Nicht einmal drei Wochen...

Drei hielten sich weniger als zehn Tage: Das sind die kürzesten Trainer-Amtszeiten der Bundesliga

VfB Stuttgart - 1. FC Nürnberg: Trainer Rudolf Kröner (Nürnberg)
+
Als Fußball-Trainer beim 1. FC Nürnberg hatte Rudi Kröner immer einen Spruch parat.

„Neuer Trainer, neues Glück“ - Oft funktioniert das, aber bei Weitem nicht immer. Diese 26 Trainer-Mannschafts-Beziehungen endeten besonders schnell.

Nicht nur Motivationskünstler muss er sein, im richtigen Moment soll er seiner Mannschaft auch mal eine Rüge erteilen und mahnend den Finger erheben. Doch was, wenn es trotz allem nicht klappen will und die Mannschaft keine Siege einfährt? Für Fußballtrainer ist ein Engagement in der Bundesliga sehr reizvoll - doch umso höher ist ihr Fall, wenn sie versagen. Bei manchen Trainer-Mannschaft-Beziehungen stimmte wohl aber auch einfach die „Chemie“ nicht so recht... Die Fotostory zeigt, wie unglaublich kurz so manche Liaison zwischen Trainern und Vereinen wirklich war.

26. Platz: Jan-Moritz-Lichte - FSV Mainz 05 (91 Tage)

Vom Co- zum Cheftrainer - zumindest für 91 Tage. Jan-Moritz Lichte hatte die Bundesliga-Saison 2020/21 eigentlich als Assistent von Achim Beierlorzer begonnen. Es folgte ein schwacher Saisonstart und auch in der Mannschaft soll die Stimmung alles andere als gut gewesen sein. Also wurde Beierlorzer entlassen und Lichte bekam die Möglichkeit, das Ruder herumzureisen. Seine ernüchternde Bilanz: 11 Bundesliga-Spiele und nur ein einziger Sieg (3:1 in Freiburg). Das war zu wenig. Am 28. Dezember 2020 hieß es auch für ihn: Entlassen!

Nach der Pokalniederlage gegen Bochum war Schluss für Lichte

Einen Tag vor Heiligabend wollten sich die Mainzer den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals erkämpfen. Der Vereinsvorstand war zwar schon entlassen, Lichte als Trainer aber noch im Amt. Nach zwei Treffern sah es zunächst gut aus für die Rheinhessen. Doch Bochum glich aus und nach einem nervenaufreibenden Elfmeterkrimi ging Mainz erneut mit einer Niederlage vom Platz. Fünf Tage nach dem Spiel folgte eine Umstrukturierung, der auch Lichte zum Opfer fiel. „Jan-Moritz Lichte ist ein absoluter Fußballfachmann, der sich für den Verein in einer schwierigen Situation in besonderem Maße eingesetzt hat“, so das öffentliche Statement. 91 Tage nach Trainer-Antritt wird Lichte „freigestellt“.

24. Platz: Marco Kurz - TSG 1899 Hoffenheim (90 Tage)

Einen 25. Platz in unsere Rangliste gibt es nicht, stattdessen teilen sich zwei Trainer Position 24. Unter anderem wurde Marco Kurz nach 90 mageren Tagen im Amt entlassen. Der 1969 geborene Stuttgarter hatte am Neujahrstag 2013 die TSG Hoffenheim übernommen. Die Kraichgauer hatten nach der Hinrunde lächerliche 12 Punkte auf dem Konto und überwinterten auf Relegationsplatz 16.

Kurz hatte als neuer Hoffnungsträger übernommen

Dabei war Kurz am Anfang noch als Hoffnungsträger gefeiert worden. Dem 1. FC Kaiserslautern hatte er schließlich zum Aufstieg verholfen. Der Aufschwung bei der TSG klappte dagegen erst, nachdem Marco Kurz wieder entlassen wurde. Unter Nachfolger Markus Gisdol konnte wenigstens noch der Klassenerhalt eingetütet werden. Die TSG-Zeit, sie blieb für Marco Kurz vor allem eins: kurz.

