Kampf um US-Vorwahl der Demokraten

US-Vorwahlkampf: Kamala Harris will gegen Trump antreten - doch für ihre Vergangenheit erntet sie Kritik

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Kamala Harris möchte für die Demokraten bei der US-Wahl 2020 antreten.

Kamala Harris dürfte im Kampf um die US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten vorne mit dabei sein. Wird sie als scharfe Kritikerin von Donald Trump Obamas Erbe antreten?

Nur 24 Stunden nachdem die demokratische Senatorin Kamala Harris (54) bekannt gegeben hat, dass sie Spitzenkandidatin für die US-Präsidentschaftswahl 2020 werden will, waren bereits 1,5 Millionen Dollar auf ihr Spendenkonto eingegangen. Das ist besonders interessant, da diese Spenden nur durch 38.000 Kleinspender erreicht worden sind. Wie immer mehr demokratische Kandidaten lehnt auch die Anwärterin auf den Demokratenplatz im kommenden Präsidentschaftswahlkampf Spenden von großen Investoren ab. Dennoch erreicht sie innerhalb kürzester Zeit eine Rekordsumme an Zuwendungen - nur Bernie Sanders (78) bekam 2016 mehr. Der gehört mit Joe Biden (76) wohl auch zu ihren größten Konkurrenten für die Spitze der demokratischen Partei. Politisch steht sie zwischen den beiden Großgewichten.

Beliebtheitswerte unter der US-Bevölkerung scheint Harris bereits zu haben - doch ob diese ihr auch nachhaltig den Weg an die Spitze der Demokraten sichern können, steht auf einem anderen Blatt. In allen Umfragen schneidet derzeit Joe Biden am besten ab, auch Bernie Sanders und Elizabeth Warren liegen vor Kamala Harris. Auf Kamala Harris folgen aktuellen Umfragen zufolge Pete Buttigieg und Andrew Yang.

Eines scheint aber jetzt schon klar: Harris ist im Rahmen der Wahlen in den USA 2020 eine der schärfsten Kritikerinnen von US-Präsident Donald Trump. Auch gegen Joe Biden teilte sie bereits heftig aus, weil er mit Politikern zusammengearbeitet haben, die für Rassentrennung eintraten.

US-Wahl-Kandidatin Kamala Harris: Jugend und Ausbildung

Als Kind eines jamaikanischen Wirtschaftsprofessors und einer indischstämmigen Wissenschaftlerin verbrachte Harris ihre Kindheit in den USA. Politik wurde ihr schon mit in die Wiege gelegt: Sie besuchte bereits im Kinderwagen politische Demonstrationen für Menschenrechte. Als sie zwölf Jahre alt war, stand ein großer Umzug an: Mit ihrer Mutter, die vor zehn Jahren an Krebs verstarb, und Schwester ging es nach Montreal in Kanada, wo Harris die High School abschloss. Ihre Schwester Maya Harris spielt eine besonders große Rolle und managt ihre Kampagne. Damit hat sie durchaus Erfahrung - schon für Hillary Clinton arbeitete sie 2016 beim Wahlkampf mit.

Nach einem Politik- und Wirtschaftswissenschafts-Studium in Washington D.C. orientierte sie sich in Richtung Recht und schloss ein Jura-Studium in Kalifornien ab. Seit den frühen 90er-Jahren ist sie als Anwältin tätig und kann auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. Denn obwohl sie unter Aktivisten aufwuchs, wollte sie das System von innen verändern - aus einer Machtposition heraus und nicht im Straßenkampf. Immer mit einem Lächeln - aber auch mit aus der Justiz gewohnter Autorität.

Wie Obama: Kamala Harris‘ beachtliche Karriere als Anwältin

Ihre berufliche Laufbahn startete sie als Staatsanwältin von Alameda County, bevor sie für den Bezirksstaatsanwalt von San Francisco tätig wurde. Von dort stieg sie dann auf die Spitze in Kalifornien auf: Im Jahr 2011 kämpfte sich die Powerfrau in das Amt der Generalstaatsanwältin und Justizministerin in dem Bundesstaat auf. 

In diesem Posten war sie in vielerlei Hinsicht eine Sensation in Kalifornien: Sie war auf der einen Seite die erste weibliche Bundesstaatsanwältin und auf der anderen Seite die erste Person mit afroamerikanischem und indischem Hintergrund, die das Amt bekleiden durfte. Gemeinhin war sie in dem Amt als besonders taff bekannt - eine Stärke, die sie auch in der TV-Debatte der Demokraten gegen Joe Biden bewies. Scharfe Fragen, ständiges Nachbohren und großer Ehrgeiz gehören mithin zu ihren größten Fähigkeiten. Erst als sie in den US-Senat gewählt wurde, legte sie das Amt im Jahr 2017 nieder. 

