Deutschland nimmt Migranten auf

Moria-Inferno: Fürchterlicher Verdacht zur Brandursache - Röttgen fordert Aufnahme von tausenden Flüchtlingen

Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos (Griechenland) stand in Flammen und wurde fast vollständig zerstört. Immer mehr Politiker, auch aus der Regierung, fordern die Aufnahme von Migranten in Deutschland.

  • Das Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos in Griechenland fiel in der Nacht auf Mittwoch Flammen zum Opfer.
  • Den Bränden sind Unruhen der Bewohner nach der verhängten Corona*-Quarantäne vorhergegangen.
  • Aufstände von Jugendlichen bekämpfte die Polizei mit Tränengas - Minderjährige werden evakuiert.

Update vom 11. September, 11.16 Uhr: Nach dem Brand in Moria will Horst Seehofer während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft die Probleme der Flüchtlings-Politik angehen. Die EU-Kommission derweil plant einen neuen Kurs in der Flüchtlings-Thematik - und Kanzlerin Merkel fällte ein hartes Urteil über die EU-Migrationspolitik. Alle neuen Informationen finden sie in unserem neuen News-Ticker.

Moria-Inferno: Fürchterlicher Verdacht zur Brandursache - Röttgen fordert Aufnahme von tausenden Flüchtlingen

Update vom 11. September, 09.40 Uhr: CDU-Vorsitz-Kandidat Norbert Röttgen geht nicht davon aus, dass es nach dem Flammen-Inferno in Moria auf Lesbos eine gesamteuropäische Reaktion geben wird. Die Blockadehaltung einzelner EU-Mitglieder in der Frage sei „zementiert“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags im ZDF-Morgenmagazin. „Die Ablehnung Einzelner darf nicht dazu führen, dass wir als Europäer in Geiselhaft genommen werden.“ Daher müsse jetzt eine Gruppe von Staaten vorangehen und praktische Lösungen erzielen. Zustände wie im Lager Moria seien „eine europäische Wunde“, die es zu beseitigen gelte.

Röttgen gehört zu den 16 Abgeordneten der Unions-Bundestagsfraktion, die einen Brief an Innenminister Horst Seehofer (CSU) gerichtet und gefordert hatten, 5000 anerkannte Flüchtlinge aufzunehmen.

Auf der Insel Lesbos wurde jetzt ein neues provisorisches Lager errichtet, doch viele Flüchtlinge fürchten sich davor, eingesperrt zu werden.

Feuer in Moria: Zehn Bürgermeister in Deutschland wollen Flüchtlinge aus Lesbos aufnehmen

Update vom 11. September, 07.20 Uhr: Während die deutsche Regierung nur 400 unbegleitete Minderjährige gemeinsam mit mehreren EU-Ländern aufnehmen und verteilen möchte, erklären sich immer mehr Städte und Gemeinden im Land bereit zur Aufnahme von Flüchtlingen. Die Stadtoberhäupter von zehn großen deutschen Kommunen haben in einem gemeinsamen Brief an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) ihre Bereitschaft erklärt, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen.

Der Brief wurde von den Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern von Bielefeld, Düsseldorf, Freiburg, Gießen, Göttingen, Hannover, Köln, Krefeld, Oldenburg und Potsdam unterzeichnet. Sie bekräftigten darin ihre Bereitschaft, „einen humanitären Beitrag zu einer menschenwürdigen Unterbringung der Schutzsuchenden in Europa“ zu leisten: „Wir sind bereit, Menschen aus Moria aufzunehmen, um die humanitäre Katastrophe zu entschärfen.“

Update vom 11. September, 07.03 Uhr: Der Bundestag befasst sich am Freitag (12.30 Uhr) mit dem Großbrand im griechischen Flüchtlingslager Moria. Grundlage der Debatte ist ein Antrag der Linksfraktion mit dem Titel „Konsequenzen aus dem Brand in Moria ziehen - Lager auf den griechischen Inseln auflösen und Geflüchtete in Deutschland aufnehmen“. Nach der weitgehenden Zerstörung des Lagers sind tausende Menschen obdachlos.

