Am Sonntag funktionierte alles perfekt 

Drees "rettet" den Videobeweis - Keine Ermittlungen gegen Krug

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Der Videobeweis stand zuletzt sehr häufig in der Kritik.

Die Schiedsrichter-Bosse durften aufatmen - am Sonntagabend hat der Videobeweis in der Bundesliga perfekt funktioniert. Die Diskussionen gehen dennoch weiter.

Frankfurt/Main - Der "Held des Abends" hieß Doktor Jochen Drees. Der Arzt aus Münster-Sarmsheim hätte sich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, um in die Rolle des "Rettungssanitäters" für den Videobeweis zu schlüpfen. 

Nachdem bereits das Aus für das technische Hilfsmittel prophezeit wurde, stellte Drees den Wert der Neuerung unter Beweis. Ohne das schnelle und korrekte Eingreifen des Video-Assistenten hätten bei der Partie zwischen dem VfL Wolfsburg und Hertha BSC (3:3) zwei irreguläre Tore gezählt. 

Der Top-Job des 47-Jährigen in der letzten Partie des 11. Bundesliga-Spieltags kam vor allem für die Schiedsrichter-Bosse beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zur rechten Zeit. Nach der tagelangen Kritik und den heftigen Vorwürfen von allen Seiten durften sich der Videochef Hellmut Krug sowie der Elite-Kommissionsvorsitzende Lutz Michael Fröhlich endlich über positive Nachrichten freuen.

Umstrittene Rolle von Krug

Halbwegs gute Nachrichten gab es am Montag auch für Krug persönlich. Die neuen Manipulationsvorwürfe gegen den 61-Jährigen waren der DFB-Ethikkommission in der vergangenen Woche noch nicht bekannt. Nach SID-Informationen wurden die Anschuldigungen bei der Aussprache der Beteiligten am 30. Oktober mit dem früheren Bundesaußen- und Justizminister Klaus Kinkel nicht vorgebracht. Eine nachträgliche Ermittlung scheint nicht geplant zu sein. 

Die Bild-Zeitung hatte berichtet, dass aber zumindest der DFB von den grundsätzlichen Vorwürfen gegen Krug gewusst habe, weil die Schiedsrichter Manuel Gräfe und Felix Brych darüber bereits am 17. Oktober beim gescheiterten "Friedensgipfel" berichten haben sollen. Krug soll in seiner Funktion als Supervisor in der Kölner Videozentrale unerlaubten Einfluss auf die Entscheidungen der Video-Assistenten genommen haben. 

Damals soll es um das Spiel von Borussia Mönchengladbach gegen Hannover 96 (2:1) am 30. September gegangen sein. Im Anschluss, so die Vorwürfe, soll Krug auch bei der Partie von Schalke 04 gegen den VfL Wolfsburg (1:1) am 28. Oktober eingegriffen haben, indem er den Video-Assistenten Marco Fritz zweimal bei Strafstoß-Entscheidungen zu Gunsten der Königsblauen überstimmt haben soll. Krug und Fritz bestreiten das. 

Ganz abgesehen von der umstrittenen Rolle Krugs geht die Diskussion über den Videobeweis-Einsatz weiter. Die Klubs fordern in erster Linie unmissverständliche Richtlinien, um die zuletzt immer wieder aufgetretene Konfusion zu vermeiden. 

Urs Meier: „Das hätte ich gerade in Deutschland nicht erwartet“

"Wir haben einfach zu viele Fehler gehabt, da brauchen wir mehr Klarheit", sagte Sportvorstand Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt: "Dementsprechend ist die Spitze der Schiedsrichterzunft da gefordert, Klarheit zu schaffen. Es ist gar nicht so kompliziert, man muss das eben einfach ganz klar beschließen und keine Grauzonen zulassen." 

Markus Gisdol plädierte für mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Thema. "Man muss der ganzen Sache einfach auch die notwendige Zeit geben", äußerte der Trainer des Hamburger SV: "Wenn man so eine große Veränderung einführt, dann muss man auch die notwendige Geduld haben und damit rechnen, dass es längere Zeit braucht, bis es stabil ist." 

Der frühere FIFA-Schiedsrichter Urs Meier hat allerdings wenig Verständnis für die Anlaufschwierigkeiten. "Man sieht keine klare Linie", sagte der Schweizer dem kicker: "Das hätte ich gerade in Deutschland nicht erwartet. Die Schiedsrichterei in der Bundesliga muss wieder berechenbarer werden."

sid

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