24. Platz: Helmut Schneider - Borussia Dortmund (90 Tage)

In der Saison 1968/69 musste Borussia Dortmund einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Trainer Oswald Pfau erlitt einen Herzinfarkt, der letztlich zum Tod des 53-Jährigen führte. Nachdem kurzfristig Helmut Bracht als Übungsleiter eingesprungen war, übernahm Helmut Schneider im Dezember 1968. Nachdem er den BVB endlich stabilisieren konnte, folgte einmal mehr ein Negativlauf. Nach einer Niederlagenserie (darunter ein 0:1 gegen Erzrivale Schalke 04) musste Schneider schon wieder seine Koffer packen. Nach nur 90 Tagen war - wie bei Marco Kurz in Hoffenheim - Schluss.

23. Platz: Pál Csernai - Eintracht Frankfurt (88 Tage)

Mit dem FC Bayern gewann Pál Csernai zweimal den Meistertitel, einmal den DFB-Pokal. Über PAOK, Benfica, Borussia Dortmund und Fenerbahce kam der Ungar 1988 zu Eintracht Frankfurt. Von Erfolg war die Liaison aber nicht geprägt. Denn schon nach 88 Tagen war alles wieder vorbei. Als Nachfolger des zuvor gefeuerten Karl-Heinz Feldkamp holte Csernai nur sechs Punkte aus neun Spielen. Platz 15 war den Eintracht-Verantwortlichen zu wenig. Übrigens: Die Frankfurter hielten später mit dem dritten Trainer der Saison, Jörg Berger, die Klasse.

Bei den Bayern noch zweimal Meister, bei Frankfurt erfolglos

Der ehemalige ungarische Nationalspieler, der 2013 verstorben ist, hat allerdings genug Erfolgsmomente in seiner Karriere erlebt. Zu seinen glorreichsten Erfolgen zählen vermutlich die Jahre beim FC Bayern. Hier wurde er von den Spielern zum Cheftrainer gewählt, nachdem der Verein eigentlich Max Merkel einsetzen wollte. Csernai (hier an der Seite des damaligen Managers Uli Hoeneß) blieb knapp vier Jahre beim FCB und holte zwei Mal die Meisterschale nach München.

22. Platz: Aki Schmidt - Kickers Offenbach (87 Tage)

Aki Schmidt war schon als Spieler klar: „Später werde ich Bundesliga-Trainer.“ Schon zu seiner aktiven Zeit erwarb der deutsche Nationalspieler sein Trainerdiplom. Im Juli 1970 übernahm er beim damaligen Bundesligisten Kickers Offenbach. Und siehe da: Einen Monat später gewann er den DFB-Pokal durch einen 2:1-Sieg gegen den haushohen Favoriten 1. FC Köln. Wegen der WM in Mexiko wurde der Pokal-Wettbewerb der Saison 1969/70 ab dem Achtelfinale erst im Juli und August 1970 ausgetragen. Den Schwung konnten die Kickers aber nicht in die Liga mitnehmen. Im September war Aki Schmidt bereits wieder Geschichte in Offenbach.

Nach dem Pokalsieg folgte der Liga-Frust für Aki Schmidt

Doch der ehemalige Nationalspieler und gebürtige Dortmunder blieb eine Fußball- und Trainer-Legende. Nach seinem Tod am 11. November 2016 ehrten die BVB-Fans Aki Schmidt vor dem Spiel gegen den FC Bayern. Auch der SSV Jahn Regensburg, bei dem Schmidt bis 1997 immer wieder als Trainer aktiv war, nannte ihn einen „Jahrhunderttrainer“ der Vereinsgeschichte.

21. Platz: Thomas Hörster - Bayer Leverkusen (85 Tage)

Mitte Februar bis Mitte Mai 2003 hatte Thomas Hörster die Chance, die Bayer-Verantwortlichen von sich zu überzeugen. Dem Nachfolger von Klaus Toppmöller gelang das aber nicht. Zwei Spieltag vor dem Ende zog Leverkusen-Manager Reiner Calmund die Reißleine und holte Klaus Augenthaler. „Wir können es uns nicht erlauben, dass hier Angestellte des Vereins nicht mehr an den Klassenerhalt glauben“, erklärte Calmund damals.