Moria-Brand: Ursache für Flammen-Inferno jetzt wohl klar - Furchtbarer Verdacht - Merkel reagiert

Update vom 10. September, 17.56 Uhr: Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vorgeschlagen haben, in einer gemeinsamen EU-Aktion 400 unbegleitete Minderjährige aus dem Flüchtlingslager Moira aufnehmen zu wollen, zieht Münchens OB Dieter Reiter nach. Er hatte am Donnerstag erneut darauf hingewiesen, dass die Stadt derzeit 200 bis 300 Geflüchtete aufnehmen kann. Er mahnte aber auch: „Das Los der etwa 13.000 Menschen, die nun in Lesbos ohne Obdach sind, darf aber nicht nur vom Engagement einzelner Kommunen abhängen.“

Update vom 10. September, 15.04 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron wollen nach den Bränden im griechischen Flüchtlingslager Moria in einer gemeinsamen Aktion mit anderen EU-Ländern 400 unbegleitete Minderjährige aufnehmen. Die Zahl gilt nach Informationen der dpa in Berlin für alle teilnehmenden Länder - wie viele davon Deutschland übernehmen würde, stehe noch nicht fest, hieß es.

Brand in Moria: 16 Unions-Bundestagsabgeordnete stellen sich gegen Innenminister Seehofer

Update vom 10. September, 14.36 Uhr: Immer mehr Abgeordnete der Union stellen sich gegen der Kurs in der Flüchtlingsfrage von Horst Seehofer (CSU). In einem Brief an den Innenminister haben 16 Unions-Bundestagsabgeordnete, darunter auch der menschenrechtspolitische Sprecher Michael Brand (siehe Update vom 10. September, 9.10 Uhr), die Aufnahme von 5000 anerkannten Flüchtlingen vom griechischen Festland gefordert. „Wir bitten Sie darum, dass Deutschland möglichst gemeinsam mit anderen EU-Staaten, aber notfalls auch alleine, 5000 Flüchtlinge vom griechischen Festland aufnimmt“, heißt es in dem Schreiben, das der dpa vorliegt. Es gehe jetzt nicht vorrangig darum, europäische Flüchtlingspolitik zu gestalten, „sondern offensichtliche menschliche Not zu lindern“.

Aus der Unionsfraktion hieß es, die 16 Abgeordneten würden nicht für die Fraktion sprechen, das Schreiben sei mit niemandem sonst abgesprochen gewesen. Es herrsche Unverständnis über das Vorpreschen der Abgeordneten, da es sich um eine europäische Angelegenheit handele. Eine ausschließlich deutsche Reaktion wäre in diesem Zusammenhang unglücklich.

Flüchtlingslager-Brand auf Lesbos: Ursache für Flammen-Inferno jetzt wohl klar - Furchtbarer Verdacht steht im Raum

Update vom 10. September, 13.30 Uhr: Laut der griechischen Regierung haben Migranten das Feuer in Moria selbst gelegt. „Das Feuer wurde von Menschen gelegt, die Asyl beantragt haben - als Reaktion auf die wegen des Coronavirus verhängte Quarantäne“, sagte Regierungssprecher Stelios Petsas. Es handele sich um Menschen, die „ihr Gastland nicht respektieren“, so Petsas. Mit solchen Aktionen jedoch torpedierten diese Menschen jede Lösung. „Wir sagen es ihnen klipp und klar: Sie werden nicht wegen des Feuers die Insel verlassen. Das können sie vergessen.“ Gelungen sei den Brandstiftern lediglich, Tausende Menschen - darunter Familien- obdachlos zu machen, kritisierte Petsas.

Athen will in den nächsten Tagen 19.000 Coronatests auf Lesbos durchführen. Die Angst eines unkontrollierbaren Virusausbruchs ist groß, nachdem 35 Migranten positiv auf das Virus getestet worden waren und nun nicht mehr ausfindig gemacht werden können.

Großbrand in Flüchtlingslager Moria auf Lesbos: Frankreich und Deutschland wollen gemeinsam Flüchtlinge aufnehmen

Update vom 10. September, 13.10 Uhr: Nach dem Flammen-Inferno im Flüchtlingslager Moria plant Frankreich gemeinsam mit Deutschland einen Vorschlag, um Flüchtlinge aufzunehmen. Dabei gehe es insbesondere um Minderjährige, sagte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron. Es sollten auch andere europäische Partner gewonnen werden: „Wir müssen mit Griechenland solidarisch sein.“ Es gehe nun um eine „gute Antwort der Solidarität“ an Griechenland, sagte der 42-Jährige. 

