Rekordmeister hat nun ein Abwehrproblem

Vidal und Martínez sind die Sinnbilder der Bayern-Pleite

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Drückten dem Spiel ihren Stempel auf: Cristiano Ronaldo, Javi Martínez und Arturo Vidal (v. l.) waren am Mittwochabend entscheidende Akteure in der Allianz Arena.

München - Im Spiel gegen Real Madrid zeigt der FC Bayern zu Beginn eine sehr konzentrierte und engagierte Leistung. Doch dann patzen ausgerechnet zwei der Leistungsträger folgenschwer.

Arturo Vidal schlug die Hände vors Gesicht, Javi Martínez schlich reumütig vom Feld. Statt sich in einem Viertelfinal-Gipfel gegen Real Madrid zu Münchner Helden zu krönen, waren der Chilene und der Spanier die größten Bayern-Verlierer an einem schmerzhaften Abend in der Champions League. 45 Minuten hatten Vidal und Martínez den deutschen Fußball-Rekordmeister mit herausragenden Auftritten auf dem Weg zum 1:0-Vorsprung angeführt - bis sie stärker als alle anderen die zwei Gesichter der Bayern an diesem Abend der 1:2-Niederlage verdeutlichten.

Nach seinem Führungstreffer per Torpedo-Kopfball (25.) hätte Vidal als Mann für große Bayern-Spiele die persönliche Machtdemonstration mit dem beruhigenden 2:0 krönen können. In Abwesenheit von Elfmeter-Chefschütze Robert Lewandowski schnappte sich der Mittelfeldvorkämpfer in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nach einem Handspiel von Daniel Carvajal den Ball - und ballerte den Strafstoß in den Münchner Nachthimmel.

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Erinnerungen an Hoeneß‘ Fehlschuss 1976

Sechs Treffer bei sechs Versuchen in der Bundesliga sind ebenso eine gute Marke für Vidal wie zuvor sechs Erfolge bei sieben Duellen in der Königsklasse. Aber diesmal fühlte sich manch einer in der Arena an Uli Hoeneß' legendären Fehlschuss aus dem verlorenen EM-Finale von 1976 erinnert.

„Wenn wir mit 0:2 in die Pause gehen, ist es ein anderes Spiel“, sagte Real-Coach Zinedine Zidane. Das hob auch sein früherer Trainer-Lehrmeister Carlo Ancelotti hervor. „Wir haben den Elfmeter verschossen, zu Beginn der zweiten Halbzeit das Gegentor bekommen. Der Platzverweis hat dann das Spiel total verändert“, verwies der Italiener auf die Viertelstunde, die der frühere Welt- und Europameister Martínez wohl am liebsten aus seiner erfolgreichen Vita streichen würde.

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Martínez sieht zweimal binnen drei Minuten Gelb

Martínez konnte beim Ausgleich von Cristiano Ronaldo (47.) nicht eingreifen, für zwei Fouls an der Mittellinie kassierte der 28-Jährige kurz nacheinander Gelb (58.) und Gelb-Rot (61.). „Danach ist das Spiel komplett in die andere Richtung gekippt“, beschrieb es Thomas Müller, der selbst kein gleichwertiger Ersatz für den verletzten Robert Lewandowski war.

Der Martínez-Platzverweis ließ nicht nur das Viertelfinal-Hinspiel kippen, sondern stellt die Bayern für die Entscheidung am Dienstag im Estadio Santiago Bernabéu vor noch größere Probleme als sie ohnehin schon haben. Mats Hummels ist aktuell am Sprunggelenk verletzt, Martínez nun gesperrt. Neben Weltmeister Jérôme Boateng dürfte daher wohl David Alaba gegen die Paradeoffensive der „Königlichen“ in die Innenverteidigung rücken. Wenn nicht doch eine überraschende Rückkehr von Hummels gelingt. „Das ist sicher kein Vorteil für uns“, formulierte Bayern-Kapitän Philipp Lahm noch sehr zurückhaltend.

„Jeder gute Spieler, der ausfällt, ist natürlich ein Vorteil für den Gegner“, erklärte dagegen Real-Star Toni Kroos, „aber bei Bayern gibt es Alternativen, und die sind auch nicht so schlecht.“ Aber ob die auch gut genug für das entscheidende Kräftemessen mit dem Titelverteidiger der Königsklasse sind, ist sehr zu bezweifeln.

dpa

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