Termin in „Moria“

„Prime Minister of Germany“: Laschet löst Tumult in Flüchtlingscamp aus - und zeigt Verständnis

Armin Laschet (grünes Hemd) geht während seines Besuchs des Flüchtlingslagers auf Lesbos mit Begleitpersonen durch das Camp
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Armin Laschet (grünes Hemd) während seines Besuchs des Flüchtlingslagers auf Lesbos.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet will sich einen Eindruck vom Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos machen. Doch der Besuch endet abrupt.

  • Mit einem Besuch auf der Insel Lesbos wollte sich CDU-Politiker Armin Laschet vom Zustand des griechischen Flüchtlingslagers einen Eindruck verschaffen.
  • Doch es kam zu unübersichtlichen Szenen und Aufruhr unter den Flüchtlingen.
  • Der Ministerpräsident von NRW musste seine Stippvisite vorzeitig beenden.

Update vom 9. September 2020: Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos steht komplett in Flammen. Die Feuerwehr kämpft schon die ganze Nacht gegen das Feuer. Die Ursachen sind noch unklar*. Nach der Feuernacht im griechischen Flüchtlingslager Moria bei Lesbos ist die Debatte um die fehlende europäische Linie neu entbrannt. Horst Seehofer will während der EU-Ratspräsidentschaft die Probleme der Flüchtlings-Politik angehen. Die EU-Kommission derweil plant einen neuen Kurs in der Flüchtlings-Thematik.

„Prime Minister of Germany“: Laschet löst Tumult in Flüchtlingscamp aus - und zeigt Verständnis

Erstmeldung vom 4. August 2020:

Lesbos/Griechenland - Für Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet* hat ein Besuch im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ein vorzeitiges Ende genommen. Der CDU*-Politiker musste seine Stippvisite aus Sicherheitsgründen zwischenzeitlich unterbrechen.

Ein Sprecher der Staatskanzlei in Düsseldorf sagte der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag, dass Laschet, der sich kürzlich ein Verbalduell mit seinem bayerischen Amtskollegen Markus Söder von der CDU-Schwesterpartei CSU* lieferte, seine Visite dafür später in einem irregulären Teil des Camps in „kleinerem Kreis“ fortsetzen konnte. Zuvor hatte die Bild berichtet, der Abbruch des Laschet-Besuchs sei vom örtlichen Polizeipräsident angeordnet worden.

Polizisten sichern im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos die Lage.

Besuch von Armin Laschet (CDU): Flüchtlinge auf Lesbos halten ihn für „Prime Minister of Germany“

Demnach hatte es unter knapp einhundert Flüchtlingen Tumulte gegeben. Zunächst hätten die Lagerbewohner „Free Moria“-Rufe angestimmt, anschließend begannen sie heftig am Maschendrahtzaun des Lagers zu rütteln.

Unter den Bewohnern des berüchtigten Flüchtlingslagers sei laut ersten Erkenntnissen der Irrglaube entstanden, bei dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten handele es sich um den „Prime Minister of Germany“, schilderte Laschets Sprecher. Der CDU-Politiker selbst zeigte Verständnis für die Flüchtlinge.

Laschet in Moria: FDP-Minister Stamp fordert Seehofer zum Handeln auf

„Es ist klar, dass die Menschen sehen, da sind Politiker aus Europa, und sie wollen ihren Aufschrei uns gegenüber formulieren“, ordnete Laschet die Situation ein. Er war von Kollegen anderer Parteien begleitet worden. Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) erklärte der Welt, der Besuch in Moria habe „eindrucksvoll gezeigt, wie dringend der Handlungsbedarf ist.“

Vor allem die Situation im irregulären Teil, dem „Jungle“ sei „überwiegend erbärmlich“, es sei für die Europäische Union „nicht hinnehmbar, dass hier ohne NGOs die Versorgung zusammenbrechen würde“. Von Bundesinnenminister Horst Seehofer* (CSU) verlangte Stamp, die deutsche EU-Ratspräsidentschaft zu nutzen, „um zu nachhaltigen Lösungen zu kommen“. Nordrhein-Westfalen sei bereit, „in einem weiteren Programm zusätzliche vulnerable Personen aufzunehmen“, so der Landesintegrationsminister weiter.

Laschet im Flüchtlingscamp: "Aufschrei der Verzweifelten" - Lob für Besuch

Laschet äußerte sich ähnlich. Von einem „Aufschrei der Verzweifelten“ spricht er später. „Aber ich glaube, das Signal ist angekommen. Europa muss sich dieser Aufgabe annehmen.“ „Was passiert mit uns? Was werden Sie für uns tun?“, fragte ein alter
Mann Laschet später im ruhigeren Camp Kara Tepe. Die Asylverfahren dauerten lange, aber sie kämen, sagt ihm Laschet. Immer mehr Migranten versammelten sich auch in Kara Tepe in der Hoffnung, dass der fremde Politiker aus Deutschland ihre Rufe hört. Bei diesem Besuch wurde Laschet laut AFP mit Applaus verabschiedet.

Lob gab es am Dienstag auch von Gerald Knaus, dem gerne zitierten Vater des Flüchtlingsabkommens zwischen EU und der Türkei. Er nannte es auf Twitter ein „wichtiges Signal“, dass Laschet und Stamp die "unerträgliche Situation" im Lager auch selbst ansahen. Es handle sich auch um eine Krise der EU und Deutschlands, nicht nur um eine Griechenlands.

Video: Flüchtlinge in Lager auf Lesbos in Angst wegen Corona-Ansteckungsgefahr

Bereits 2015 war Moria als Aufnahmezentrum für geflüchtete Menschen in einer früheren Militäranlage errichtet worden. Es ist mit derzeit mehr als 14.000 Flüchtlingen das größte Flüchtlingslager Europas und aktuell restlos überfüllt.

Deshalb haben Migranten um das eigentliche Camp herum Zelte und provisorische Behausungen errichtet. Durch die extrem beengte Situation wächst unter den Flüchtlingen die Sorge vor einer Ansteckung* mit dem Coronavirus*.

Armin Laschet hat unterdessen wenige Tagen nach seinem Besuch in Moria mit einem skurrilen Wahlkampf-Foto aus dem heimischen Castrop-Rauxel zu kämpfen. (kh/AFP) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Erstmals ist im überfüllten Migrantenlager von Moria auf der griechischen Insel Lesbos ein Mensch positiv auf das Coronavirus getestet worden.

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