Update vom 10. September, 10.10 Uhr: Der Druck auf Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), schnell Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen, wird immer größer. Zahlreiche Vertreter von Parteien, Verbänden und Kirchen fordern rasches Handeln vom CSU-Politiker. Der Geschäftsführer der Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl, Günter Burkhardt, kritisierte es am Donnerstag als „Ablenkungsmanöver“, dass Seehofer die Aufnahme von einer europäischen Einigung zur Flüchtlingsverteilung abhängig mache. „Wer hier von einer europäischen Lösung fabuliert, spielt auf Zeit und sucht ein Alibi für das Nichthandeln.“

Nicht nur die Opposition, sondern auch hochrangige Politiker aus den eigenen Reihen fordern eine Aufnahme der Migranten so wie Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) (siehe Update um 10.10 Uhr) oder Michael Brand (CDU) (siehe Update um 9.10 Uhr). Sogar CSU-Chef Markus Söder schrieb auf Twitter: „Ganz Europa und auch Deutschland müssen handeln und helfen. Sollte die Bundesregierung entscheiden, Menschen aufzunehmen, wird sich Bayern selbstverständlich daran beteiligen.“ Wird der Innenminister dem immer größer werdenden Druck nachgeben?

Griechenland: Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) fordert ebenfalls Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria - Scharfe Kritik an Brüssel

Update vom 10. September, 10.10 Uhr: Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sprach am Mittwochabend Klartext im ARD-Fernsehen. Er befürworte die Aufnahme von 2000 Flüchtlingen aus Moria in Deutschland. Innerhalb der EU müsse Deutschland in einer „Koalition der Willigen“ vorangehen. Müller schoss dabei auch scharf gegen Brüssel: „Es sind nicht die Flüchtlinge Griechenlands, es sind die Flüchtlinge von Europa. Deshalb muss dieses Thema von Europa und der EU gelöst werden. Aber ich höre kein Signal aus Brüssel.“ Man könne jetzt nicht auf Einstimmigkeit Europas warten: „Acht starke Staaten könnten das Problem jetzt lösen.“

Müller besuchte Moria schon früher und sprach nun von einem „Gefängnis“. Flüchtlinge würden dort „eingepfercht wie Verbrecher“. Es sei absehbar gewesen, dass es zu einer solchen Katastrophe kommt, erklärte er im ARD Brennpunkt. Dabei warnte er auch vor weiteren Katastrophen im Balkan oder im Libanon die sich bereits anbahnen: „Es ist ein Hilferuf, der leider nicht in Europa ankommt.“

Brand in Flüchtlingslager Moria: 5000 Flüchtlinge nach Deutschland? CDU-Politiker fordert Alleingang Deutschlands - „schlechter behandelt als Vieh“

Update vom 10. September, 9.10 Uhr: Der menschenrechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Brand, fordert nach dem Brand in Moria*, dass Deutschland notfalls im Alleingang 5000 Flüchtlinge aufnehmen sollte. Brand sagte am Donnerstag im Südwestrundfunk (SWR), diese humanitäre Maßnahme sei dringend nötig, nach dem, was dort jahrelang passierte und „ignoriert“ worden sei.

Die Menschen in dem auf der Insel Lesbos gelegenen Lager seien in den vergangenen Jahren „schlechter behandelt worden, als bei uns das Vieh behandelt wird“, sagt Brand. Es dürfe nicht „das Signal gesendet werden, dass Europa erst reagiert, wenn man selbst die Flüchtlingslager anzündet“. Allerdings müsse darauf geachtet werden, dass nur die Menschen nach Deutschland kämen, die bereits ein Asylverfahren in Griechenland durchlaufen hätten.

Großbrand in Flüchtlingslager Moria: Unbegleitete Minderjährige aufs Festland gebracht

Update vom 10. September, 8.10 Uhr: Nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria laufen erste Maßnahmen zur Unterbringung von Menschen an. 165 unbegleitete Minderjährige wurden evakuiert und an Bord eines Flugzeugs von Lesbos nach Thessaloniki gebracht. Weitere 240 sollen folgen.

Mehrere kleine Brände, die in der Nacht zum Donnerstag ausbrachen, konnte die Feuerwehr löschen. Einige Jugendliche hatten versucht, in die Hauptstadt der Insel zu kommen, wie das griechische Staatsfernsehen berichtete. Die Polizei wurde mit Steinen angegriffen, daraufhin wurde Tränengas eingesetzt.

