Etwas ist etwas faul im Liga-System Dänemarks

Absichtlich verloren? Dänische Liga steckt im Manipulations-Skandal 

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Adama Guira von SönderjyskE (links) in den Europa-League-Playoffs 2016 gegen Sparta Prag.

Die dänische Liga hat einen handfesten Manipulations-Skandal. SönderjyskE verlor vermutlich absichtlich eine Partie. Doch daran trägt auch der Ligaverband Mitschuld.

Herning - Midtjylland-Stürmer Gustav Wikheimhat hat sicher schon schwierigere Treffer erziehlt als das 2:1-Siegtor in der 90. Minute gegen SönderjyskE. Widerstandslos ließ die Hintermannschaft des süddänischen Erstligisten ihre Gegenspieler so lange passieren bis Wikheimhat den Ball aus wenigen Metern nur noch in die Maschen zu schieben brauchte. Mangelnde Konzentration? Fehlende Fitness? Erhebliche taktische Defizite? Gar ein Wettskandal? 

Des Rätsels Lösung liegt wohl im Spielmodus der Dänischen Superliga, denn für SönderjyskE bedeutet die Niederlage in Midtjylland tabellarisch die bessere Ausgangsposition. Hingegen hätte ein Sieg oder ein Unentschieden in letzten Spiel der Hauptrunde den Club aus der Kleinstadt Haderslev in höchste Abstiegsnot gebracht. Dementsprechend zufrieden twitterte der Verein nach dem Spiel: „Das war der am wenigsten überraschende späte Gegentreffer in unserer Geschichte.“

Hier sehen Sie die Highlights der Partie.

Störanfälliges Liga-System in Dänemark

Grund für diese absurde Konstellation ist die Reform des dänischen Ligasystems zur Saison 2016/17. Seitdem spielen die acht letzten Vereine aus der regulären Saison in zwei Relegationsgruppen und Runden um den Klassenerhalt. Durch die Niederlage rutschte SönderjyskE auf Rang acht und in eine Gruppe mit dem Neunten (Odense BK), dem Zwölften (Lyngby BK) und dem 13. (Randers FC). Bei einem Punktgewinn im letzten Spiel wäre man als Tabellensiebter auf den Zehnten (Aarhus GF), den Elften (Silkeborg IF) und den 14. (FC Helsingör) getroffen. 

Weshalb dieser Weg der deutlich einfachere ist? In der Relegation rettet sich derjenige sicher, der mindestens zwei Teams in seiner Gruppe hinter sich lässt. Das Entscheidende dabei: Die Punkte aus der Hauptrunde werden mitgenommen. SönderjyskEs Vorsprung auf den Vorletzten der eigenen Gruppe ist somit um sieben Punkte größer als jener auf den Vorletzten der Parallel-Gruppe. Die Differenz zum unsicheren Ufer beträgt sichere zehn statt nur drei Punkte.

Der neue Modus birgt nur Nachteile

Mit der Neuerung des Spielmodus wollte die chronisch klamme dänische Liga ein Mehr an Spielen und Spannung erzeugen um so höhere Zuschauer- und TV-Einnahmen zu generieren. Schon bei Einführung des neuen Systems hatten Experten vor dessen Fehleranfälligkeit gewarnt. Doch Liga und Verband wischten die Bedenken einfach vom Tisch. Dabei ging der Schuss gleich doppelt nach hinten los: Der faire Leistungsvergleich innerhalb der Liga erleidet durch Skandale wie diesen erheblichen Schaden, die Einnahmen steigern konnte man auch nicht. 

SönderjyskE droht eine empfindliche Strafe

Als Reaktion möchte der Verband offenbar erst einmal gegen den Verein, der die Absurdität des Systems schamlos offen gelegt hat, vorgehen. „Wir haben natürlich den Verlauf des Spiels genau verfolgt – speziell die Schlussphase. Wir haben selbstverständlich auch notiert, welche Aussagen da von SönderjyskE gekommen sind. Auf Grundlage dieser Fakten haben wir beschlossen, Ermittlungen einzuleiten“, sagte der Chef der Superliga-Disziplinarkommission Jens Hjortskov. 

Nun droht dem Verein sogar ein Punktabzug. Immerhin zeigen sich die Verantwortlichen ein wenig einsichtig: Der neue Relegations-Modus soll laut einem Bericht der Zeitung "Ekstrabladet" möglichst zeitnah verschrottet werden.

dk

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