Präsident verbreitet falsche Corona-Info

„Trump kapituliert!“ Stabschef liefert Biden im TV Corona-Steilvorlage - US-Präsident wittert Verschwörung

US-Präsident Donald Trump spricht bei einer Wahlkampfkundgebung auf dem Regionalflughafen Manchester-Boston.
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US-Präsident Donald Trump spricht bei einer Wahlkampfkundgebung auf dem Regionalflughafen Manchester-Boston.

Der US-Wahlkampf kennt nun nur noch ein Thema: Corona. Donald Trump verharmlost die Pandemie erneut und greift die Medien an.

Update vom 26. Oktober, 18.46 Uhr: Donald Trump hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe den Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgegeben. „Das tue ich nicht“, sagte Trump am Montag, als er von Journalisten auf eine entsprechende Anschuldigung seines Wahl-Herausforderers Joe Biden angesprochen wurde. Der Amtsinhaber wiederholte vielmehr seine optimistische Einschätzung, die USA könnten die Pandemie bald hinter sich lassen.

Präsident verbreitet falsche Corona-Info und wittert Verschwörung

Update vom 26. Oktober, 15.09 Uhr: Erneut hat Donald Trump die Gefahr des Coronavirus heruntergespielt. Der US-Präsident wiederholte den Medien gegenüber den Vorwurf, die Pandemie aus politischen Gründen aufzubauschen. Die Anzahl der Neuinfektionen steige nur, weil in den USA so viel getestet werde, erklärte Trump am Montag in einem Tweet. Er sprach von einer „Verschwörung der Fake News Medien“.

Die „korrupten“ und falsch informierenden Medien würden die Pandemie gezielt bis zur Wahl am 3. November ausschlachten, um ihm zu schaden. „Am 4. November wird sich das Thema völlig verändern.“

Ein plötzliches Verschwinden von Corona als Top-Thema in den US-Medien nach der Wahl scheint angesichts der immer weiter steigenden Infektionszahlen extrem unwahrscheinlich. In den USA, einem Land mit 330 Millionen Einwohnern, gibt es Daten der Universität Johns Hopkins zufolge bislang 8,6 Millionen bestätigte Infektionen und 225.000 Todesfälle - mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Außerdem wiederholte Trump in seinen Tweets erneuerte die Aussage, wonach „junge Menschen“ nach einer Covid-19-Erkrankung „sehr schnell wieder gesund werden“. Renommierte Gesundheitsexperten haben dieses von Trump immer wieder angeführte Argument als irreführend und gefährlich bezeichnet. Schwere Krankheitsverläufe bei Jüngeren sind selten, aber nicht unmöglich. Zudem können sie ältere Personen oder Menschen mit Vorerkrankungen anstecken, für die Corona deutlich gefährlicher ist.

„Trump kapituliert!“ Stabschef liefert Biden Corona-Steilvorlage - live im TV

Erstmeldung vom 26. Oktober 2020:

Washington D.C. - Noch gut eine Woche bis zur Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten - und es sieht so aus, als würde das Coronavirus alle anderen Themen bei der „wichtigsten Wahl der US-Geschichte“* überschatten. Daran arbeitet der genesene Donald Trump. Und am Wochenende auch dessen Stabschef Mark Meadows.

Meadows lieferte allerdings Herausforderer Joe Biden* eine Steilvorlage. Nämlich Stoff für die These, Trumps Regierung habe den Kampf gegen Corona aufgegeben. Zugleich grassiert im Umfeld von Vizepräsident Mike Pence das Virus. Und nicht nur dort. Am Samstag gab es einen neuen Rekordwert an Corona-Infektionen.

