Verteidigung im All

Nato will in Deutschland Space Center aufbauen - Planung für Weltraum-Kriege?

Da Kriege womöglich in der Zukunft auch im Weltall stattfinden, will die Nato in Rheinland-Pfalz ein erstes Space Center errichten. Ein weiterer Standort ist in Planung.

Brüssel - Die Nato bereitet sich offenbar weiter auf eine mögliche Bündnisverteidigung im Weltall vor. Die Verteidigungsminister der 30 Mitgliedsstaaten wollen an diesem Donnerstag ankündigen, dass ein Space Center im rheinland-pfälzischen Ramstein errichtet werden soll, darüber informierten die Deutsche Presse-Agentur und die Süddeutsche Zeitung.

Es soll zum Luftwaffenoberkommando der Nato vor Ort gehören und als Koordinationsstelle für die Überwachung des Weltraums agieren. Das bedeutet: Informationen über eventuelle Bedrohungen gegen Satelliten werden dort zusammenlaufen. Zudem soll das Space Center nachträglich zu einem Kommandozentrum für Abwehrmaßnahmen ausgebaut werden können.

Neben dem Space Center will die Nato eine Art Thinktank für die Weltraumaktivitäten der Nato etablieren. Als Standorte angedacht waren Kalkar in Nordrhein-Westfalen und Toulouse in Frankreich. In Kalkar sitzt aktuell das Kompetenzzentrum für die Nato-Luftstreitkräfte, in Toulouse wird derzeit auch das nationale französische Raumfahrtkommando aufgebaut.

Nato-Fall bei Weltraum-Angriff?

Das Space Center und der Thinktank entstehen infolge der 2019 getroffenen Grundsatzentscheidung, das All zu einem eigenständigen Operationsgebiet zu erklären. Beispielsweise kann die Nato durch den Beschluss bei Alliierten anfordern, Kapazitäten für Satellitenkommunikation oder Bilddatentransfers bereitzustellen. Zudem wird nun noch ausführlicher diskutiert, inwiefern mögliche Angriffe aus oder im Weltraum als Bündnisfall gelten.

„Die Nato hat nicht die Absicht, Waffen im Weltraum zu stationieren, aber wir müssen sicherstellen, dass unsere Missionen und Operationen die passende Unterstützung haben“, hatte Generalsekretär Jens Stoltenberg im vergangenen Jahr erklärt. Für beispielsweise Frühwarnsysteme, die Kommunikation und Navation sei der Weltraum sehr wichtig.

Der Norweger spielte damit darauf an, dass die Nato immer mehr von Technik im All abhängig ist. Beispielsweise läuft die Kommunikation bei Militäreinsätzen, Aufklärung und Spionage über Satelliten und Navigationssysteme. Ein Angriff darauf könnte die Abwehr der Nato erheblich beeinträchtigen.

Doch auch das öffentliche Leben würde durch Attacken auf Satelliten beeinflusst werden, etwa was den bargeldlosen Zahlungsverkehr oder Navigationssysteme* im Straßen-, See- und Luftverkehr angeht.

Neben den USA*, die zur Nato gehören, haben zuletzt auch Russland, China und Indien ihre Weltraum-Aktivitäten ausgebaut. Russland etwa führte mehrere Tests von Anti-Satelliten-Waffen durch, Indien hatte bereits erfolgreich testweise eigene Satelliten mit einer entsprechenden Rakete abgeschossen.

Nato: Auch die USA errichten Standorte für Weltraum-Einsätze

„Wenn es darum geht, Amerika zu verteidigen, reicht es nicht, nur eine amerikanische Präsenz im Weltraum zu haben“, sagte US-Präsident Donald Trump* damals. „Wir müssen amerikanische Vorherrschaft im Weltall haben.“ Die Feinde der USA könnten in der Umlaufbahn der Erde mit neuer Technologie Satelliten attackieren*, die „entscheidend sind für unsere Einsätze auf dem Schlachtfeld und für unser Leben zu Hause“. Die US-Streitkräfte nahmen ihr neues Führungskommando für Einsätze im Weltraum 2019 in Betrieb.

Im nordrhein-westfälischen Uedem wurde kürzlich ein neues Weltraumoperationszentrum der deutschen Luftwaffe eröffnet. Das sogenannte Air and Space Operations Centre (ASOC) soll hauptsächlich dabei helfen, Satelliten vor Störungen und Angriffen zu schützen. Zudem soll es Flugkörper beobachten, die beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zur Gefahr für besiedelte Gebiete werden können. Dabei gehe es nicht um Weltraumwaffen, betonte der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, sondern um Weltraumobjekte und den sogenannten Weltraummüll. (dpa)*Merkur.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Nasa/dpa

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