Streit um Bericht

Frisur wichtiger als „Trottel“? Trump soll US-Soldaten böse verunglimpft haben - Präsident legt erzürnt nach

US-Präsident Donald Trump auf einer Wahlkampfkundgebung auf dem Regionalflughafen Arnold Palmer in Latrobe.
+
US-Präsident Donald Trump

Donald Trump hat als Präsident einst einen US-Militärfriedhof nicht betreten. Der Grund ist laut einem Medienbericht haarsträubend - und sein Benehmen damals noch mehr.

  • Donald Trump soll sich abfällig über im Zweiten Weltkrieg gefallene Soldaten geäußert haben.
  • Überdies zeigte der amtierende US-Präsident einem Bericht zufolge erschreckende Wissenslücken in Geschichte.
  • Sein US-Wahl-Herausforderer Joe Biden springt sofort auf den Bericht an.

Update vom 7. September, 19.25 Uhr: Berichte über seine angebliche Verunglimpfung gefallener US-Soldaten treffen Donald Trump offenbar empfindlich: Bisweilen wischt der Präsident Vorwürfe mit einer Handbewegung bei Seite. In diesem Fall bemüht sich Trump auch mehrere Tage nach Veröffentlichung der brisanten Story im Magazin Atlantic, die Vorwürfe zu entkräften. Am Montag hat der US-Präsident erneut einen Artikel des scharf rechten Portals Breitbart News zu diesem Zweck genutzt.

Die Webseite zitierte den früheren stellvertretenden Stabschef des Weißen Hauses Zach Fuentes mit den Worten, er habe den Präsidenten nicht von „Verlierern“ sprechen hören, als er Trump vor dem geplanten Termin auf einem französischen US-Militärfriedhof über die Wetterlage informierte.

Er wisse auch nicht, auf welche Quellen sich das Magazin beziehe, erklärte Fuentes weiter. Er selbst habe nicht mit The Atlantic gesprochen. Trump twitterte den Link zum Artikel - und wetterte mit Blick auf die vorangegangenen Berichte über „korrupte Fake-News". Fuentes dementierte gleichwohl lediglich, dass die Informationen von ihm stammen könnten. Eine definitive Absage an die Darstellung im Magazin erteilte er nicht.

Ein Politikwissenschaftler hat unterdessen in einem Interview mit der Ippen-Digital-Zentralredaktion Bilanz über vier Jahre Trump-Präsidentschaft gezogen. Er sieht Lehren für Deutschland - aber auch für den Journalismus.

Trump soll US-Soldaten böse verunglimpft haben - nun droht der nächste Eklat

Update vom 5. September, 9.52 Uhr: Nach Medienberichten über angebliche abfällige Bemerkungen von Donald Trump über gefallene US-Soldaten hat der Präsident der Vereinigten Staaten die Entlassung einer Korrespondentin seines Haussenders Fox News verlangt.

Auf Twitter forderte das Staatsoberhaupt der USA, dass die Journalistin Jennifer Griffin aufgrund ihrer Berichterstattung „gefeuert“ werden müsse. Laut Trump habe sie das Weiße Haus nie um eine Stellungnahme gebeten, als Beweis für seine Behauptung verlinkte er in seinem Tweet einen Link zu einem Bericht des rechtspopulistischen Portals Breitbart. Nun sei Fox News für ihn „verloren“, so der US-Präsident weiter.

Nach Angaben von Griffin bekam sie eine Bestätigung für Trumps Äußerungen durch zwei frühere Regierungsmitarbeiter. Diese hätten ihr gesagt, dass Trump einen Besuch eines Militärfriedhofs während einer Frankreich-Reise, „um amerikanische Kriegstote zu ehren“, abgelehnt habe. Grund für diese Entscheidung sei nicht das Wetter gewesen, wie eine offizielle Erklärung damals verlauten ließ.

Trump soll gefallene Soldaten fürchterlich beleidigt haben - nun äußert sich Ehefrau Melania

Update vom 5. September, 9.52 Uhr: Auch für US-Präsidenten gibt es nach wie vor absolute No-Gos - etwa, die Soldaten und Veteranen der Vereinigten Staaten zu beleidigen. Genau das soll Donald Trump aber einem Bericht zufolge getan haben (siehe Erstmeldung). Nun hat Gattin Melania etwas Seltenes unternommen: Sie hat öffentlich Partei ergriffen.