Demokraten im US-Wahlkampf: Kamala Harris‘ Politikkarriere

Auch nach ihrer Karriere als Staatsanwältin konnte Harris weitere Erfolge erzielen - doch ab da vor allem in der Politik. Als zweite afroamerikanische Frau zog die heute 54-Jährige in den US-Senat ein. Aus ihrer Rolle heraus machte sie sich unter anderem als scharfe Kritikerin der Einwanderungspolitik von Donald Trump einen Namen. 

Ihre Zeit als Staatsanwältin bringt Kamala Harris viel Kritik ein

Die Erzählung einer progressiven Politikerin kann die demokratische US-Vorwahl-Kandidatin aber nicht zu Ende spinnen. Kritiker werfen ihr vor, dass sie als Staatsanwältin selbst systemkonform war und zu wenig dafür tat, den Status Quo zu ändern. Unter anderem unterstützte sie eine Initiative, die Todesstrafe abzuschaffen, nicht. Zwar ist sie gegen diese Art der Bestrafung - aber bei diesem sensiblen Thema wurde sie nicht konkret. Auch bei einem seichteren Drogenrecht hielt sie sich zurück. Eine Linie, die sich durch viele ihrer Entscheidungen als Justizministerin zieht.

Als Anwältin weiß Harris eines: Alles, was sie sagt, kann gegen sie verwendet werden, jeder Fehler findet einen Kritiker. Daher wählt sie ihre Worte und Schritte mit Bedacht, sie konnte als Anwältin nur selten die progressiven Positionen vertreten, für die sie heute einsteht. Mit ihrem vorsichtigen Verhalten ist sie zwar ein erfrischender Kontrast zum amtierenden US-Präsidenten Trump, aber viele ihrer Unterstützer fordern klarere Positionen. Das ist an Harris natürlich nicht vorbeigegangen, sie nimmt immer klarer Stellung und zeigt sich furchtlos. 

Kamala Harris: Ihre politischen Positionen

Viele Punkte von Harris Wahlkampf für die Vorwahlen in den USA 2020 erinnern an die politische Vergangenheit von Barack Obama. Auch ihre politischen Ziele haben progressive Hintergründe und befinden sich bei den Demokraten in den USA auf der linken Seite des Spektrums. Überhaupt hat sie mit Obama so einige Ähnlichkeiten: Auch Obama startete während seiner ersten Amtszeit als Senator in den Präsidentschaftswahlkampf - und die juristische Ausbildung haben die beiden auch gemeinsam. Ob das zum Erfolg führen kann? Für diese politischen Kernpositionen steht sie unter anderem ein:

  • Gesundheit: Harris setzt sich für eine allgemeine Krankenversicherung für alle US-Amerikaner ein.
  • Immigration: In Vergangenheit bezog Harris klare Stellung gegen die geplante Mauer an der mexikanischen Grenze, die eine zentrale Rolle in Trumps Politik spielt. Außerdem setzt sie sich unter anderem für Rechte von Menschen ein, die als Kinder illegalerweise in die USA gekommen sind. 
  • Klima: Im Februar 2019 hat Harris den „Green New Deal“ unterschrieben - das niedergeschriebene Ziel: Die USA sollen in 10 Jahren zu hundert Prozent auf saubere und erneuerbare Energien setzen.
  • Abtreibung: Die US-Politikerin unterstützt das Recht auf Abtreibung und engagiert sich darüber hinaus für Frauenrechte.
  • LGBTQ: Harris unterstützt die gleichgeschlechtliche Ehe und macht sich für die Rechte von verschiedenen sexuellen Orientierungen stark.
  • Bildung: Gerade für einkommensschwache Familien möchte Harris die Studiengebühren fallen lassen, gleichzeitig setzt sich Harris für frühe Bildung ein, etwa in Form eines Pre-Kindergartens.
  • Waffen: Harris unterstützt striktere Waffengesetze, hat als Anwältin aber wie in vielen anderen Punkten in der Vergangenheit schon weniger progressive Positionen vertreten.

In den letzten TV-Debatten hat Kamala Harris vor allem durch ihre harschen Attacken und klaren Worte für Aufsehen gesorgt. Gegen Donald Trump könnte sie im Wahlkampf also durchaus antreten - doch ob sie es an die Spitze der Demokraten schafft, ist noch nicht klar. Denn ihre Vergangenheit brachte ihr viel Kritik ein. Lesen Sie hier, welche Kandidaten sich in der dritten TV-Debatte beweisen wollen.

jw

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