Nachdem im Flüchtlingslager 35 Corona-Fälle festgestellt wurden, ist die Angst einer unkontrollierten Ausbreitung der Pandemie groß. Die Infizierten waren in der Folge des Großbrands untergetaucht und könnten tausende Menschen anstecken.

Wie viele Menschen bei der Katastrophe genau obdachlos wurden, ist noch nicht bekannt. Zuletzt war das Lager mit rund 12500 Menschen komplett überfüllt.

Flüchtingslager Moria: Neue Brände in der Nacht zum Donnerstag - Deutsche demonstrieren für Flüchtlings-Aufnahme

Update vom 10. September, 6.40 Uhr: Im Flüchtlingslager Moria ist offenbar ein neues Feuer ausgebrochen. Ein afp-Fotograf sah demnach Flammen in einem Teil des Lagers, das vorher wenig von der Brandkatastrophe betroffen war. Mindestens 3500 Flüchtlinge sollen obdachlos geworden sein.

Im Flüchtlingslager Moria kam es zu einem erneuten Brand.

Es kam erneut zum Chaos. Die Opfer rannten aus dem Lager, während ihre Zelte verbrannten. In Deutschland demonstrierten unterdessen tausende Menschen für die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Lager. Die Organisation Seebrücke“ rief in mehreren deutschen Städten zu den Protesten auf, unter anderem in Berlin.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sprach von einer „humanitären Katastrophe“ und forderte eine Verteilung der Betroffenen auf Mitgliedsstaaten der EU. Innenminister Horst Seehofer wies Vorstöße verschiedener Bundesländer zurück, die sich zur Aufnahme bereit erklärt hätten. Er pocht auf die europaweite Verteilung. Kritik an dieser „Blockade“-Haltung gab es aus der SPD.

Brand in Flüchtlingslager auf Lesbos: Bilder von brennendem Flüchtlingslager erinnern an Kriegsgebiet

Update vom 9. September, 18.45 Uhr: Die Eindrücke aus dem völlig verwüsteten Flüchtlingslager Moria erinnern an Bilder aus einem Kriegsgebiet. Die Seenotrettung „Mission Lifeline“, die ein entsprechendes Video auf Twitter verbreitet, schreibt von „heißer, beißender Luft“. Zu sehen seien noch „ein paar verkohlte Überreste von Habseligkeiten der hier eingeschlossenen Menschen“. Weiter heißt es in dem Post: „Man kann die Panik von gestern Nacht fühlen. Eine Hölle, für die 27 EU-Staaten, die Verantwortung tragen.“ Auch verweist der 2016 in Dresden gegründete Verein darauf, dass bereits neue Feuer im Lager ausgebrochen seien.

Moria: Nach Feuerausbruch nimmt SPD-Fraktionschef nun Merkel in die Pflicht

Update vom 9. September, 14.30 Uhr: Praktische Hilfe will die Bundesregierung für das abgebrannte Flüchtlingslager Moria bereits leisten - doch die SPD fordert von Kanzlerin Angela Merkel nun auch eine schnelle Entscheidung mit Blick auf die mögliche Aufnahme von Geflüchteten. „Wir dringen auch gegenüber der Bundeskanzlerin auf eine schnelle Lösung“, sagte SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich am Mittwoch.

„Es gibt in Deutschland zahlreiche Länder und Kommunen, die sofort zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria bereit sind“, betonte er. Schon bisher sei der Widerstand von Innenminister Horst Seehofer (SPD) dagegen nicht nachvollziehbar gewesen. „Jedes weitere Abwarten droht Menschenleben zu kosten.“

Merkels Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte bei einer Veranstaltung vor Abgeordneten, dringend müsse gefragt werden, was in Europa getan werden könne, um den Menschen zu helfen, vor allem Kindern und Jugendlichen - „auch durch die Aufnahme in Deutschland“. Mit Blick auf die Lage der Flüchtlinge sagte er, „dass wir uns in Europa schämen müssen, das wir das nicht hingekriegt haben miteinander“.