Die Anschuldigungen seien „nicht wahr“, erklärte die First Lady am Freitag auf Twitter. „Es sind sehr gefährliche Zeiten, wenn anonymen Quellen mehr geglaubt wird als allem anderen und niemand deren Motivation kennt. Das ist kein Journalismus - das ist Aktivismus.“

Das Magazin The Atlantic hatte sich in seinem Bericht auf "vier Zeugen" berufen. Mit Quellen-Angaben nimmt Trump selbst es allerdings nicht so genau: In einem TV-Interview hatte er zuletzt Thesen aufgestellt, die selbst die Moderatorin seines Haussenders Fox als Verschwörungstheorien einordnete.

Trump soll gefallene Soldaten fürchterlich beleidigt haben - „Ekelhafte Lügen“

Erstmeldung vom 4. September: Washington/Aisle-Marne - US-Präsident Donald Trump* hat im Zweiten Weltkrieg gefallene US-Soldaten einem Medienbericht zufolge als „Verlierer“ bezeichnet. Während einer Frankreich-Reise 2018 habe Trump einen geplanten Besuch des US-Militärfriedhofs Aisne-Marne bei Paris spontan abgelehnt, heißt es einem Artikel des Magazins The Atlantic. Zu seinen Mitarbeitern habe der US-Präsident gesagt: „Warum sollte ich diesen Friedhof besuchen? Er ist gefüllt mit Verlierern.“

In dem von Atlantic-Chefredakteur Jeffrey Goldberg verfassten Artikel heißt es, Trump habe den geplanten Besuch in erster Linie deshalb abgelehnt, weil er befürchtete, dass seine Frisur im Regen „zerzaust“ werden könnte. Offiziell hatte die US-Delegation damals erklärt, dass Trump den Friedhof nicht besuchen könne, weil sein Helikopter wetterbedingt nicht startbereit sei.

Frisur für Trump wichtiger als ein US-Militärfriedhof? - „Ekelhafte Lügen“

In einem weiteren Gespräch auf derselben Reise habe Trump die mehr als 1800 auf dem Friedhof Aisne-Marne bestatteten US-Soldaten als „Trottel“ bezeichnet, heißt es in dem Bericht weiter. Demnach gibt es für die Äußerungen vier Zeugen.

Trump dementierte den Bericht am späten Donnerstagabend, nachdem das Weiße Haus die Anschuldigungen bereits als „ekelhafte, groteske und verwerfliche Lügen“ verurteilt hatte. Am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania sagte Trump vor Journalisten: „Jemand erfindet diese furchtbare Geschichte, dass ich nicht (auf den Friedhof) gehen wollte.“ Menschen, die diese Behauptungen in die Welt setzten, seien „Abschaum und Lügner“, sagte Trump weiter. Er sei bereit zu „schwören, dass ich so etwas nie über unsere gefallenen Helden gesagt habe“.

Kritiker verwiesen indessen auf die Verunglimpfungen Trumps des inzwischen verstorbenen republikanischen Senators John McCain. Während des Wahlkampfs 2016 hatte Trump über einen seiner größten parteiinternen Kritiker, der während des Vietnamkriegs in Gefangenschaft geraten war, gesagt, McCain sei „kein Held“ und: „Ich mag Menschen, die nicht geschnappt worden sind“.

Trump mit Wissenslücken in Geschichte: „Wer waren die Guten in diesem Krieg?“

Dem Atlantic-Bericht zufolge soll Trump während der Frankreich-Reise 2018 auch historische Wissenslücken offenbart haben. Demnach fragte er seine Mitarbeiter: „Wer waren die Guten in diesem Krieg?“ Dass die USA Soldaten zur Unterstützung der alliierten Franzosen nach Europa schickten, habe der Präsident nicht verstanden.

Trumps demokratischer Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl am 3. November*, Joe Biden, erklärte, wenn die Anschuldigungen in dem Atlantic-Artikel wahr seien, seien sie ein „weiteres Zeichen dafür, wie uneinig Präsident Trump und ich uns über die Rolle des Präsidenten der Vereinigten Staaten sind“. Sollte er die Präsidentschaftswahl gewinnen, werde er „sicherstellen, dass unsere amerikanischen Helden wissen, dass ich hinter ihnen stehe und ihre Aufopferung ehren werde - immer“, fügte Biden hinzu. (AFP/frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Bekommt Trump 2021 den Friedensnobelpreis? Er wird von einem europäischen Politiker nominiert, der zugleich einen Seitenhieb auf Barack Obama austeilt. Zudem enthüllen Audio-Mitschnitte, dass der US-Präsident die Corona-Gefahr wissentlich heruntergespielt hat.

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare