Auswärtiges Amt schaltete sich ein

Polizei-Eklat in Istanbul: Bundeswehrsoldat als Tourist wegen privatem Handyvideo festgenommen

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Ein Bundeswehr-Soldat hatte Ärger mit der Istanbuler Polizei (Symbolbild).

Die türkischen Behörden hielten in Istanbul einen deutschen Soldaten fest. Auch ein Hamburger Theater-Intendant wurde bei Einreise festgenommen - angeblich wegen einer WhatsApp-Nachricht.

Update vom 12. August 2019: In die Reihe überraschender Aggressionen gegenüber deutschen Staatsbürgern reiht sich nun ein neuer Coup der Türkei. Gegen den Profiboxer Ünsal Arik wird bereits wegen verschiedener Kritik am türkischen Staatsoberhaupt Reccep Tayyip Erdogan ermittelt. Jetzt wird dem Mann aus Nürnberg versuchter Mord vorgeworfen - weil er in einem Musikvideo 2015 eine Pappfigur umgeworfen hat. Diese Klage könnte aber nicht nur aufgrund der Schwere des Vorwurfs eine besondere sein - denn auch der Kläger ist ein Schwergewicht - und niemand anders als Erdogan selbst. 

Update 14.38 Uhr: Der in der Türkei aufgehaltene Bundeswehrsoldat aus Hessen ist nach dpa-Informationen wieder in Deutschland. Er ist am frühen Freitagmorgen in der Heimat angekommen.

Der Hessische Rundfunk berichtete, der Mann sei mit der Justiz in Konflikt geraten, weil er in Istanbul ein Selfie-Video aufgenommen hatte. Er habe es auf der großen Istiklal-Einkaufsstraße gedreht. Polizisten in Zivil hätten ihn aufgefordert, das Video zu löschen. Der Mann, der als Tourist unterwegs war, habe sich geweigert und sei deshalb zur nächsten Polizeistation mitgenommen worden.

Wieso das Video den Polizisten missfiel, blieb zunächst unklar. In der Einkaufsstraße sind in regelmäßigen Abständen schwere Polizei- und mitunter Militärfahrzeuge geparkt. Sie zu filmen, ist verboten.

Für den Mann war nach dpa-Informationen eine wöchentliche Meldepflicht, aber keine formelle Ausreisesperre angeordnet worden. Er war also auf freiem Fuß. Das Auswärtige Amt hatte am Donnerstag erklärt, dass das Generalkonsulat mit dem Betroffenen in Kontakt sei.

Türkei im Eskalationsmodus: Deutscher Theater-Intendant wegen WhatsApp-Nachricht festgenommen?

Update vom 9. August 2019, 9.55 Uhr: Der Intendant eines Hamburger Theaters, Mahmut Canbay, ist bei seiner Einreise in die Türkei festgenommen worden. Er sei acht Stunden lang verhört worden, sagte Canbay der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Man habe ihm am Donnerstagabend ein Einreiseverbot erteilt. Zuvor hatte das „Hamburger Abendblatt“ mit Bezug auf türkische Medien darüber berichtet.

Canbay ist laut Hamburger Abendblatt Deutsch-Türke kurdischer Abstammung und wollte mit einer Jugendgruppe an einem Theaterfestival in der westtürkischen Metropole Izmir teilnehmen. Er ist Intendant des Mut!Theaters im Hamburger Schanzenviertel.

Canbay sagte der Deutschen Presse-Agentur, ihm sei ein Anwalt verweigert worden. Man habe ihn gezwungen, sein Smartphone zu entsperren und habe alle Mails, Kontakte und Chats überprüft. Unter anderem sei er zu einer Karikatur des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan befragt worden, die ihm ein Bekannter per Whatsapp zugeschickt hatte. Auf dieser wird Erdogan als Diktator dargestellt. 

Er sei gefragt worden, warum er diese nicht gelöscht habe. Schließlich sei er in eine Maschine nach Köln gesetzt worden.