Update vom 9. September, 14.19 Uhr: Die Bundesregierung bietet Griechenland Hilfe nach dem zerstörerischen Feuer im Flüchtlingslager Moria an. Dies kündigte das Innenministerium nach einem Telefonat von Ressortchef Horst Seehofer (CSU) mit dem griechischen Migrationsminister Notis Mitarakis an. Mitarakis habe in dem Gespräch geschildert, „dass weite Teile der Einrichtung zerstört wurden, sodass man davon ausgehen muss, dass sie in bisheriger Form nicht mehr nutzbar ist“, sagte Seehofers Sprecher.

Das Bundesinnenministerium wolle zunächst mit den griechischen Behörden klären, welche Hilfe nötig ist, und diese dann „zügig und unkompliziert bereitstellen“, sagte der Sprecher. Der Brand mache „auch deutlich, dass auf europäischer Ebene dringend notwendig ist, in der Flüchtlingsfrage eine europäische Lösung zu erreichen“, sagte er. Nun sei es geboten, „wieder intensiv“ in Gespräche einzusteigen.

Moria/Lesbos: Lager nach Feuer teils zerstört - NRW will 1000 Migranten aufnehmen

Update vom 9. September 2020, 13.55 Uhr: Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will in Nordrhein-Westfalen bis zu 1000 Flüchtlinge aus dem fast vollständig abgebrannten griechischen Flüchtlingscamp Moria aufnehmen. Das kündigte er gegenüber der dpa an.

„Die Bilder aus Moria sind bestürzend. Die Menschen auf der Flucht haben nach dem Feuer alles verloren, selbst das einfache Dach über dem Kopf“, erklärte Laschet. „Hier ist schnelle humanitäre Hilfe erforderlich.“

Er habe dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis bereits direkte Hilfe angeboten. „Wir brauchen jetzt beides: Eine schnelle Soforthilfe für Moria und eine nachhaltige, europäische Hilfe bei der Aufnahme von Kindern und Familien.“

Der Bundesregierung habe er ebenfalls Unterstützung bei der Ausstattung angeboten - „mit Zelten, Medikamenten und allem, was es jetzt besonders dringend braucht“, berichtete der NRW-Ministerpräsident. „Jetzt kommt es darauf an, dass Griechenland genau sagt, was es braucht. Der Hilferuf aus Moria wird in Nordrhein-Westfalen gehört.“

Moria auf Lesbos: 35 Corona-Infizierte auf der Flucht verschwunden - Panik in der Bevölkerung

Update vom 9. September 2020, 13.32 Uhr: Unter den knapp 13.000 Migranten aus dem Flüchtlingslager sind 35 bestätigte Corona-Infizierte. Ihretwegen wurde das Lager auch unter Quarantäne gestellte, was am Dienstag für Unruhen sorgte. In Folge der Unruhen, noch ist nicht geklärt, ob im direkten Zusammenhang mit ihnen, brachen die Brände in der Nacht aus.

Nachdem fast das komplette Flüchtlingslager Moria zerstört wurde, werden die Migranten derzeit auf einer zentralen Landstraße von der Polizei überwacht. Viele von ihnen waren auf dem Weg zur Insel-Hauptstadt Mytilene, die nur knapp sechs Kilometer entfernt liegt. Das führt zur Panik unter der Bevölkerung.

Die Stimmung wird auch durch Meldungen der Medien angeheizt. „13.000 Flüchtlinge auf den Straßen – 35 Corona-Positive“, meldet beispielsweise ein griechischer TV-Sender am Morgen. Auch Lokalpolitiker, wie der Bürgermeister Stratos Kytelis der Stadt Mytilene, äußern öffentlich die Befürchtung, dass die Geflüchteten das Coronavirus unkontrolliert auf der Insel verbreiten würden.

Die 35 Infizierten und ihre Kontaktpersonen, die ebenfalls im Lager unter Quarantäne hätten sein sollen, konnten in der Masse der Migranten noch nicht gefunden und isoliert werden.

Moria: FDP-Chef Christian Linder fordert nach Feuer-Drama höhere Priorisierung der Flüchtlingsfrage

Update vom 9. September 2020, 12.45 Uhr: Auch FDP-Chef Christian Linder fordert angesichts der Brände im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos eine Priorisierung der Flüchtlingsfrage während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. „Die Bilder aus Moria sind erschütternd. Seit fünf Jahren scheitert EU an einer europäische Lösung der Flüchtlingsfrage“, twitterte Lindner am Mittwoch. Das Thema müsse auf der Agenda „ganz nach oben.“

Deutschland hat zum 1. Juli turnusgemäß für sechs Monate den Vorsitz im Rat der Europäischen Union übernommen. Über eine gemeinsame Flüchtlingspolitik gibt es dort bisher keine Einigung.

