Umstrittener Gast

Chinas U20 tourt durch die Fußball-Provinz

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Bereits im Juni stand sich Chinas U20 mit Drittligist SG Sonnenhof Grossaspach gegenüber. Foto: Daniel Maurer

Die chinesische U20-Auswahl bereitet sich mit Testspielen gegen die Südwest-Regionalligisten auf Olympia vor. An diesem Samstag geht es los. Doch nicht alle Vereine finden die DFB-Idee gut. Ein Trio verweigert sich.

Frankfurt/Main (dpa) - Für DFB-Boss Reinhard Grindel ist es eine "prima Sache", für einige Traditionsvereine ein Ärgernis: Mit der Partie beim TSV Schott Mainz beginnt die umstrittene Gastspielreise der chinesischen U20-Auswahl durch die deutsche Fußball-Provinz.

In Vorbereitung auf Olympia 2020 absolviert der Nachwuchs aus China in den nächsten Monaten außer Konkurrenz Testspiele gegen die Südwest-Regionalligisten - mit Ausnahme von Waldhof Mannheim sowie der Stuttgarter Kickers und TuS Koblenz.

"Nicht nur bei Teilen unserer Fans, auch im weiteren Umfeld war deutlich spürbar, dass es ein Unbehagen hinsichtlich der politischen Situation im Land des Gegners gibt. Zudem steht in diesem Zusammenhang immer auch die Frage im Raum, wo die Kommerzialisierung des Fußballs seine Grenzen hat. Aus Sicht der TuS-Verantwortlichen wurden hier diese Grenzen überschritten", begründete der Koblenzer Vereinspräsident Arnd Gelhard im Sommer die Absage.

Den anderen 16 Vereinen versüßt der Deutsche Fußball-Bund die Zusage für die spielfreien Wochenenden mit einer Antrittsgage von 15 000 Euro. "Wir sind ein kleiner Verein und froh über jede Einnahme", sagte Till Pleuger, Geschäftsführer des Aufsteigers Schott Mainz, vor dem ersten Auftritt des China-Nachwuchses am Samstag (14.00 Uhr).

Für den DFB ist es ein wichtiges Projekt im Rahmen der umfangreichen Kooperation mit China. Das Riesenreich gilt in Deutschland als großer Wachstumsmarkt - sowohl für die Wirtschaft als auch im Fußball. Dietmar Hopp, SAP-Gründer und Mäzen des Bundesligisten 1899 Hoffenheim, hatte dies unlängst in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" deutlich gemacht: "SAP hat in China vielversprechende Aufträge im Sport. Die chinesische Olympiamannschaft wird schon mit unseren Techniken betreut."

Im Herbst 2016 vereinbarten der DFB und die Deutsche Fußball Liga im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit hochrangigen chinesischen Funktionären eine weitreichende Zusammenarbeit für zunächst fünf Jahre. Erst in der Vorwoche verkündete der Weltmeister-Verband eine Ausweitung dieser Kooperation bei der Trainerausbildung, Nachwuchsförderung und Wettbewerbsorganisation.

"Wir wollen mit unserer Expertise unseren chinesischen Freunden beim Auf- und Ausbau von Strukturen im Bereich des Fußballs helfen", betonte DFB-Präsident Grindel. China will bis 2050 zur Weltspitze aufschließen. Noch gibt es aber nicht einmal ein funktionierendes Ligasystem bis in die unteren Altersklassen hinein.

Entsprechend hartnäckig hatte der DFB sein Projekt, an dem er nach eigenen Angaben nichts verdient, vorangetrieben. Viele Regionalliga-Vereine fühlten sich von der Idee zunächst überrumpelt. "Wir hatten das Gefühl, dass wir vor vollendete Tatsachen gestellt wurden", sagte Niels Wiechmann, Präsidiumsmitglied der TuS Koblenz, unlängst der "Süddeutsche Zeitung". Getreu dem Motto: "Friss oder stirb."

Anders als anderen Vereinsvertretern konnte den Koblenzern die Skepsis nicht genommen werden. DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann, der auch Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Regionalliga Südwest ist, stellte daher zur Sicherheit noch einmal klar: "Jeder Verein nimmt auf freiwilliger Basis an der Testspielserie teil."

DFB-Mitteilung

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