Corona in den USA: Trumps Stabschef sorgt bei TV-Interview für Irritation - „Wir werden das Virus nicht regulieren“

„Wir werden die Pandemie nicht kontrollieren“, sagte Meadows am Sonntag in einem Live-Interview des Nachrichtensenders CNN. Das sei so, weil man es mit einem hochansteckenden Virus wie der Grippe zu tun habe, argumentierte er. Dabei blieb in dem abschnittsweise hitzigen Austausch mit CNN-Moderator Jake Tapper offen, ob Meadows damit sagen wollte, dass die Corona-Ausbreitung schwer unter Kontrolle zu bekommen sei - oder ob das Weiße Haus das gar nicht erst versuchen wolle. „Was wir unter Kontrolle haben werden, ist die Tatsache, dass wir Impfstoffe, Medikamente und andere Maßnahmen zur Linderung bekommen“, sagte Trumps Stabschef.

Die Impfstoffe befinden sich allerdings noch in der Testphase. Die Experten der US-Regierung gehen davon aus, dass erst im Frühjahr ausreichend Impfdosen für alle Amerikaner zur Verfügung stehen werden. Trump behauptete wiederholt, er glaube, das könne auch schneller gehen.

Biden bezeichnete Meadows‘ Äußerungen als Eingeständnis, dass Trumps Regierung „selbst den Versuch aufgegeben hat, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen“. Der Präsident kapituliere vor der Pandemie und hoffe, „dass das Virus einfach verschwindet, wenn er es ignoriert“, erklärte er am Sonntag.

Mike Pence: Vizepräsident hat fünf Corona-Fälle im Umfeld - und bleibt trotzdem im Wahlkampf

Corona-Probleme gibt es auch im Umfeld von Trumps Stellvertreter Mike Pence*. Laut Medienberichten wurden fünf Mitarbeiter des Vizepräsidenten positiv getestet. Offiziell bestätigt wurde nur die Infektion seines Stabschefs Marc Short. Zur Zahl der weiteren Fälle wollte das Weiße Haus unter Verweis auf den Datenschutz keine Angaben machen. 

Nach den Richtlinien der US-Gesundheitsbehörde CDC müsste Pence sich eigentlich für zwei Wochen in Quarantäne begeben, obwohl sein eigener Test negativ ausgefallen war. Er will aber stattdessen in den kommenden Tagen wie geplant Wahlkampfauftritte machen. Das Weiße Haus verweist darauf, dass Pence als Vizepräsident zu den „essenziellen Beschäftigten“ gehöre, die für es Ausnahmen von den Regeln gebe - dass Wahlkampf-Termine zu solchen Regierungsaufgaben gehören, darf aber bezweifelt werden. Am Montag will Pence in den Bundesstaat Minnesota fliegen.

Vor US-Wahl 2020: Trump behauptet, „wir kriegen die Kurve auch ohne Impfstoff“ - Corona-Zahlen erreichen traurigen Rekord

Der Präsident ging am Sonntag vor seinen Anhängern im Bundesstaat New Hampshire auf seine eigene Weise mit der Lage um: „Wir kriegen die Kurve, wir haben die Impfstoffe, wir haben alles. Wir kriegen die Kurve. Selbst ohne die Impfstoffe kriegen wir die Kurve. Es wird vorbeigehen.“

Zugleich verwies er darauf, dass er selbst sich von seiner Covid-19-Erkrankung erholt habe: „Und wisst Ihr, wer es bekommen hat? Ich!“ Trump war von einem großen Ärzteteam unter anderem mit einem immer noch experimentellen Antikörper-Medikament behandelt worden. Die Zahl der Corona-Toten in den USA überschritt unterdessen am Sonntag die Marke von 225.000. Pro Tag wurden zuletzt rund 83.700 Menschen positiv getestet. Am Samstag gab es mit 89.000 neuen Ansteckungsfällen binnen 24 Stunden einen neuen Rekord.

Trump reist am Montag unterdessen für drei Auftritte in den Bundesstaat Pennsylvania, in dem Biden laut Umfragen führt. Pennsylvania könnte die Wahl entscheiden. Für den Sieg sind 270 Stimmen von Wahlleuten nötig. Diese stimmen gemäß dem Ergebnis in den einzelnen Bundesstaaten ab. Pennsylvania gehört mit 20 Wahlleuten zu den besonders wichtigen Staaten.  (dpa/fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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