Währenddessen hat Deutschland Griechenland Hilfe angeboten. „Wir befinden uns seit gestern in intensiven Gesprächen mit der griechischen Regierung“, schrieb der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Steve Alter, bei Twitter. Er erklärte: „Wir haben Griechenland in der Vergangenheit geholfen und wir werden selbstverständlich auch jetzt helfen“. Innenminister Horst Seehofer (CSU) habe dies bereits angeboten. Wie genau diese Hilfe aussehen könnte, teilte er nicht mit.

Brand in Flüchtlingslager Moria: Amnesty International fordert menschenwürdige Unterbringung der Migranten

Update vom 9. September 2020, 12.10 Uhr: Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat eine menschenwürdige Unterbringung der rund 13.000 Schutzsuchenden gefordert. „Die Menschen aus Moria harren nach den Bränden jetzt mit ihrem Hab und Gut auf der Straße aus. Sie müssen sofort in Sicherheit gebracht werden“, sagte die Amnesty-Expertin für Asylpolitik Franziska Vilmar am Mittwoch.

Amnesty International fordere von der griechischen Regierung und anderen EU-Mitgliedsstaaten jetzt sehr schnelle und pragmatische Lösungen. Dazu gehörten „die Evakuierung der geflüchteten Menschen auf das griechische Festland und die weitere Umverteilung in andere europäische Staaten“, betonte Vilmar. Nur durch eine angemessene Unterbringung, den Zugang zu medizinischer Versorgung sowie zu einem fairen Asylverfahren könnten Menschenrechte eingehalten

Migranten im brennenden Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos.

Update vom 9. September 2020, 11.12 Uhr: Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg, hat sich gegen eine nationale Hilfsaktion für die Migranten in Moria ausgesprochen. „Die neueste Entwicklung auf Lesbos macht deutlich, wie dringend eine europäische Antwort auf die Flüchtlingsentwicklung ist“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch gegenüber der dpa.

Griechenland müsse jetzt jede notwendige Unterstützung erhalten. Das EU-Türkei-Abkommen, das eine Rückkehr der Bootsflüchtlinge von den griechischen Inseln in die Türkei vorsieht, müsse umgesetzt und die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems vorangetrieben werden. Dafür sollte sich die Bundesregierung einsetzen. „Alleingänge Deutschlands wären aber nicht hilfreich, weil sie den Eindruck erwecken könnten, Deutschland werde die Flüchtlinge allein aufnehmen“, betonte Middelberg. Die Chance auf ein gemeinsames europäisches Handeln würde dadurch eher behindert.

Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) fordert eine europäische Lösung: „Was in Moria passiert, ist eine humanitäre Katastrophe. Mit der EU-Kommission und anderen hilfsbereiten EU-Mitgliedstaaten müssen wir schnellstens klären, wie wir Griechenland unterstützen können.“ Dazu gehöre auch die Verteilung von Geflüchteten unter Aufnahmewilligen in der EU.

Flüchtlingslager Moria auf Lesbos brennt - Norwegen nimmt 50 Migranten auf

Anders als Deutschland handelt Norwegen sofort. Die norwegische Regierung hat am Mittwoch beschlossen, 50 Personen aus dem Lager nach Norwegen zu holen, vorzugsweise Familien mit Kindern. Ministerpräsidentin Erna Solberg sagte, die Entscheidung sei gefallen, als man am Morgen die Bilder von dem Feuer gesehen habe.

Die Entscheidung, 50 Asylbewerber nach Norwegen zu holen fiel bereits im Mai - vorausgesetzt acht bis zehn andere Länder tun dasselbe. Wegen der aktuellen Situation wollte Norwegen aber nicht länger warten, sagte Solberg: „In der Situation und dem Chaos, das jetzt herrscht, müssen wir einfach in Gang kommen.“

Flüchtlingscamp Moria fast komplett zerstört - Regierung und Unions-Politiker halten sich mit Aussagen zurück