Kaum war Thomas Hörster entlassen - Augenthaler rettet Leverkusen vor Abstieg

Tja, hätte Thomas Hörster mal daran geglaubt. Denn unter Augenthaler passierte das eigentlich Unmögliche: Die Werkself gewann die letzten beiden Spiele und feierte so tatsächlich noch den Klassenerhalt. Für Hörster bedeute das erstmal das Ende seiner Bundesliga-Laufbahn. Klaus „Auge“ Augenthaler blieb bis 2005 bei Leverkusen.

20. Platz: Jürgen Röber - Borussia Dortmund (83 Tage)

Der BVB hatte nicht immer so ein gutes Trainerhändchen wie beispielsweise bei Jürgen Klopp. Platz 20 unserer Liste beweist das. Die Verpflichtung von Jürgen Röber als Nachfolger von Bert van Marwijk wird sicher nicht in die Borussen-Geschichte eingehen. Der ehemalige Hertha-Trainer kam am 19. Dezember 2006 ins Amt und musste nach 83 Tagen am 12. März 2007 schon wieder gehen.

Trainerkarriere von Jürgen Röber nach seiner Zeit beim BVB quasi beendet

Zwei Siege in acht Spielen waren den Dortmunder Verantwortlichen dann doch zu wenig. Danach kam der heute 67-Jährige nie so wirklich wieder zurück in die (Trainer-)Spur. Nach kurzen Stationen in der Türkei (Ankaraspor) und Russland (Saturn Ramenskoje) wurde es still um Jürgen Röber. Bis zur Saison 2019/ 2020 arbeitet er schließlich als Sportdirektor beim belgischen Erstligisten Royal Excel Mouscron.

19. Platz: Manuel Baum - FC Schalke 04 (79 Tage)

Das darf man dann wohl als großes Missverständnis bezeichnen. „Lasst mich mal machen! Ich weiß, was ich tue“, hatte Manuel Baum bei seiner Vorstellung als neuer Schalke-Trainer im Dezember 2020 gesagt. Doch anscheinend konnte er seine Mannschaft nie ganz davon überzeugen. In zehn Bundesliga-Spiele gab es keinen einzigen Sieg.

Kein Sieg unter Manuel Baum - Schalke zieht nach 79 Tagen die Reißleine

Vier Unentschieden waren da schon das Höchste der Gefühle. Nach nicht mal drei Monaten war klar: Baum hat keine Zukunft in Gelsenkirchen. Das Heimspiel gegen den SC Freiburg sollte für Manuel Baum das letzte Spiel als Schalke-Trainer bleiben. Er wurde nach 79 Tagen entlassen. Die Mammutaufgabe, die Schalker Chaos-Truppe wieder auf Spur zu bringen, übernahm der Schweizer Christian Gross.

18. Platz: Helmut Senekowitsch - Eintracht Frankfurt (78 Tage)

Helmut Senekowitsch übernahm im Sommer 1982 als Trainer bei Eintracht Frankfurt. Der Österreicher sollte aber nicht lange bleiben (dürfen). Denn im September war alles schon wieder vorbei. Senekowitsch wechselte anschließend wieder nach Griechenland, die Frankfurter holten sich Branko Zebec. Der hielt es zumindest ein Jahr in Hessen aus.

Helmut Senekowitsch musste bereits nach 78 Tage die Eintracht wieder verlassen

Nach seiner Karriere als erfolgreicher Trainer der österreichischen Nationalmannschaft waren die Hoffnungen in Senekowitch noch groß. Bergauf ging es für die Frankfurter aber erst ohne den Österreicher. Die Eintracht landete nach seiner Entlassung am Saisonende auf Platz zehn.

