Primera Division

Clásico Barça - Real im Zeichen von Konflikt und Kroos

Wollen auch in Clásico jubeln: Die Real-Stars Sergio Ramos (l) und Toni Kroos. Foto: Alvaro Barrientos/AP/dpa
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Wollen auch in Clásico jubeln: Die Real-Stars Sergio Ramos (l) und Toni Kroos. Foto: Alvaro Barrientos/AP/dpa

Der Clásico wird am Mittwoch wieder ganz Spanien lahmlegen und weltweit Hunderte Millionen vor die TV-Schirme locken. Das Duell zwischen Barcelona und Madrid birgt diesmal aber besonders viel Brisanz. Nicht nur im Stadion soll es hoch hergehen.

Update vom 18. Dezember: Real Madrid offenbart die Schwächen des FC Barcelona, selbst Lionel Messi bleibt im Duell mit dem Erzrivalen blass. Die „Königlichen“ zeigen, warum man wieder zu den ganz Großen gehört.

Barcelona - Die Fußball-Erzrivalen Gerard Piqué vom FC Barcelona und Sergio Ramos von Real Madrid küssen sich auf Barcelonas Nobelmeile Passeig de Gràcia - auf einem in der Nacht zum Dienstag gemalten Bild.

Zärtlichkeiten sind am Mittwochabend beim Topduell der Primera División zwischen dem Meister aus Katalonien um Weltfußballer Lionel Messi und Keeper Marc-André ter Stegen und den Königlichen von Nationalspieler Toni Kroos trotz des "Friedensappells" des Graffiti-Künstlers TVBoy nicht zu erwarten. Im Gegenteil: "Der heißeste Clásico der vergangenen Jahre", titelte die Madrider Fachzeitung "Marca".

Warum ist der 242. Pflichtspiel-Clásico so brisant? Beide Clubs liegen in der Primera División mit jeweils 35 Punkten aus 16 Spielen Kopf an Kopf vorne. Real sinnt nach dem peinlichen 1:5-Debakel der vergangenen Saison im Camp Nou auf Revanche. Zumal man Anfang 2019 auch im Halbfinale des spanischen Pokals gegen den Erzrivalen den Kürzeren gezogen hatte und der letzte Liga-Sieg im Clásico bereits gut dreieinhalb Jahre zurückliegt (April 2016). Ob das gelingt, können Sie LIVE bei uns im Ticker verfolgen.

Und die Beziehungen zwischen den beiden Clubs sind gespannter denn je. Unvergessen ist der Spott von Piqué nach dem 3:0-Sieg im Februar beim Pokal-Rückspiel im Bernabéu. "Das wird langsam zur Gewohnheit. Das macht schon fast keinen Spaß mehr, hier zu gewinnen. 0:3, 0:4, 0:5 ..." Kein Wunder, dass vor dem Spiel vor allem die Real-Profis den Psychokrieg probten. "Wir wollen im Camp Nou gewinnen", tönte etwa der Ex-Leverkusener Dani Carvajal.

Als wäre das Duell nicht schon so brisant genug, wollen Aktivisten der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung erstmals den Clásico zum Anlass nehmen, um für ihr Anliegen zu werben. Mit Barrikaden in unmittelbarer Stadion-Nähe und einer "Blockade" des Real-Busses, für die nach Angaben der Organisation "Tsunami Democratic" schon mehr als 25.000 Menschen ihre Teilnahme zugesagt haben. Mehr als 4000 Polizeibeamte sollen für Ruhe und Ordnung sorgen.

Wegen der Proteste werden beide Teams erstmals im selben Hotel, dem Sofía, Unterkunft beziehen. Der Grund: Die Nobelherberge liegt nur rund 600 Meter vom Stadion entfernt. Der Klassiker sollte in dieser Hinrunde eigentlich schon am 26. Oktober stattfinden. Aufgrund der Unruhen in Katalonien wegen der Gerichtsurteile gegen neun Separatistenführer wurde die Partie aber verschoben. Anpfiff ist um 20.00 Uhr. Die Demos sollen schon um 16.00 Uhr beginnen.

Nicht nur für die Separatisten, auch für Kroos kommt der Clásico zur rechten Zeit. Der 29-Jährige erlebe "eine seiner besten Zeiten" seit dem Wechsel von München nach Madrid im Sommer 2014, stellte die Fachzeitung "AS" fest. Beim 1:1 beim FC Valencia seien am Sonntag 105 seiner 108 Pässe beim richtigen Mann angekommen. Saison-Rekord. Der Mittelfeldspieler erzielte zudem bereits drei Tore. Zwei mehr als in der zurückliegenden Saison. Tonis Torrekord aus der Spielzeit 2017/18 (fünf Treffer) ist in Gefahr.

Neben Kroos steht das Duell von Messi und Karim Benzema im Mittelpunkt. Der Argentinier (32) und der Franzose (31) führen die Torschützenliste mit je zwölf Toren an. In 41 Duellen gegen Real traf Messi so oft wie kein Zweiter in der 117-jährigen Clásico-Geschichte: 26 Mal. "Wir wissen, dass sie Messi haben. Aber auch wir haben unsere Waffen", sagte Real-Trainer Zinedine Zidane.

Nach spanischen Medienberichten werden mehr als 650 Millionen Menschen in rund 180 Ländern den Clásico live im TV sehen. Ter Stegen versteht es: "Auf solche Spiele freut man sich ganz besonders. Das sind Duelle, die die Leute mitreißen und begeistern", sagte der Keeper im Interview mit Spox und DAZN. Schon als 15- oder 16-Jähriger habe er sich gesagt: "Wenn ich es irgendwann zu entscheiden hätte, dann würde ich wahrscheinlich mal zu Barça gehen." Die Zeitung "La Vanguardia" brachte es auf den Punkt: "Es ist mehr als ein Spiel. Es ist ein soziologisches Phänomen, ein Wirtschaftsfestival und ein Duell der Identitäten, das ein ganzes Land lahmlegt."

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