WM 2018

FIFA-Chef Infantino in der Russland-Falle

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Russlands Präsident Wladimir Putin und FIFA-Präsident Gianni Infantino. Foto: Maxim Shipenkov

Gianni Infantino führt seit dem Sturz von Joseph Blatter seit fast zwei Jahren den Fußball-Weltverband. Vor seinem ersten WM-Turnier als FIFA-Chef zeigt sich der Schweizer wie sein Vorgänger als Freund der russischen Gastgeber. Kritik kann er sich nicht leisten.

Moskau (dpa) - Lässig sitzt Gianni Infantino in einem Ledersessel. Sein weißer Hemdkragen ist aufgeknöpft. Der FIFA-Präsident lächelt - und erzählt von Russland als freundlichem WM-Gastgeber.

Vor seinem Abflug zur Gruppenauslosung nach Moskau hat Infantino in einem Video des Fußball-Weltverbandes noch einmal seine Sicht der Dinge für die erste WM unter seiner Regie im kommenden Sommer kundgetan. In 3:28 Minuten gibt es keine Kritik an der international nicht nur durch den Doping-Skandal heftig umstrittenen Sport-Großmacht.

"Was Doping angeht, werden natürlich alle Spieler in allen Teams während des Wettbewerbs und auch außerhalb des Wettbewerbs getestet. Wir sind sicher, dass sich alle dieser Situation bewusst sind", sagt Infantino mitten in seinen Ausführungen.

Seine Strategie ist durchschaubar - und aus seiner Sicht sogar verständlich. In seinen knapp zwei Jahren im höchsten FIFA-Amt musste der Schweizer den durch die Blatter-Korruptions-Ära erschütterten Verband erst einmal wieder stabilisieren. Moralisch gelang das durch eigene anrüchige Manöver wie die Umformierung der Ethikkommission nur bedingt. Finanziell darf es nicht misslingen.

Jedes neue Konfliktfeld, dass das Premiumprodukt WM in Misskredit bringen könnte, muss umkurvt werden. Sonst gerät die einzige große Einnahmequelle der FIFA in Gefahr. Also muss Infantino auch Russland vor jeder Kritik schützen. Fast schon bizarr war der Auftritt des 47-Jährigen vor dem Eröffnungsspiel des Confed Cups in der Krestowski Arena von St. Petersburg, als er nach Präsident Wladimir Putin eine kurze Eröffnungsrede hielt und anschließend recht unbeholfen in die Menge winkte.

DFB-Chef Reinhard Grindel, der im Confed-Cup-Sommer eine andere Anti-Doping-Strategie einforderte, wurde von Infantino abgewatscht. "Er hat jeden Tag eine gute Idee", blaffte der Schweizer und amüsierte damit bei der Bilanz-Pk der WM-Generalprobe die russischen Veranstalter. Am Freitag will sich Infantino wenige Stunden vor der Auslosungs-Gala gemeinsam mit Russlands durch die Doping-Causa hoch umstrittenem Multi-Funktionär Witali Mutko, der auch für die WM-Organisation hauptverantwortlich ist, wieder den Fragen der Weltpresse stellen. Die Ledersessel stehen auf der Bühne im Kreml-Palast schon parat.

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