110 Euro mehr

Zuzahlungen für Pflegebedürftige im Heim steigen weiter

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Pflegebedürftige müssen für die Betreuung im Heim immer mehr aus eigener Tasche zuzahlen. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Mehr und mehr Menschen in Deutschland sind auf Pflege angewiesen. Doch eine Heimbetreuung kostet. Und die selbst zu tragenden Summen werden zusehends größer, wie neue Zahlen bestätigen. Also was tun?

Berlin (dpa) - Pflege im Heim wird immer teurer. Die Eigenanteile, die Pflegebedürftige und ihre Familien aus eigener Tasche zahlen müssen, stiegen weiter auf nun 1940 Euro im Monat im bundesweiten Schnitt.

Das sind 110 Euro mehr als Anfang 2019, wie aus Daten des Verbands der Ersatzkassen (vdek) mit Stand 1. Januar 2020 hervorgeht. Es gibt jedoch nach wie vor große regionale Unterschiede. Am teuersten bleiben Heimplätze in Nordrhein-Westfalen mit nun durchschnittlich 2357 Euro. Am niedrigsten sind die Zuzahlungen mit 1359 Euro in Sachsen-Anhalt. Patientenschützer dringen auf baldige Entlastungen.

In den Summen ist zum einen der Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Denn die Pflegeversicherung trägt - anders als die Krankenversicherung - nur einen Teil der Kosten. Für Heimbewohner kommen daneben noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und auch für Investitionen in den Einrichtungen dazu. Der Eigenanteil allein für die reine Pflege stieg nun im bundesweiten Schnitt auf 731 Euro im Monat, nachdem es zum 1. Januar 2019 noch 655 Euro gewesen waren.

Die Debatte um einen grundlegenden Umbau der Finanzierung nimmt weiter Fahrt auf. vdek-Chefin Ulrike Elsner sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die steigenden Eigenanteile in der stationären Pflege machen Handlungsbedarf für eine Finanzreform in der Pflege deutlich." Es sei gut, dass die Gesundheitspolitik das Thema auf die Agenda genommen habe, denn eine gute und bezahlbare Pflege gehe alle an. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will bis Mitte des Jahres einen Vorschlag machen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnte, die Eigenanteile in den Heimen stiegen rasant und unaufhörlich, während die Leistungen aus der Pflegeversicherung seit Jahren konstant blieben. Vorstand Eugen Brysch kritisierte, dass Spahn erst im Sommer ein Konzept vorlegen wolle. "Für die Pflegebedürftigen ist das unerträglich. Sie werden weiter in die Armutsfalle gedrängt und abhängig von Sozialhilfe." Nötig sei eine grundlegende Finanzreform. Die Pflegeversicherung müsse künftig die gesamten Pflegekosten übernehmen. "Den zusätzlichen Aufwand für Unterbringung, Verpflegung und Investitionen zahlt weiter jeder selbst. Das sind im Schnitt immerhin über 1200 Euro monatlich."

Bundesweit am höchsten ist der Eigenanteil nur für die reine Pflege weiter in Baden-Württemberg: durchschnittlich 1006 Euro waren es den neuen Daten zufolge zum 1. Januar dieses Jahres. Es folgen Berlin mit 939 Euro und Bayern mit 899 Euro. Deutlich weniger sind es dagegen in Thüringen mit 421 Euro, in Sachsen-Anhalt mit 498 Euro und in Sachsen mit 504 Euro. Auch bei den Kosten für Unterkunft und Verpflegung gibt es bundesweit eine große Spanne: von 573 Euro in Sachsen-Anhalt bis 1024 Euro in Nordrhein-Westfalen. Der Bundesschnitt beträgt 756 Euro.

In der Debatte um die Zukunft der Pflege-Finanzierung gibt es schon diverse Vorstöße - und das Problem wird eher noch größer. In der alternden Gesellschaft werden absehbar mehr Menschen Pflege in Anspruch nehmen. Die Zahl der Leistungsempfänger steigt bereits. Nach Angaben der gesetzlichen Krankenversicherung waren es 2018 rund 3,7 Millionen und damit 10,4 Prozent mehr als 2017. Die Ausgaben der Pflegeversicherung erhöhten sich um 7,6 Prozent auf 38,2 Milliarden Euro. Steigende Kosten bringen auch höhere Löhne, die die Regierung im Ringen um dringend benötigte Pflegekräfte aber durchsetzen will.

Die Vorschläge reichen von Bundeszuschüssen bis zur Senkung oder Begrenzung der Eigenanteile. Möglich wären außerdem höhere Beiträge. Spahn hat signalisiert, dass er mehr Planbarkeit und Verlässlichkeit bei den Eigenanteilen will und vor allem langfristig Pflegebedürftige entlasten möchte. Forderungen nach einer Vollversicherung für die kompletten Pflegekosten hat er abgelehnt. Bis Mitte Mai plant das Ministerium dazu noch Diskussionsveranstaltungen in mehreren Städten, als nächstes am 28. Februar in Landshut und am 19. März in Kassel.

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