16. Platz: Peter Neururer - Hertha BSC (76 Tage)

Bei fünfzehn Proficlubs stand Peter Neururer unter Vertrag. Zehn Mal wurde das Arbeitsverhältnis „im gegenseitigen Einvernehmen“ beendet. Seine kürzeste Amtszeit hatte „Peter der Große“ aber in der Saison 1991/92 bei Hertha BSC Berlin. Nach 76 Tagen war Schluss. Sein letztes Spiel als Trainer war die 3:7-Niederlage bei den Bayern. Neururers einziger Kommentar dazu war: „Das letzte Mal, dass ich so hoch verlor, war beim Tipp-Kick.“

Der Feuerwehrmann der Bundesliga schlechthin - Peter Neururer und seine 15 Profiklubs

Wegen seiner vielen Anstellungen, meist bei Abstiegskandidaten der Bundesliga, erhielt Neururer den Ruf als „Feuerwehrmann“. Auch nach seiner kurzen Zeit bei Hertha hielt er es bei sechs weiteren Bundesligisten nie länger als zwei Jahre aus. Erst ab 2001 ging Neururer seine erste Langzeit-Ehe ein und blieb vier Jahre erfolgreich beim VFL Bochum.

Klinsi der Weltmeister sollte der Hertha endlich zu Haupstadt-Glanz verhelfen. Seine Bilanz fiel allerdings ernüchternd aus. Nach einem ordentlichen Start stimmten nicht nur die Ergebnisse nicht mehr. Am 11. Februar 2020 kündigte Klinsmann auf Facebook seinen sofortigen Rücktritt als Cheftrainer an. Er vermisse das Vertrauen der Verantwortlichen. Stattdessen wolle er zurück in den Aufsichtsrat. Hier war er vor seiner Trainer-Engagement tätig.

Klinsmann und die Hertha - keine Liebe auf den ersten Blick

Aber auch daraus wurde nichts: Man hatte genug von „Klinsi, dem Weltmeister“. Der Skandal zog sich dabei länger als Jürgens Klinsmann‘s Hertha-Zeit. Die veröffentlichten „Klinsmann-Tagebücher“ erhoben schwere Vorwürfe gegenüber der Geschäftsleitung des Vereins. Jürgen Klinsmann und die Hertha blieb eine kurze und vor allem unliebsame Liaison.

15. Platz: Bernd Krauss - Borussia Dortmund (67 Tage)

Neun Tag kürzer im Amt als Klinsi hielt sich Bernd Krauss bei Borussia Dortmund. In der Saison 2000/01 gelang dem Trainer in elf Bundesligaspielen kein einziger Sieg. Nachfolger wurde Matthias Sammer, der bereits 2002 mit dem BVB als Trainer Deutscher Meister wurde.

Satz mit X - Bernd Krauss und der BVB gehen frühzeitig wieder getrennte Wege

Auch im Ausland wollte es für Krauss nie so recht langfristig klappen. Er blieb selten länger als ein Jahr. Dafür ging es einmal um die halbe Welt: Krauss trainierte in Spanien, Griechenland, Österreich, dem Iran und Abu Dhabi. Zuletzt war der gebürtige Dortmunder 2012 als Trainer in Tunesien tätig.

14. Platz: Jörg Berger - Hannover 96 (63 Tage)

Genau wie Peter Neururer erhielt auch Jörg Berger den Spitznamen „Feuerwehrmann“. Auch Berger rettete in seiner Anfangszeit als Motivationskünstler den ein oder anderen Abstiegskandidaten. Wie Neururer erhielt allerdings auch Berger selten die Chance, eine Mannschaft länger aufzubauen. In Hannover blieben ihm nur knapp zwei Monate. Nach 63 Tagen wurde Jörg Berger durch Helmut Kalthoff ausgewechselt. Ein kleiner Trost: Auch Kalthoff blieb nicht sonderlich lange.

Jörg Berger - Die meisten Entlassungen der Bundesliga-Historie

Wenigstens einen Rekord konnte Berger allerdings brechen. In seinen über 40 Jahren Trainerzeit ist er der meist entlassene Coach der Fußball-Bundesliga. In der ersten Bundesliga alleine musste Berger sechs Entlassungen einstecken. Erlebt hat Jörg Berger dabei einiges: Als DDR-Trainer nutzte er ein Spiel in Jugoslawien aus um in den Westen zu fliehen. Hier wurde er von der Stasi verfolgt und überlebte in den 1980er Jahren sogar einen Giftanschlag.

