Tuchel: „Fußball ist nicht alles“ 

BVB-Profis trotzen dem Terror - Sahin mit emotionalem Interview

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Die BVB-Spieler um Nuri Sahin (2.v.r.) nach der Niederlage gegen Monaco.

Dortmund - Der Weg zurück zur Normalität ist schwer. Doch mit großer Courage haben es die BVB-Profis zumindest versucht, auf den Schock des Terroranschlags zu reagieren.

Trotz einer couragierten Leistung stehen die Fußballprofis von Borussia Dortmund in der Champions League vor dem Viertelfinal-Aus. Gut 24 Stunden nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus unterlag das Team von Trainer Thomas Tuchel unter extremem psychischen Druck dem französischen Tabellenführer AS Monaco mit 2:3 (0:2). Damit sind die Chancen, im zweiten Spiel am 19. April doch noch das Weiterkommen möglich zu machen, gering.

Nach dem 0:2-Rückstand durch den aus Abseitsposition erzielten Treffer von Monaco-Jungstar Kylian Mbappé (19. Minute) und das Kopfball-Eigentor von Sven Bender (35.) kam der BVB am Mittwochabend in der neu angesetzten Begegnung mit den Monegassen durch Ousmane Dembélé (57.) zum 1:2. Mbappé (79.) erhöhte auf 3:1 für Monaco, ehe Shinji Kagawa (84.) den zweiten BVB-Treffer erzielte. So gab es einiges aufzuarbeiten:

NEUANSETZUNG: „Wir wurden überhaupt zu keiner Zeit gefragt. Die UEFA hat das in der Schweiz entschieden. Das hat sich nicht gut angefühlt Minuten nach diesem Sprengstoffanschlag. Wir hatten das Gefühl, als wäre eine Bierdose gegen den Bus geflogen“, sagte Tuchel mit einer verbalen Zuspitzung auf die UEFA-Entscheider. Tuchel selbst hatte ein „Gefühl der Ohnmacht“, weil er überhaupt keinen Einfluss nehmen konnte auf einen neuen Termin.

Auch Nuri Sahin äußerte Kritik: „Ich weiß, dass der Fußball wichtig ist. Wir sind aber auch nur Menschen. Was gestern passiert ist, das wünsche ich niemandem. Es war mir im ersten Moment nicht bewusst. Erst als ich gestern nach Hause kam und meine Frau und mein Sohn vor der Türe standen, da habe ich erst realisiert, wie viel Glück wir hatten.“

Sichtlich psychisch angeschlagen sagte Sahin beim ZDF auf die Frage, ob die Durchführung des Spiels richtig gewesen war: „Wenn man nur an den Menschen denkt, nein. So ehrlich muss man einfach sein, es war nicht vernünftig zu spielen. Aber wir wissen, dass es um sehr viel geht, dass es ein Wettbewerb ist, der weitergeführt werden muss.“ Bis zu seiner Einwechslung habe er nicht an Fußball denken können.

AUFARBEITUNG: Der Coach will seiner Mannschaft erlauben, sich Zeit zu nehmen, sich auch den Konflikt zu erlauben, ob es nach dem Akt des Terrors aktuell Sinn macht, Fußball zu spielen oder ihn erstmal beiseite zu lassen. Den Spielern wird bei Bedarf psychologische Hilfe angeboten. Denn auch das sagte Tuchel: „Fußball ist nicht das Wichtigste der Welt.“

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SPIELVERLAUF: Die Analyse des BVB-Trainers war auch von Bitterkeit ob des Spielverlaufs geprägt. „Das erste Tor fällt aus einer Abseitsstellung heraus. Beim 0:2 wird Sven praktisch zum Eigentor gezwungen. Das dritte Gegentor bereiten wir selbst vor“, sagte er. Das seien also praktisch zwei Eigentore und ein Abseitstor. „Es ist einfach nicht so gut gelaufen für uns.“

PERSONAL: Dem BVB standen nur 15 Feldspieler zur Verfügung. Der Kader bestand nach der Verletzung, die Marc Bartra beim Sprengstoffanschlag erlitten hatte, lediglich aus 17 Spielern. „Das ist total absurd“, bemerkte Tuchel.

RÜCKSPIEL: Es wartet laut Tuchel „eine große Aufgabe auf uns“. Er will indes weiter daran glauben, seine Spieler würden im Fürstentum „alles versuchen“. Denn es gehe ja auch „um den Traum, in das Halbfinale zu kommen“.

dpa/fw

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