Korruptionsskandal

FIFA-Prozess: Funktionäre Marin und Napout schuldig

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Schuldspruch - José Maria Marin soll 6,5 Millionen Dollar angenommen haben. Foto: Sebastiao Moreira

Zwei ehemalige Top-Funktionäre im südamerikanischen Fußball sind der Korruption für schuldig befunden worden. Nach der Entscheidung eines Gerichts in New York ist das Strafmaß aber noch offen.

New York (dpa) - Ein Gericht in New York hat die früheren Fußball-Funktionäre José Maria Marin und Juan Ángel Napout im ersten Prozess im Zuge des FIFA-Korruptionsskandals für schuldig befunden.

Beide müssen ins Gefängnis, das Gericht lehnte es wegen Fluchtgefahr ab, beide gegen Kaution bis zur Verkündung des Strafmaßes auf freien Fuß zu setzen. Wann das Strafmaß bekanntgegeben wird, ist offen. Marins Anwalt und auch Napouts Vertreterin zeigten sich in ersten Reaktionen enttäuscht. Ihre Mandanten wurden nicht in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen.

Noch kein Urteil gab das Gericht im Stadtteil Brooklyn gegen den dritten angeklagten Ex-Funktionär Manuel Burga bekannt, dort sind weitere Beratungen der Geschworenen notwendig. Der 60-jährige Burga darf gegen Kaution vorerst auf freiem Fuß bleiben und muss am Dienstag wieder erscheinen. Dann tagen die Geschworenen weiter. Sein Anwalt sagte, Burga hoffe auf einen Freispruch.

Alle drei Angeklagten waren 2015 im Zuge des Skandals um den Fußball-Weltverband festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, über zwei Jahrzehnte Millionen an Schmiergeldern bei der Vergabe von Fernsehrechten erhalten zu haben. Der 85-jährige Marin war Präsident des brasilianischen Fußball-Verbandes und soll 6,5 Millionen Dollar angenommen haben. Der 59 Jahre alte Paraguayer Napout leitete die südamerikanische Konföderation CONMEBOL und soll seit 2010 10,5 Millionen Dollar akzeptiert haben. Burga stand Perus Fußball-Verband vor, er soll laut Anklage Bestechungsgelder in Höhe von 4,4 Millionen Dollar erhalten haben.

Ein FIFA-Sprecher betonte in einer Stellungnahme, der Weltverband sehe sich als Opfer. Dies habe das US-Justizministerium auch während des Verfahrens anerkannt. "Die FIFA unterstützt daher die Bemühungen der US-Behörden, jene Personen zur Verantwortung zu ziehen, die ihre Ämter missbraucht und den internationalen Fußball zum eigenen Nutzen korrumpiert haben", hieß es. Die FIFA werde die notwendigen Schritte einleiten, um Entschädigung zu erhalten und Verluste auszugleichen, die durch das Fehlverhalten entstanden seien.

Als wichtigster Zeuge der Anklage hatte ein früherer Chef einer argentinischen Sportmarketingfirma in dem Prozess ausgesagt. Die drei Angeklagten hatten auf nicht-schuldig plädiert, ihre Verteidigung sah die Aussagen als nicht glaubwürdig an. Der Kronzeuge, Alejandro Burzaco, hatte sich dagegen in mehreren Punkten schuldig bekannt und hofft durch seine Aussage auf eine mildere Strafe. Er berichtete von Bestechung im großen Stil, bis zu seiner Verhaftung 2015 will er 30 Fußball-Funktionäre mit insgesamt bis zu 160 Millionen Dollar bestochen haben.

Die Jury hatte nach dem Ende der Beweisaufnahme und den Plädoyers eine Woche lang beraten, ehe sie zu ihrem Urteil gegen Marin und Napout kam.

Bericht der "New York Times"

Profil Richterin Pamela Chan

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