13. Platz: Hans-Jürgen Gede - Fortuna Düsseldorf (61 Tage)

Aller Anfang ist schwer. Als Hans-Jürgen Gede im Januar 1992 zum ersten Mal nicht als Assistent sondern als Chef-Trainer auf der Trainerbank saß, durfte er nicht allzu lange sitzen bleiben. Nach 61 Tagen ohne Sieg musste Gede gehen. Auch ohne Gede stieg Fortuna Düsseldorf zum Ende der Saison als 20. der Tabelle ab.

Viel Zeit blieb Trainer Hans-Jürgen Gede nicht in der Fußball-Bundesliga...

Aber auch nach dem Trainer-Aus bei Düsseldorf wollte es mit der Bundesliga und Hans-Jürgen Gede nicht so recht klappen. Nach einem weiteren, kurzen Versuch in Kassel ging es für den Trainer unter anderem nach Teheran, Usbekistan, Kuala Lumpur und Vietnam. In Deutschland trainierte Gede nur noch kleinere Vereine.

12. Platz: Jens Keller - VfB Stuttgart (58 Tage)

Als Hoffnungsträger sollte der vorherige Co-Trainer Jens Keller die Stuttgarter Elf vom Schlusslicht der Bundesliga nach vorne katapultieren. Das sah anfangs richtig gut aus: Keller gewann mit dem VfB fünf der ersten sieben Pflichtspiele. Doch die Trendwende hielt nicht lange. Nach sechs verpatzten Partien ohne Sieg ging es wieder in den Tabellen-Keller für Stuttgart. Nach 58 Tagen musste Keller der neuen Hoffnung, Bruno Labbadia, weichen.

Von Stuttgart nach Schalke: Vom Keller in die Champions League

Mehr Erfolg hatte Jens Keller schließlich beim FC Schalke 04. Hier löste er 2012 Huub Stevens ab und führte die Schalker zum Saisonende auf Platz 4 der Tabelle. Unter Keller schafften es die Schalker in der darauffolgenden Saison auf Platz drei und somit zweimal hintereinander in die Champions League. Die Zeit bei Schalke blieb vorerst die erfolgreichste in Kellers Trainer-Karriere.

11. Platz: Krassimir Balakov - 1. FC Kaiserslautern (57 Tage)

Aktuell steht es um den 1. FC Kaiserslautern nicht gut. 2012 stiegen sie aus der ersten Liga ab - und eine Rückkehr scheint in weiter Ferne. Im Frühjahr 2012 sollte Krassimir Balakov den Klassenerhalt noch retten. Doch seine Bemühungen blieben vergebens. Auch unter Balakov wurden sieben der verbleibenden acht Spiele verloren.

Ein Kurzer Abstecher in die deutsche Bundesliga: Balakovs Ausflug nach Kaiserslautern

Der Abstieg war besiegelt. Kurz danach war die Zeit beim 1. FC Kaiserslautern für Balakov (auf dem Bild links) schon wieder zu Ende. Die 57 Tage beim FC sollten für den ehemaligen bulgarischen Nationalspieler die einzigen in der deutschen Bundesliga bleiben.

10. Platz: Christoph Daum - Eintracht Frankfurt (54 Tage)

Das gleiche Schicksal ereilte auch Christoph Daum gegen Ende seiner Karriere. Er sollte Eintracht Frankfurt vor dem Abstieg in die zweite Liga bewahren. Schließlich hatte er während seiner langen Bundesliga-Karriere den VfB Stuttgart zum Meister und den 1. FC Köln zum Vizemeister gemacht. Sein Antritt als Cheftrainer sorgte deshalb noch für euphorische Begeisterung beim damaligen Vorstandschef Heribert Bruchhagen: „Ich sehe gute Chancen, dass wir in der Bundesliga bleiben“, versprach er hoffnungsvoll.

