Tierquälerei, tierisch witzig oder einfach dumm?

„Kulikitaka“-Challenge TikTok: Darum ist der Trend so hart gefährlich

Diese Social Media Challenge kann schmerzhaft und sogar tödlich enden: Beim TikTok-Trend „Kulikitaka“ erschreckt man Kühe. Auf der Social-Media-Plattform sorgt die Challenge für Aufsehen. Vieh-Bauern auf den Barrikaden.

  • Tiktok: „Kulikitaka“-Challenge wird zum viralen Trend.
  • Auch auf Facebook und Instagram werden Clips geteilt.
  • Landwirte kritisieren die Challenge.

Hamburg/Berlin/Rosenheim – Gegen diese Challenge ist jede andere Challenge (etwa „Icebucket-Challenge“) in den sozialen Medien Schnee von gestern: Der neue Trend heißt „Kulikitaka“ und ist nicht nur total verrückt, sondern auch noch lebensgefährlich.

VideoportalTiktok
Entwickelt vonByteDance
ErstveröffentlichungsdatumSeptember 2016
BetriebssystemAndroid, iOS
LizenzFreeware

Tiktok-Trend: Kühe erschrecken und dabei tanzen – das ist die irre „Kulikitaka“-Challenge  

Man stelle sich eine Weide vor, auf der eine Kuh grast. Im Hintergrund hört man einen spanischen Merengue-Song („Kulikitaka“ von Toño Rosario) laufen. Eine Person steht vor der Kuh. Erst winkelt sie den linken Arm nach oben an, dann den rechten. Plötzlich wirft sie beide Arme in die Luft und rennt auf die Kuh zu. Das Tier läuft verschreckt davon.

Solche Videos kursieren zurzeit zuhauf auf der sozialen Plattform „Tiktok“: Menschen filmen, wie sie Tiere erschrecken und laden den Clip im Netz hoch. „Kulikitaka“-Challenge (oder auch: „Scaring Cow Challenge“) nennt sich das. Besonders beliebt ist es dabei, Kühe zu erschrecken. Doch auch andere Tiere bleiben vor der Provokation nicht verschont.

Die Videos verbreiten sich mittlerweile auch schon auf anderen sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram. Von tausenden Usern werden diese Clips geteilt, kommentiert und für lustig befunden. Doch die „Kulikitaka“-Challenge findet auch sehr viel Gegenwind, nicht alle im Netz teilen die Freude an den vermeintlich lustigen Videos. Auch die Holocaust-Challenge auf TikTok sorgte für Empörung*.

Kritik an der „Kulikitaka“-Challenge: Tierquälerei - Landwirte und Tierschützer empört

Vor allem deutsche Landwirte stehen der „Kulikitaka“-Challenge eher kritisch gegenüber. „Diese Aktionen sind kein Spaß, sondern lebensgefährlich und tierschutzwidrig“, erklärt Udo Hemmerlig, der stellvertretende Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Tiere könnten äußerst gereizt reagieren, insbesondere wenn sie ihre jungen Kälber beschützen wollen. „Wenn eine rund 700 Kilogramm schwere Kuh oder ein noch schwererer Bulle so erschreckt und gereizt wird, hat ein Mensch keine Chance.“

Die Reaktionen der Rinder sind unvorhersehbar. Eigentlich würden die Tiere voller Neugier stecken und Menschen von Natur aus nichts antun wollen, meint der Deutsche Bauernverband. Doch wenn man sie erschreckt, könnten sie sich wehren oder außer Kontrolle fliehen. „Hier werden unnötig Risiken für Mensch und Tier in Kauf genommen, nur um Klicks und Aufmerksamkeit zu erzielen“, erklärt ein Sprecher.

Eine ähnlich kritische Einstellung zu dem gegenwärtigen Tiktok-Trend hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die auf ihrer Facebookseite warnt: „Wir weisen darauf hin, dass es sich bei der Tiktok-Challenge um eine absolut dämliche und für Tier und Mensch lebensgefährliche Aktion handelt.“ Weiter heißt es: „Durch das panische Wegrennen können sich die Kühe verletzen. Bei hochtragenden Tieren besteht durch die Freisetzung vieler Stresshormone die Gefahr des Verkalbens.“

Die „Kulikitaka-Challenge“ auf Tiktok: Menschen erschrecken Tiere und stellen die Clips online. (Screenshot)

Wie rosenheim24.de* berichtet, gab es erst kürzlich einen dramatischen Vorfall am Immenstädter Horn im Allgäu. Dort sind 13 Rinder auf der Flucht in die Tiefe gestürzt, weil Wanderer sie zuvor erschreckt hatten. Im Internet kursiert derzeit außerdem ein Video von einen Landwirt aus Oberösterreich, der sich empört über die „Kulikitaka“-Challenge äußert: „Was kommt als nächstes? Gibt es überhaupt noch Grenzen? Darf denn jeder alles tun? Ohne Konsequenzen? Einfach weil‘s grad cool ist und viele Likes bringt?“

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Was kommt als nächstes? Gibt es überhaupt noch Grenzen? Darf denn jeder alles tun? Ohne Konsequenzen? Einfach weils grad cool is und viele Likes bringt? Diese #scaringcowchallenge auf #tiktok ist nur ein neuerlicher Auswuchs unserer Gesellschaft. Aber wehe, es passiert mal was, dann wird gleich nach der Mami gerufen, bzw. nach dem Anwalt und dann sucht man nach dem Schuldigen weil "irgendwer muss ja verantwortlich" sein. Der Gesetzgeber beugt sich leider auch zunehmend diesem Trend und Bürokratiewahnsinn und Überregulierung sind die Folge. Wir müssen alle wieder zurück zu mehr #Eigenverantwortung und #Hausverstand. Nur so kann eine zivilisierte Gesellschaft auf Dauer überleben!

Ein Beitrag geteilt von Georg Doppler (@georg.doppler) am

Der Tierschutzbund äußerte sich bisher noch nicht zu der Kulitikaka-Challenge.. Doch die Tierschützer machten erst kürzlich ihrem Ärger über misshandelte Kühe in einem Flensburger Milchbetrieb* Luft – auf diese „Horror-Milch“-Berichterstattung gab es heftige Redaktionen, 24hamburg.de berichtet.

Auch die Hamburger Vegan-Youtuber Gordon Prox und Aljosha Muttardi („Vegan ist ungesund“) haben sich dem Tierschutz verschrieben und machen in ihren sozialen Netzwerken immer wieder über Missstände in der Tierhaltung aufmerksam.* Seit Juni gibt es in Norddeutschland Probleme in einem Geflügel-Schlachthof. Viele Puten könnten „notgekeult“ werden – laut Experten wartet möglicherweise ein sinnloser Tot auf die Tiere. * rosenheim24.de und 24hamburg.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © tiktok/lauralieckens

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