimmung war längst vergiftet.

Nach vier Spielen in Folge ohne Sieg wusste Hecking genau, "was hier los gewesen wäre", wenn der eingewechselte Thorgan Hazard die Partie mit seinem Doppelpack (75./79., Foulelfmeter) nicht gedreht hätte. "Langsam und behäbig" sei das Spiel seiner Elf gewesen, wie so häufig in den letzten Wochen. "Dass Leichtigkeit und Selbstverständnis fehlen, wissen wir auch so. Dafür brauchen wir keinen Pfiff", sagte Hecking verstimmt.

Die Fans hatten ihrem Unmut bereits zur Pause Luft verschafft, nach dem elften Saisontreffer des Berliners Salomon Kalou (40.) drohte den Europapokalträumen der Gladbacher das endgültige Ende. Nach der Pause ließen die Gäste gleich vier Großchancen liegen und ermöglichten der Borussia damit das Comeback.

"Es war ein Sieg des Willens, darüber freuen wir uns riesig", sagte Stindl und schickte eine Botschaft an die verärgerten Fans: "Für die Art und Weise brauchen wir uns nicht zu entschuldigen."

Kramer versuchte dagegen, Verständnis für die aufgebrachten Anhänger aufzubringen. "Momentan sind alle Fans Anti-Videobeweis, Anti-50+1, da sind viele Aggressionen und viele Pfiffe drin, davon darf man sich nicht beeinflussen lassen", sagte er: "Der Fan hinter dem Tor trinkt auch ganz gerne mal ein Bierchen, und dann ist es schwer, in fünf Minuten nach dem Spiel eine vernünftige Lösung zu finden."

Die fand nur Matchwinner Hazard, der sich aus den Diskussionen heraushielt und seinen Doppelpack lieber mit seinen beiden Töchterchen feierte. Dass er zunächst nur Ersatz war, hatte der Belgier da längst abgehakt. "Zlatan (Ibrahimovic, d.Red.) kam in Los Angeles auch von der Bank und hat zweimal getroffen", sagte Hazard: "Ich sage nicht, dass ich Zlatan bin, aber es ist ein ähnliches Szenario." Immerhin einer war an diesem Nachmittag im Borussia-Park guter Laune.

sid

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