Polizei ermittelt ergebnisoffen

Anschlag auf BVB-Bus: Die sieben großen Rätsel im Bekennerschreiben

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Nach Explosionen nahe des BVB-Bus ermittelt die Polizei.

Dortmund - Am Dienstagabend zündeten drei Bomben nahe des Busses von Borussia Dortmund. Nach dem Anschlag fanden die Ermittler ein Bekennerschreiben. Doch das ist auf mehreren Ebenen ungewöhnlich.

Das Spiel am Mittwochabend in Dortmund wurde nach dem Anschlag am Dienstag auf den BVB-Bus beinahe zur Nebensache. Spieler und Funktionäre der Borussia beschwerten sich über die zeitnahe Wiederholung des abgesagten Champions-League-Viertelfinals vom Dienstag, das der BVB prompt mit 2:3 verlor

Große Rätsel gibt weiterhin das Bekennerschreiben auf. Wie der Spiegel schreibt, wundern sich die Ermittler über den Fund der Dokumente nahe des Tatorts. Allein, dass ein Bekennerschreiben in Papierform existiert, widerspricht allen bisher gemachten Erfahrungen, die europäische Sicherheitsbehörden mit IS-Bekenntnissen gemacht haben. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat noch nie ein Attentäter, der im Namen des IS handelte, ein solches Bekennerschreiben hinterlassen.

Kein Logo des Islamischen Staates

Meist tauchen nach Anschlägen Videos auf, in denen sich die Attentäter zum IS bekennen oder die Amaq, die sogenannte Nachrichtenagentur der Terrormiliz, reklamiert in einer kurzen Botschaft den Angriff für sich. Ein weiterer Punkt, der ungewohnt ist: Normalerweise sprechen Attentäter einen Eid auf den selbsternannten Kalifen Baghdadi. Dieser Eid fehlte beim Schreiben in Dortmund.

Ebenfalls finden es die Ermittler ungewöhnlich, dass nur eine einzige religiöse Formel geschrieben wurde. Normalerweise enthalten IS-Mitteilungen Koranverse oder Aussprüche des Propheten Mohammed. In der ZDF-Talksendung von Markus Lanz zweifelte der renommierte Terrorismus-Experte Peter Neumann an einer Beteiligung des IS an dem Attentat. So fehlte unter anderem das Logo des Islamischen Staates. 

Viele kleinteilige Forderungen

Fragwürdig sind auch die vielen kleinteiligen Forderungen oder auch, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel direkt angesprochen wurde. "Aber anscheinend scherst du dich Merkel nicht um deinen kleinen dreckigen Untertanen. Deine Tornados fliegen noch immer über dem Boden des Kalifats, um Muslime zu Ermorden", heißt es. Auch solle die US-amerikanische Air-Base Ramstein geschlossen werden. Eine für den IS sehr spezifische - und deshalb nahezu absurde - Forderung. 

Der sechste fragliche Punkt: Der oder die Bekenner schreiben: „Deine Tornados (in Bezug auf Merkel, Anm. d. Red.) fliegen immer noch über dem Boden des Kalifats, um Muslime zu Ermorden“. Das würde ein Dschihadist nie tun, erklärte Neumann bei Lanz. Es müsste vielmehr „Kalifa“ heißen. Neumann verglich das mit einem Computer-Enthusiast, der vom „Apfel-PC“ statt einem „Apple-PC“ spräche.

Schlussendlich Rätsel Nummer sieben: In manchen Sätzen sind haarsträubende Rechtschreibfehler zu finden, andere schwerere Satzteile wiederum sind fehlerfrei geschrieben, wie die Süddeutsche Zeitung analysiert.

Radikal-islamischer Hintergrund nicht ausgeschlossen

Trotz dieser fehlerhaften Umsetzung schließen weder Sicherheitsbehörden noch die Polizei aus, dass die Tat einen radikal-islamischen Hintergrund hatte. Möglicherweise sympathisieren die Attentäter mit dem IS, haben deren übliche Vorgehensweise ungenau umgesetzt. Ebenfalls könnte es ein rechtsextremes Attentat gewesen sein, bei dem der oder die Täter bewusst eine falsche Spur gelegt haben. Neue Erkenntnisse erhofft sich die Generalbundesanwaltschaft von den durchsuchten Wohnungen der beiden verdächtigten Islamisten.

Bis dahin bleibt weiter die große Frage nach dem Motiv für den hinterhältigen Bombenangriff. Alle Entwicklungen und Informationen zum Anschlag auf den BVB-Bus lesen Sie in unserem News-Ticker.

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