Update vom 9. September 2020, 10.30 Uhr: Das Flüchtlingscamp von Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist bei einem Großbrand fast vollständig zerstört worden*. Das sagten zwei Offiziere der Feuerwehr am Mittwoch im staatlichen Fernsehen (ERT). Das Staatsfernsehen, das mit einer Sondererlaubnis aus dem Lager berichten durfte, zeigte Bilder von verkohlten Containerwohnungen und verbrannten Zelten rund um das Camp. Der griechische Innenminister sowie die Verantwortlichen des Corona-Krisenstabes wollten sich ein Bild von der Lage vor Ort machen und am Abend bekannt geben, wie es weitergehen solle, teilte Regierungssprecher Stelios Petsas mit. In und um das Lager waren in der Nacht zum Mittwoch zahlreiche Brände ausgebrochen. Die Regierung spricht von Brandstiftung und hat die Sicherheitseinheiten auf der Insel verstärkt. 

Von der deutschen Regierung gibt es bislang kein Statement zu der Situation auf Lesbos. Während sich zahlreiche Politiker der Opposition und auch der SPD schon auf Twitter geäußert haben und Konsequenzen fordern, hört man in den sozialen Medien in den Morgenstunden bislang nichts von den Regierungs-Mitgliedern. Auch in den Reihen der Union ist noch still.

Flüchtlingslager Moria auf Lesbos: Feuer größtenteils unter Kontrolle - Migranten auf Autobahn überwacht

Update vom 9. September 2020, 9.27 Uhr: Die Feuerwehr habe die Brände in Moria trotz der starken Winde mittlerweile weitgehend unter Kontrolle, das berichtet ARD-Korrespondent Thomas Bormann. Über mögliche Verletzte oder Tote gibt es noch keine offiziellen Meldungen. Regierungschef Kyriakos Mitsotakis habe jedoch eine Krisensitzung einberufen.

Die 12.000 Migranten werden derzeit auf einer Autobahn von der Polizei überwacht, so Stratos Kytelis, Bürgermeister der Stadt Mytilini. „Es ist eine sehr schwierige Situation, weil einige von jenen, die da draußen sind, positiv auf das Coronavirus getestet worden sind“, so der Bürgermeister.

Griechenland: Flüchtlingslager Moria auf Lesbos in Flammen - Heftige Kritik an Horst Seehofer und EU

Update vom 9. September 2020, 8.44 Uhr: Die Brände in Moria sorgen für Diskussionen in der Politik. Katarina Barley (SPD) spricht von einem „Inferno mit Ansage“ und fragt, warum die Mitgliedsstaaten so lange die Augen vor diesen Zuständen verschlossen hätten. Auch ihr Parteikollege Kevin Kühnert fordert die EU zum Handeln auf: „Erst Menschen retten, dann Schuldige benennen. Die EU-Mitgliedsstaaten müssen Moria umgehend evakuieren. Auf dem gesamten Kontinent haben sich hunderte Kommunen und in Deutschland auch ganze Bundesländer zur Aufnahme bereiterklärt. Wer jetzt noch blockiert handelt mit Vorsatz.“

Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Konstantin Kuhle, sieht die Schuld ebenfalls bei der EU: „Die Lage in und um Moria ist seit vielen Monaten gefährlich und explosiv. Im Februar konnte ich mich bei meinem Besuch davon überzeugen, dass die EU ein Interesse an einer Entlastung für das Camp haben muss. Die aktuelle Eskalation war vorhersehbar.“

NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) fordert derweil eine rasche Reaktion von Bund und EU. „Es ist erbärmlich, dass die EU so lange zugeschaut hat, bis es in Moria zu dieser Eskalation gekommen ist“, sagte Stamp am Mittwoch. Jetzt sei unmittelbares Handeln notwendig, um es nicht zur Katastrophe kommen zu lassen.

Die Länder hätten bereits Hilfe angeboten, sagte Stamp. „Der Bund muss die Koordination übernehmen. Horst Seehofer und Heiko Maas sind bisher untätig geblieben. Das muss sich sofort ändern.“ Da Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft inne habe, trage es eine besondere Verantwortung. „Wenn die EU nicht in der Lage ist, wenige Tausend Migranten menschenwürdig unterzubringen, ist das eine Bankrotterklärung der europäischen Werteordnung.“

Griechenland: Flüchtlingslager Moria steht komplett in Flammen - Migranten bewerfen Feuerwehrleute mit Steinen

Update vom 9. September 2020, 8.08 Uhr: Ob die Brände in Moria von Migranten oder Inselbewohnern gelegt wurden, ist nach wie vor unklar - die Angaben dazu gingen zunächst auseinander.