Für die Eintracht Frankfurt wurde Christoph Daum nicht zum Retter in der Not

Doch die erhoffte „Aufbruchsstimmung“ hielt leider nicht an. Eine Niederlage jagte die nächste und schließlich trat Frankfurt den unumgänglichen Abstieg in die zweite Bundesliga an - ohne Christoph Daum. Seine Zeit beim hessischen Verein blieb 54 Tage lang. Unter Nachfolger Armin Veh spielte sich Eintracht Frankfurt bereits eine Saison später schon wieder in die erste Liga.

9. Platz: Michael Skibbe - Hertha BSC (52 Tage)

Noch zwei Tage schneller war Michael Skibbe weg vom Fenster. Es ist eine traurige Bilanz, die er nach seiner Zeit bei Hertha BSC Berlin hinterlässt. Nach fünf Niederlagen in fünf Spielen wird er 2012 entlassen. Skibbe bezeichnete seinen Vertrag später selbst als Fehler. Er habe im Vorfeld nicht die wahre Lage des Vereins erkennen können.

Fünf Spieltage - Fünf Niederlagen: Schmerzhafte Bilanz für Michael Skibbe beim BSC

Mit leeren Händen ging Michael Skibbe aber zumindest nicht nachhause. Weil sein Vertrag bei Hertha eigentlich bis 2014 abgeschlossen war, bekam der Gelsenkirchner laut Bild-Zeitung eine Abfindung von 500.000 Euro (zuzüglich der bereits verdienten 150.000). Nach dem Aus in Berlin blieb Skibbe hauptsächlich im Ausland tätig. 2019 kehrte er nach Deutschland zurück und trainierte in Dortmund die U19-Mannschaft des BVB.

8. Platz: Bernd Hollerbach - Hamburger SV (49 Tage)

Bernd Hollerbachs kurze Reise mit dem Hamburger SV nahm in München sein jähes Ende. Nach sieben Spielen ohne Sieg wurden die Hamburger Elf von den Bayern mit 0:6 endgültig an die Wand gespielt. Hollerbach wurde bereits nach 49 Tagen Trainerzeit beurlaubt.

Nicht mal 50 Tage hielt sich Hollerbach als Trainer des Hamburger SV

Auch danach schaffte es Hollerbach erstmal nicht mehr in die deutsche Bundesliga. Allerdings landete er als Cheftrainer beim belgischen Erstligisten Royal Escel Mouscron. Hier dürfte er mit Sicherheit die Bekanntschaft von Jürgen Röber gemacht haben, der es in unserer Liste auf Platz 20 geschafft hat.

7. Platz: Rudolf Rudi Kröner - 1. FC Nürnberg (41 Tage)

Misserfolg ist nur eine Frage der Einstellung. Rudi Kröner reagierte 1983, am Anfang seiner eher erfolglosen Zeit als Trainer des 1. FC Nürnberg, noch flapsig auf die 0:4 Niederlage gegen den HSV: „Wir haben heute ein neues System kreiert: vorne zu- und hinten aufgemacht.“ Sein Gastspiel als Trainer im Frankenland blieb trotz seines Humors kurz. Nach 41 Tagen war für Rudi Schluss in Nürnberg.

Sprüche statt Spielerfolge: Rudolf Kröners kurze Zeit beim FCN

Insgesamt 19 Gegentreffer kassierten die Nürnberger unter seiner Führung. Eine beachtliche Zahl in 41 Tagen. Allgemein fiel Kröner in dieser Zeit mehr durch seine arroganten Sprüche auf, als durch Spielerfolge. Vor Nürnberg trainerte Kröner ein knappes Jahr den 1. FC Kaiserslautern, wo es nach seiner Entlassung hieß: „Die Auftritte des rhetorisch unbeholfenen Fußball–Lehrers empfand nicht nur der studierte [damaliger FCK-Präsident, Anm. d. Red.] Udo Sopp zum Schluss als peinlich.“ Nach Nürnberg ging es für den „Fußball-Lehrer“ erstmal nach Nigeria.

