Pleite gegen Real schnell verarbeitet

FC Bayern glaubt an sich: „Brauchen kein Fußball-Wunder“

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Schwören sich auf das Rückspiel ein: Arjen Robben, Philipp Lahm und Thomas Müller (v. l.) geben sich noch lange nicht geschlagen.

München - Beim FC Bayern werden die Köpfe nach der Heimniederlage gegen Real Madrid schnell wieder aufgerichtet. Trotz der schwierigen Ausgangslage bleiben die Münchner zuversichtlich.

Arjen Robben war um eine besonders entschlossene Miene bemüht. "Noch", sagte er trotzig, "sind wir nicht verloren." Doch nach dem enttäuschenden 1:2 (1:0) von Bayern München im Giganten-Duell gegen Real Madrid ist die Lage für den Rekordmeister äußerst prekär. Aber, betonte auch Thomas Müller vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstag (20.45 Uhr/bei uns im Live-Ticker) im Estadio Santiago Bernabeu, "wir brauchen kein Fußball-Wunder. Der Glaube ist sehr groß, sonst wären wir nicht beim FC Bayern."

Man sei "noch am Leben", ergänzte auch Trainer Carlo Ancelotti, aber was sollte er auch anderes sagen nach einem Spiel, in dem für ihn und seine Bayern alles schief ging, was nur schiefgehen konnte. Erst verschoss Arturo Vidal, der die Bayern noch in Führung gebracht hatte (25.), kurz vor der Pause in Uli-Hoeneß-Manier einen Handelfmeter zum möglichen 2:0. Dann sah auch noch Javi Martínez Gelb-Rot (60.). Es habe "mehrere Schlüsselszenen" gegeben, sagte Ancelotti, "aber diese war spielentscheidend. Zum Glück hat Real nicht noch ein Tor mehr geschossen."

Duell auf Augenhöhe: Arturo Vidal (r.) und der FC Bayern wollen Real Madrid und Luka Modric auch nächste Woche Paroli bieten.

Kahn kritisiert: „Aggressiver verteidigen“

Das wäre nach zwei Treffern von Superstar Cristiano Ronaldo (47./77.) gleich mehrmals möglich gewesen. Doch Torhüter Manuel Neuer hielt mit einigen Weltklasse-Paraden die vagen Hoffnungen der Münchner aufrecht. Man habe das Gefühl gehabt, kritisierte ZDF-Experte Oliver Kahn, "die schenken das ab. Auch mit zehn Mann kann man aggressiver verteidigen."

Ein Ausscheiden der Bayern im Viertelfinale nach fünf Halbfinal-Teilnahmen in Serie wäre für Ancelotti und die Pläne der Bayern ein herber Rückschlag. In erster Linie war der 57 Jahre alte Italiener nach der Ära Pep Guardiola angetreten, um nach 2013 endlich wieder den Titel in der Champions League nach München zu holen. Jetzt beginne die "Ancelotti-Zeit", hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in den vergangenen Wochen mehrmals betont. Und dann passierte im ersten richtigen Härtetest so etwas!

Lewandowski und Hummels als Hoffnungsträger

Nun hofft Ancelotti vor allem auf die schnelle Rückkehr von Torjäger Robert Lewandowski (Schulterprellung), der am Mittwochabend schmerzlich vermisst wurde, und auf Innenverteidiger Mats Hummels. "Wir haben sechs Tage Zeit, ich denke, sie können sich bis dahin erholen", sagte der Bayern-Coach, wobei es besonders bei Hummels (Sprunggelenksverletzung) ein Wettlauf mit der Zeit werden wird.

Doch egal, ob mit Lewandowski und/oder Hummels - "Wir müssen die zehn bis 15 Prozent, die uns an Überzeugung diesmal gefehlt haben, in Madrid auf den Platz bringen", forderte Robben. Man habe nach der Führung wohl etwas "zu viel Respekt" und "zu wenig Biss" gehabt. Dies monierte auch Müller, der als Lewandowski-Vertreter im Angriffszentrum gegen Sergio Ramos und Nacho kein Land gesehen hatte. Nun müsse man, so der Weltmeister, "den Kopf hochnehmen, die paar Prozent drauflegen und in Madrid eine überragende Leistung bringen. Es ist noch alles drin."

Weltmeister unter sich: Den ersten Vergleich hat Toni Kroos (l.) mit Real Madrid gegen Thomas Müller und den FC Bayern gewonnen.

Zwei Erfolge in Madrid

Wenn sich Müller da mal nicht täuscht. In den bisherigen elf Auswärtsspielen im Europapokal im legendären Bernabeu haben die Bayern erst zweimal gewonnen - zunächst in der Zwischenrunde der Königsklasse 1999/2000 (4:2), dann im Halbfinal-Rückspiel 2001 (1:0). Ansonsten stehen bei einem Remis acht Niederlagen in der ernüchternden Bilanz - eingerechnet auch das 1:2 im Halbfinale 2012: Damals hatten die Bayern allerdings das Hinspiel in München 2:1 gewonnen und anschließend das Elfmeterschießen (3:1) für sich entschieden.

Ronaldo sprach von einem "kleinen Vorteil", dennoch wollte Toni Kroos seine ehemaligen Münchner Kollegen noch nicht abschreiben. Es sei "Quatsch" zu denken, "dass nichts mehr passieren kann", betonte der Weltmeister: "Das wird ein enges Ding, weil wir es verpasst haben, noch mehr Tore zu erzielen. Es ist definitiv nicht entschieden, dazu ist Bayern zu gut." Real, so Kapitän Ramos, müsse "höllisch aufpassen".

sid

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