Der Einsatzleiter berichtete im Fernsehen, dass Lagerbewohner die Feuerwehrleute nach Ausbruch des Feuers mit Steinen beworfen hätten und versucht hätten, sie an den Löscharbeiten zu hindern. Sondereinheiten der Bereitschaftspolizei waren im Einsatz. Videos in sozialen Medien zeigten herumirrende, verängstigte Menschen und auch solche, die „Bye bye, Moria!“ sangen.

Viele der mehr als 12.000 Migranten und Flüchtlinge flohen in die umliegenden Wälder und auf Hügel, andere machten sich auf den Weg zur Inselhauptstadt Mytilini, wie griechische Medien berichteten. Teilweise haben sich ihnen wohl Inselbewohner entgegengestellt und den Weg versperrt.

Spannungen habe es in Moria immer gegeben, wegen der Corona-Problematik sei die Situation nun regelrecht explodiert, sagte Mytilinis Bürgermeister Stratos Kytelis dem griechischen Staatssender ERT. Man wisse nicht, wo die Menschen nun untergebracht werden sollten, Tausende seien obdachlos. Auch für die Einheimischen sei die Situation eine enorme Belastung.

Griechenland: Flüchtlingslager Moria auf Lesbos steht komplett in Flammen - War es Brandstiftung?

Erstmeldung vom 9. September 2020:

Athen - In der Nacht zum Mittwoch sind im griechischen Flüchtlingslager Moria auf Lesbos mehrere Brände ausgebrochen. Medienberichten zufolge stehen auch Wohncontainer in Flammen. Deshalb mussten die Behörden das Lager evakuieren. Der staatliche griechische Radiosender ERT berichtete in den frühen Morgenstunden, dass mittlerweile nahezu alle Menschen das fast vollständig in Flammen stehende Lager verlassen hätten.

Starke Winde, die teilweise bis zu 60 Stundenkilometer erreichten, fachten die Flammen an. Hilfsorganisationen und freiwillige Helfer vor Ort berichteten in Sozialen Medien von Menschen, denen Rauch und Flammen die Fluchtwege abgeschnitten hätten.

Griechenland: Flüchtlingslager Moria steht komplett in Flammen - Unterschiedliche Angaben über Ursachen

Über die Ursachen des Feuers gab es unterschiedliche Angaben: Manche Lagerbewohner sprachen von Brandstiftung von Inselbewohnern, anderen Berichten zufolge hatten Migranten selbst Feuer gelegt und behinderten danach die Feuerwehr bei den Löscharbeiten. Seit Dienstagabend gibt es auf der Insel einen Waldbrand rund 25 Kilometer nordwestlich von Moria, mit dem die Feuerwehr parallel zu kämpfen hat.

Das Flüchtlingslager Moria ist seit Jahren heillos überfüllt, derzeit leben dort nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums rund 12.600 Flüchtlinge und Migranten - bei einer Kapazität von gerade mal 2800 Plätzen. Seit vergangener Woche treten zudem immer mehr Fälle von Corona-Infektionen auf, weshalb das Lager unter Quarantäne gestellt worden ist. Das führte auch zu Unruhen unter den Migranten. Am Dienstag wurde bekannt gegeben, dass es 35 Infizierte gebe. Die halbstaatliche Nachrichtenagentur ANA-MPA berichtete, dass manche Flüchtlinge das Lager jedoch verlassen wollten, um sich nicht anzustecken. Einige Infizierte hatten sich hingegen geweigert das Lager zu verlassen und in Isolation gebracht zu werden.

Die katastrophalen Zustände im Flüchtlingslager sorgten auch in der deutschen Politik schon für viele Debatten. Einzelne Bundesländer und Städte wollten freiwillig Flüchtlinge aufnehmen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte dies jedoch verboten. Erst kürzlich wollte sich auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet will sich einen Eindruck vom Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos machen. Doch der Besuch endet abrupt. Friedrich Merz ist mit der Suche nach einer europäischen Lösung der Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria* nicht einverstanden. Es mache keinen Sinn, so der CDU-Politiker. (dpa)*Merkur.de ist Teil des Bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Rubriklistenbild: © Panagiotis Balaskas/AP/dpa

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