Nationalspielerin im Interview

Sara Doorsoun: „Ich bekomme sehr viele positive Resonanz aus dem Iran“

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Nationalspielerin Sara Doorsoun im Interview.

Sara Doorsoun ist eine der wenigen Spielerinnen mit Migrationshintergrund bei der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Im Interview verrät sie, wie sie damit und dem enormen Druck bei der WM umgeht.

Frankfurt - Sara Doorsoun (27 Jahre/ 27 Länderspiele) hat einen langen Anlauf genommen, um in der deutschen Frauen-Nationalmannschaft Fuß zu fassen. Inzwischen bildet die in Köln geborene Abwehrspielerin vom VfL Wolfsburg mit Marina Hegering von der SGS Essen die Innenverteidigung. Im Auftaktspiel gegen China unterliefen ihr zwei böse Fehler. Ihr Spitzname „Speedy Gonzalez“ deutet auf ihr größtes Plus hin: ihre enorme Schnelligkeit.

Die deutsche Nationalspielerin Sara Doorsoun über nützliche Social-Media-Aktivitäten, den geringen Anteil von Fußballerinnen mit Migrationshintergrund und den enormen Druck bei der Frauen-Fußball-WM.

Sara Doorsoun, wie die meisten Nationalspielerinnen sind Sie auf Instagram während der Frauen-WM sehr aktiv. Nach dem Sieg gegen Spanien haben Sie ein Bild inmitten ihrer Familie gepostet und geschrieben: „No words needed“. Wer hat Sie denn alles vor Ort unterstützt?
Mein Vater, meine Schwester, meine Brüder und mein Onkel.

Gehört es heutzutage dazu, solche Einblicke über die sozialen Netzwerke zu gewähren?
Ich persönlich finde das wichtig, aber das behandelt jede Spielerin für sich anders: Unsere Torhüterin Almuth Schult macht beispielsweise nichts bei Instagram; also geht es auch ohne. Ich möchte den Leuten etwas von dem zeigen, was wir machen und erleben, ohne natürlich allzu privat zu sein. Damit kann man ein Gefühl bekommen, bei dieser WM dabei zu sein. Hin und wieder mal eine Story oder ein Bild hochzuladen, finde ich ganz schön. Über solche Einblicke würde ich mich auch freuen.

Sie verbringen aber nicht mehr Zeit am Smartphone als auf dem Fußballplatz?
Nein (lacht). Wir wissen alles ganz genau, was wir hier bei der WM wollen. Jeder ist mal am Handy, aber es darf nicht zu viel sein, um nicht den Fokus zu verlieren.

Sie sind eine der wenigen deutschen Nationalspielerinnen mit Migrationshintergrund. Mit der Halb-Belgierin Kathrin Hendrich, der in Budapest geborenen Dzsenifer Marozsan und ihnen sind es nur drei. Gibt es eine Erklärung dafür?
Um ehrlich zu sein, beschäftige ich mich nicht so sehr damit. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mich absolut deutsch fühle und da kann ich mich zu 100 Prozent mit identifizieren. Natürlich: Meine Mama kommt aus der Türkei, mein Papa aus dem Iran und aufgrund des Turniers bekomme ich gerade sehr viele positive Resonanz aus dem Iran, die ich davor in dieser Form nicht hatte. In dieser Hinsicht sehe ich bei mir eine Vorbildfunktion, um Mädels zu zeigen, dass man durch den Sport einiges erreichen kann. Es ist aber nicht meine Aufgabe, ein Urteil anzustellen, warum so wenige Spielerinnen mit Migrationshintergrund hier dabei sind.

Aber Sie kennen ja die Widerstände, denen Mädchen aus dem muslimischen Kulturkreis mitunter in der eigenen Familie begegnen, wenn sie beispielsweise Fußball spielen wollen.
Ehrlich gesagt ist mir diese ganze Thematik erst vergangenes Jahr richtig bewusst geworden, als ich ein Mädchen-Fußballcamp besucht habe. Da spielten viele Mädels mit Migrationshintergrund mit, und mir wurde klar, dass es nicht selbstverständlich war, dass ich Fußball spielen durfte. Dann habe ich mit meinem Vater darüber länger geredet: Ich bin ihm wirklich dankbar, dass ich zum Glück so erzogen wurde, dass ich den Sport machen konnte, den ich so gemocht habe. Ich weiß, dass es anders sein kann.

Sehen Sie sich als Role Model?
Nein, aber wenn ich jetzt irgendwie die Mädels ermuntern kann, dass die mit ihren Eltern darüber reden, schaut mal, da spielt eine im deutschen Nationalteam mit Migrationshintergrund, macht mich das ein bisschen stolz.

Sie haben einen schwierigen Einstieg in die WM gehabt. Gegen China unterliefen Ihnen zwei Querpässe, die sogar Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg als „No-Go“ bezeichnete. Können Sie das rückblickend erklären?
Ich war wirklich sehr aufgeregt vor diesem Spiel. Es war viel Freude dabei, aber so kannte ich das dieser Form nicht von mir. Ich habe mich vielleicht selbst zu sehr unter Druck gesetzt, obwohl es den von außen nicht gab.

Wie haben Sie das verarbeitet?
Ich bin wirklich sehr, sehr selbstkritisch. Ich glaube, ich kann das beste Spiel machen, aber ich würde immer was finden. Ich finde ja, dass ich gegen China ein ordentliches Spiel gemacht habe – bis auf diese beiden Fehler, die ja keine Kleinigkeiten waren. Ich brauche dann immer einen Moment, tausche mich mit der Familie aus. Es hat geholfen, dass mir das Team und die Trainerin ein positives Feedback gegeben haben. Und dann habe ich gesagt: Das passiert mir nicht nochmal, ich schlage sicherlich solche Bälle das nächste Mal einfach weg.

Haben Sie nach dem Spiel dann schlecht geschlafen?
Ja, habe ich. Auch am Sonntag danach war ich noch sehr nachdenklich und habe versucht zu reflektieren.

Haben Sie ein Gespräch mit der Teampsychologin Birgit Prinz geführt?
Nein, das habe ich nicht.

Mit den zwei 1:0-Siegen gegen China und Spanien ist die Qualifikation fürs Achtelfinale bereits sicher. Was erwarten Sie vom letzten Gruppenspiel gegen Südafrika?
Das ist eine physisch starke Mannschaft. Wir wissen, dass es wieder ekelhafte Zweikämpfe geben kann. Wir dürfen uns nicht den Schneid abkaufen lassen, aber Angst haben wir sowieso nicht. Wir werden bestimmt nicht von den Südafrikanerinnen überrascht sein, wenn der ein oder andere härtere Zweikampf geführt werden muss.

Hat man im Hinterkopf, dass zuhause vielleicht wie gegen Spanien wieder mehr als sechs Millionen Menschen im Fernsehen zuschauen können?
Mein Vater hat mir davon erzählt (lacht). Wir bekommen natürlich mit, was sich rund um die Stadien tut, aber was zuhause geschieht, muss man sich wirklich mal vor Augen halten. Auf einmal bekommt man Nachrichten von Nachbarn und aus anderen Ecken, die sich sonst eher nicht für uns interessieren. Diesen Schwung wollen wir noch lange mitnehmen.

Interview: Frank Hellmann

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