6. Platz: Jürgen Sundermann - VfB Leipzig (33 Tage)

Jürgen Sundermann führte 1977 den VfB Stuttgart in die erste Liga. Er wurde als „Wundermann“ gefeiert und von der schwäbischen Boulevard-Presse in den Himmel gelobt. Drei Jahre lang blieb er im Schwabenland. Nicht ganz so rühmlich und vor allem nicht ganz so lange verlief sein Abstecher beim VfB Leipzig. Es war zugegebenermaßen nicht sein erstes Engagement bei den Sachsen, von dem wir hier sprechen. Schon 1992 hatte Sundermann die Leipziger Elf trainiert. Seine Rückkehr 1994 blieb allerdings kurz. Sundermann gewann mit seiner Mannschaft eins von acht Spielen und wurde bereits nach 33 Tagen entlassen.

Einfach der falsche VfB: Kein „Wundermann“ für Leipzig

Dem Fußball ist Sundermann aber trotz kleiner Misserfolge treu geblieben. Besonders in der Ausbildung und Talentfindung ist der Wahl-Schwabe immer noch aktiv. Sein Herz gehört dabei nach eigenen Angaben bedingungslos dem VFB Stuttgart. „Dat is mein Verein“ erklärte er zu seinem 80. Geburtstag den Stuttgarter Nachrichten. Leipzig scheint längst vergessen zu sein.

5. Platz: Robert Körner - 1. FC Nürnberg (18 Tage)

Das waren noch Zeiten, als der 1. FC Nürnberg um den Sieg der deutschen Meisterschaft kämpfte: Das letzte Mal klappte es für die Nürnberger 1968. Als Co-Trainer war damals auch Robert Körner (auf dem Bild links) dabei. Diesen Erfolg sollte der Österreicher ein Jahr später als Cheftrainer fortsetzen. Viel Zeit blieb Körner dabei aber nicht. 18 Tage später musste er seinen Chefposten beim „Club“ nach zwei Niederlagen schon wieder an den Nagel hängen.

Von der Meisterschaft zum Abstieg: Kurzes Glück für Körner und den FCN

Aber auch die Entlassung Körners (rechts auf dem Bild) brachte dem 1. FC Nürnberg kein Glück. Er stieg wenig später als amtierender Meister aus der Bundesliga ab. Nach der kurzen Achterbahnfahrt in Nürnberg ging es für den ehemaligen österreichischen Nationalspieler zurück in seine Heimat. Nürnberg sollte seine letzte Station im deutschen Profi-Fußball bleiben.

4. Platz: Franz Beckenbauer - FC Bayern München (17 Tage)

Unsere Nummer 4 dürfte für alle Münchner ein mehr als bekanntes Gesicht sein. Im Gegensatz zu vielen anderen Trainern in dieser Liste hat Franz Beckenbauer* in seiner kurzen Zeit als Trainer auch kaum Niederlagen zu verzeichnen. Ganz im Gegenteil: Schon bei seiner ersten Trainerzeit 1993 führte der berühmte Ex-Nationalspieler die Münchner zur Meisterschaft. In seiner noch kürzeren Trainerzeit 1996 gewann er mit Bayern den UEFA-Pokal.

Franz Beckenbauer: Der FC Bayern München und sein Kaiser

Seine kurze Zeit auf der Trainerbank dauerte 17 Tage an. Beckenbauer sprang nur vorübergehend ein, als Otto Rehnagel 1996 seinen Trainerposten verlor. Die Stelle war also von Anfang an begrenzt - weil Beckenbauer jedoch in dieser Zeit mit seiner Mannschaft die Endspiele des UEFA-Pokals gegen Girondins Bordeaux gewann und der stolzen Trophäensammlung in München damit ein weiteres Stück Silberware hinzufügte, haben wir eine kaiserliche Ausnahme gemacht und ihn als einzigen Interimstrainer in die Liste aufgenommen. Von 1994 bis 2009 war Franz Beckenbauer Präsident des Vereins, seitdem ist er beim FC Bayern München Ehrenpräsident. Als Funktionär und Sportpolitiker war er lange Jahre national und international aktiv.

