Bündnispartner mit finanziellen Absichten

Kostenhammer für Deutschland? Polen und Griechenland planen gemeinsame Sache

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Muss sich Deutschland auf riesige Reparationszahlungen gefasst machen?

Wird der deutsche Finanzhaushalt um über eine Billion Euro erleichtert? Zwei EU-Mitgliedsländer machen für neue Reparationszahlungen offenbar gemeinsame Sache.

Warschau/Athen - Vehement haben die EU-Mitgliedsländer Polen und Griechenland zuletzt mit Forderungen nach deutschen Reparationszahlungen von sich reden gemacht: Im Juli 2019 beschloss das griechische Parlament, Deutschland für Schäden und Verbrechen im Rahmen des Zweiten Weltkrieges in Höhe von knapp 300 Milliarden Euro zu belangen. Auch der polnische Präsident Andrzej Duda ließ Möglichkeiten nicht aus, um auf die unbeglichene Schuld des bevölkerungsreichsten Landes der Europäischen Union im Zweiten Weltkrieg hinzuweisen.

„Für die Schäden muss man Polen bezahlen. Und daran werden wir auch konsequent erinnern“, gab dessen Landsmann Arkadiusz Mularczyk kürzlich zu Protokoll. Nach einem Weltkriegsgedenken in der Hauptstadt Warschau verwies der polnische Reparationsbeauftragte darauf, dass Deutschland bis heute noch keine Wiedergutmachung für die erlittenen Schäden geleistet habe.

Hohe Reparationszahlungen? „Für angemessene Entschädigung ziehen wir in die Schlacht“

Laut einem Bericht der Bild wollen sich sowohl Griechenland als auch Polen zusammentun, um Deutschland an die finanziellen Reserven zu gehen. Demnach kamen bei einem Treffen Anfang September Abgeordnete beider Länder zusammen, um sich über das Thema Reparationszahlungen des EU-Partnerlandes umfangreich auszutauschen. Ausgegangen sei die Initiative von Griechenlands Parlamentspräsident (Nikos Voutsis, d. Red.): „Er ist an der Kriegsentschädigung sehr interessiert. Unser Treffen befasste sich mit der Frage, in welchem Stadium Griechenland und Polen sich befinden“, sagte Mularczyk. 

Der Rechtsanwalt legt eine radikale Verhaltensweise an den Tag und spart nicht mit Vorwürfen an Deutschland: So habe die BRD „jahrzehntelang sehr erfolgreich eine Hinhalte- und Ausweichpolitik betrieben“, lässt Mularczyk wissen. Außerdem wählt der Hardliner martialische Formulierungen für das Anliegen der beiden Länder: „Für eine angemessene Entschädigung ziehen wir in die Schlacht.“

Muss sich Deutschland auf riesige Reparationszahlungen gefasst machen?

Kommt es für Deutschland finanziell also dicke? Griechenland definierte schon 2016 seine Forderungen durch eine Parlamentskommission auf über 300 Milliarden Euro - aufgrund der Vorfälle des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Dazu liege der Bundesregierung sogar ein offizielles Schreiben vor. In Polen gebe es dagegen noch keine konkreten Vorstellungen hinsichtlich der Höhe, sondern lediglich verbale Ansprüche, berichtet Bild online weiter (Bezahlschranke). Wie die Zusammenarbeit zwischen Warschau und Athen konkret aussehen soll, sei demzufolge ebenfalls noch nicht klar.

Sollte sich Deutschland weigern, den Forderungen Folge zu leisten, hat Polen angeblich bereits einen weiteren Plan in der Schublade und zieht in Erwägung, mehr Länder mit ins Boot zu holen: „Namibia hätte gerne Entschädigungen aus der wilhelminischen Kolonialzeit.“

Finanzielle Wiedergutmachung von Deutschland? Auch U-Bahnen im Gespräch

In Deutschland betrachte man die Frage nach möglichen Reparationszahlungen hingegen als abgeschlossen und bezieht sich auf den „Zwei-plus-Vier-Vertrag“ der deutschen Einheit von 1990. Arkadiusz Mularczyk, Chef der polnischen Arbeitsgruppe, möchte im Herbst einen entsprechenden Bericht seiner Kommission vorlegen und kündigt eine Auflistung mit den entstandenen Schäden an. Dabei machte er bereits deutlich, dass es bei einer früher geschätzten Summe in Höhe von etwa 770 Milliarden Euro nicht bleiben wird. Vielmehr sei laut Bild ein Betrag von über einer Billion Euro nicht abwegig.

Auch eine deutsche Finanzierung öffentlicher Verkehrsmittel wie U-Bahnen in polnischen Städten könne ein Mittel sein, um die Forderungen zu erfüllen. Inwiefern die anvisierte Zusammenarbeit mit Griechenland mit der anstehenden Parlamentswahl in Polen (13. Oktober) zu tun hat, ist unklar. Gut möglich: Die nationalistisch-populistische Regierungspartei PiS geht mit dem Unterfangen eines möglichen Geldregens auf Stimmenfang und möchte so den Patriotismus im Lande anheizen. In Polen geriet das Thema Reparationszahlungen erst mit dem Wahlsieg der PiS im Jahr 2015 wieder auf die politische Agenda Polens.

PF

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