Video: Explosion eines Munitionslagers unweit der syrischen Grenze

Erdogan/Türkei: Bundeswehr-Soldat darf Land nicht verlassen

Update, 19.44 Uhr: Bei der prekären Situation des deutschen Soldaten (21) in der Türkei handelt es sich anscheinend nicht um eine formelle Ausreise-Sperre, sondern um eine wöchentliche Meldepflicht, wie die Deutsche Presse-Agentur mitteilte. Der Bundeswehrsoldat aus Stadtallendorf ist demnach auf freiem Fuß. Auch Hinweise auf politische Vorwürfe der türkischen Behörden gegen den Deutschen gibt es bislang keine. 

Türkei: Bundeswehrsoldat darf nicht ausreisen - „Wir sind natürlich in großer Sorge ...“

Update, 17.56 Uhr: Bei dem in der Türkei festgesetzten Bundeswehrsoldaten handelt es sich nach Informationen der Oberhessischen Presse (OP) um einen deutschen Staatsbürger ohne türkische Wurzel. Die Festsetzung des deutschen Soldaten in Istanbul ist demnach dem Auswärtigen Amt schon bekannt. In der Türkei betreut das Generalkonsulat in Istanbul den Mann. 

Ein Divisionssprecher erklärte am Donnerstag gegenüber der OP: „Wir sind natürlich in großer Sorge um den Kameraden angesichts früherer Fälle von Verhaftungen in der Türkei.“

Deutscher Soldat in Türkei festgesetzt - Bundeswehr spricht von „Vorfall“

Update vom 8. August 2019, 17.37 Uhr: Nun bestätigte auch die Bundeswehr, dass der Soldat seit einigen Tagen in Istanbul festgesetzt worden sei. Der Mann sei privat in der Türkei unterwegs gewesen und dürfe das Land nun nicht mehr verlassen, erklärte ein Sprecher der Bundeswehr der Nachrichtenagentur AFP. Zu den Hintergründen konnte der Sprecher noch nichts sagen. Er sprach lediglich von einem "Vorfall".

Der Fall werde unterdessen weiter geprüft, so die Aussage der Bundeswehr Division Schnelle Kräfte gegenüber der Oberhessischen Presse. Rechercheergebnissen der OP zufolge, könnte es sich um einen „politischen Vorwurf gegen den Soldaten“ handeln. Eine Anklage gegen den Soldaten liegt nach Informationen der OP allerdings noch nicht vor. 

Erstmeldung: Deutscher Soldat darf die Türkei vorerst nicht verlassen - Gründe unklar

Stadtallendorf - Ein junger deutscher Soldat soll derzeit von den türkischen Behörden in Istanbul festgehalten werden. Das meldet die Oberhessische Presse. Gegenüber der Zeitung soll das Auswärtige Amt am Donnerstag bestätigt haben, das der junge Mann derzeit die Türkei nicht verlassen dürfe. 

Die genauen Gründe sollen dem Auswärtigen Amt noch nicht bekannt sein. Klar ist laut Oberhessischer Presse aber, das der Soldat am Bundeswehrstandort Stadtallendorf stationiert ist. In der Türkei soll er Urlaub gemacht haben. 

Die Türkei in den vergangenen Monaten weitere Deutsche festgesetzt - andere des Landes verwiesen

Erst vor wenigen Tagen wurde ein 36-jähriger Mann aus Offenbach bei der Einreise in die Türkei festgenommen. Bereits im Juli wurde deutschen Touristen in der Türkei mit Gefangennahmen gedroht

Dabei sind die Türkei und Deutschland in einem engen wirtschaftlichen Verhältnis. Denn die Türkei ist der größte Abnehmer deutscher Waffentechnik. Derzeit droht der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan kurdischen Gebieten mit einer türkischen Invasion. 

Unter dem Vorwurf der Verbindungen zu Terroristen hat die Regierung um Präsident Erdogan nun drei pro-kurdische Bürgermeister abgesetzt. Derweil eskaliert der Konflikt in Syrien. Die Bundeswehr-Kommandeure sollen bei Ausrüstungsmängeln selbst tätig werden. Deshalb wird ihnen einem Bericht zufolge eine Geldsumme zur Verfügung gestellt.

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