3. Platz: Dettmar Cramer - Hertha BSC (Acht Tage)

Der Viert-Platzierte in unserem Ranking ist ein echtes Mysterium. Im Vergleich zu vielen seiner aufgelisteten Kollegen wurde Dettmar Cramer als Cheftrainer bei Hertha BSC nämlich keineswegs gefeuert. Er annullierte einfach seinen Dreijahresvertrag - nur acht Tage nachdem er am 1. Juli 1974 als Trainer vorgestellt worden war.

Lieber doch zum FC Bayern: Gerüchte um Dettmar Cramers schnellen Abgang bei Hertha BSC

Bis heute schweigt Dettmar „Professor“ Cramer über die Gründe für den plötzlichen Abgang. Einigen Gerüchten zufolge seien dem erfolgreichen Trainer vielversprechende Neuzugänge versprochen worden, für die allerdings kein Geld vorhanden war. Wieder andere behaupten, der FC Bayern* hätte damals bereits Kontakt zu Cramer aufgenommen. Später wurde der „Professor“ mit den Münchnern zweimal Deutscher Meister. Nach seinem Tod 2015 bedankte sich die Südkurve des FCB bei ihrem ehemaligen Trainer.

2. Platz: Karsten Heine - Hertha BSC (Drei Tage)

Für Karsten Heine verlief die kurze Zeit an der Spitze des Berliner Trainerstabs deutlich schmerzhafter. Er war 1993 der letzte in einer Reihe von Trainern, die versuchten den BSC* in einer katastrophalen Saison vor ihrem Abstieg zu bewahren. Nachdem unter anderem Pál Csernai und Peter Neururer ihr Glück versucht hatten, wechselte Heine für das letzte Spiel vom Co- zum Cheftrainer. Viel zu retten gab es zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr.

Karsten Heine und die erste Elf des Hertha BSC Berlin - Eine On-Off Beziehung

Sein einziges Spiel wurde zur Niederlage. Heines erste Cheftrainer-Zeit in Berlin endete so schnell, wie sie gekommen war. Vom 20. Oktober bis zum 23. Oktober 1993 war der gebürtige Berliner im Amt. Danach blieb er dem BSC weiter als Co-Trainer erhalten. Heine ließ nicht locker und schaffte es einige Jahre später schließlich doch nochmal zurück: Er begleitete das Team 1994 als Cheftrainer in der zweiten Liga. Es sollte nicht sein letzter Einsatz bleiben. 2007 und 2009 sprang Heine erneut als Cheftrainer der Herthaner ein.

1. Platz: Jørn Andersen - 1. FSV Mainz 05 (0 Tage)

Noch vor Amtsantritt schon wieder entlassen: Die Saison endete für Jørn Andersen als Cheftrainer der Mainzer Elf, noch bevor sie begonnen hatte. Zugegeben: Ein bisschen gemogelt ist diese Spitzenposition aber schon. Schließlich trainierte Andersen als Nachfolger von Jürgen Klopp bereits eine Saison lang den FSV Mainz* und verhalf der Mannschaft 2008/09 zum Aufstieg in die erste Bundesliga. Nur dort angekommen war die Zusammenarbeit eben ziemlich schnell beendet.

Ohne Jørn in die erste Liga: „Es kommt immer Andersen, als man denkt“

Vier Jahre nach der Entlassung begründete der Manager von Mainz 05, Christian Heidel, gegenüber der Sportbild das plötzliche Aus mit inneren Unstimmigkeiten: „Andersen und Mainz, das hat von der Philosophie her nicht zusammengepasst.“ Hinzugefügt wurde außerdem, Andersen habe zu wenig mit der Mannschaft gesprochen. Überrascht waren viele Fans trotzdem. Mit der wohl kürzesten Trainerzeit in der deutschen Bundesliga schrieb Andersen Fußball-Geschichte. Es kommt eben immer Andersen, als man denkt...*tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare