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Thüringen-Wahl: Wer wählte wen? Wählerwanderung zeigt, woher die AfD-Zuwächse kamen

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Landtagswahl in Thüringen

Die Thüringer haben einen neuen Landtag gewählt. Doch bei der Wahl-Entscheidung gibt es deutliche Gruppen-Unterschiede. Ein Überblick: Wer hat wen gewählt?

Erfurt - Die Landtagswahl in Thüringen dürfte die Parteispitzen auf Landes- und Bundesebene noch ein wenig beschäftigen. Eine Mehrheitsfindung gestaltet sich dem Ergebnis entsprechend eher schwierig. Dafür gibt es klare Gewinner und Verlierer. Wir schlüsseln auf, wer wen gewählt hat.

Die Linke geht mit 31 Prozent der Stimmen als klarer Sieger aus der Thüringen-Wahl hervor. Im Vergleich zur vorherigen Wahl gewann die Partei von Bodo Ramelow laut 2,8 Prozent hinzu und hat damit einen Regierungsauftrag von den Wählern bekommen. Doch auch die AfD darf sich als Sieger der Thüringen-Wahl fühlen: Sie konnte ihr Ergebnis aus 2014 mehr als verdoppeln und kommt mit einem Zugewinn von 12,8 Prozent nun auf 23,4 Prozentpunkte. Großer Verlierer der Wahl ist die CDU, die 11,7 Prozent einbüßte und mit nun 21,8 Prozent der Stimmen nur noch auf Rang drei landet. 

Verloren haben auch die SPD (-4,2 Prozent) und die Grünen (-0,5 Prozent). Die FDP ist dagegen einer der Gewinner: Sie konnte ein Plus von 2,5 Prozent verbuchen und feierte den Wiedereinzug in den Landtag. Allerdings nur ganz knapp: Nur fünf Wählerstimmen machten für die Liberalen den Unterschied aus. Allgemein erfreulich ist die vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung von 64,9 Prozent (2014: 52,7 Prozent)

Thüringen-Wahl im Detail: Nach Alter

Schon vor der Wahl war klar, dass vor allem ältere Wähler maßgeblich über die Sitzverteilung im Thüringer Landtag entscheiden würden. Von 1,73 Millionen Wahlberechtigten waren 716.000 über 60 Jahre alt. Somit war diese Gruppe die größte Wählerschaft. Im Vergleich zu den Unter-25-Jährigen zeigen sich laut infratest dimap deutliche Unterschiede im Wahlverhalten: So präferierten die Ü-60-Wähler die Linke, während die jüngste Wählergruppe die AfD knapp vorzog. Doch auch die CDU kommt bei den Ü-60-Wählern deutlich besser weg, als dies bei den Unter-25-Jährigen der Fall ist.

Die Thüringen-Wahl nach Altersgruppen.

Thüringen-Wahl im Detail: Nach Geschlecht

Auch bei der Unterscheidung nach Geschlecht lassen sich bei der Thüringen-Wahl deutliche Unterschiede erkennen: Vor allem was die AfD anbelangt. Bei der Alternative für Deutschland machten deutlich mehr Männer (28 Prozent) ein Kreuz, als bei den Frauen (18 Prozent). Während es in Bezug auf SPD (8 Prozent) und FDP (5 Prozent) keine Unterschiede gibt, wählten die Frauen dagegen öfter die CDU von Mike Mohring (24 Prozent) und die Linke von Bodo Ramelow (33 Prozent).

Die Thüringen-Wahl nach Geschlecht.

Thüringen-Wahl: Nach Bildung und wirtschaftlicher Situation

Auch in den Bereichen Bildung und persönlicher wirtschaftlicher Situation lassen sich laut infratest dimap Unterschiede ausmachen. So wählten Personen mit niedriger Bildung deutlich öfter die AfD und auch häufiger die CDU. Wähler mit höherer Bildung machten ihr Kreuz dagegen eher bei der Linken, bei den Grünen und bei der FDP.

Bei der persönlichen wirtschaftlichen Situation wählten Personen, die ihre Lage als „schlecht“ einstuften vermehrt die AfD.

Wählerwanderung bei der Landtagswahl in Thüringen

Besonders interessant im Zusammenhang mit der Landtagswahl ist auch die Wählerwanderung, schließlich gab es deutliche Zugewinne oder Verluste bei den einzelnen Parteien. Dabei ist auch der Zugewinn durch ehemalige Nichtwähler entscheidend, lag doch die Wahlbeteiligung deutlich über der von der Wahl 2014.

Die AfD konnte die größten Zugewinne verbuchen. Sie zog dabei laut Tagesschau einen Großteil ihrer neuen Wähler aus der ehemaligen Nichtwählerschaft: 81.000 Stimmen kamen aus dieser Gruppe hinzu - mehr als die Stammwählerschaft von 77.000. Doch auch von der CDU (37.000) und von der Linken (18.000) konnte die AfD Wähler gewinnen.

Die Linke selbst konnte ebenfalls fast 60.000 Stimmen von den ehemaligen Nichtwählern holen. Zudem zog man je 27.000 Stimmen von der CDU und der SPD ab.

Die FDP, die den Wiedereinzug in den Landtag schaffte, zog den Christdemokraten immerhin 13.000 Wähler ab und konnte 14.000 ehemalige Nichtwähler für sich begeistern.

Alle aktuellen Infos zur Thüringen-Wahl finden Sie in unserem Live-Ticker.

rjs

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