Große ökologische Herausforderung

„Sägen am Ast, auf dem wir sitzen“: Die zweite große Bedrohung für die Menschheit 

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Brandrodung in Borneo: Von Menschen gemachte Probleme sorgen weltweit für die Dezimierung zahlreicher Tierarten (Symbolbild).

Der Klimawandel stellt die Menschheit vor große Herausforderungen. Nicht weniger dramatisch könnten die Auswirkungen einer weiteren Bedrohung sein: das Aussterben zahlreicher Tierarten.

Paris - Mit einem dramatischen Appell zum Artenschutz hat eine internationale Konferenz in der französischen Hauptstadt Paris begonnen. Die Zerstörung der Artenvielfalt bedrohe den Menschen "mindestens genauso" wie der Klimawandel, sagte der Präsident des Weltbiodiversitätsrats der UNO (IPBES), Robert Watson, zum Auftakt des Treffens. Diplomaten und Wissenschaftler der rund 130 Mitgliedstaaten beraten von Montag an noch bis zum Wochenende über Handlungsoptionen für die Politik. "Die Belege sind unbestreitbar: Die Zerstörung der Artenvielfalt und der Ökosysteme hat ein Niveau erreicht, das unser Wohlergehen mindestens genauso bedroht wie der durch den Menschen verursachte Klimawandel", betonte Watson.

Auch Grünen-Chef Robert Habeck sieht im weltweiten Artensterben neben dem Klimawandel derzeit weltweit die zweite große ökologische Herausforderung. Anlässlich der UN-Artenschutzkonferenz forderte Habeck vor allem ein Umsteuern in der Landwirtschaft. Dazu gehöre auch "eine grundlegende Reform der EU-Agrarförderung", sagte der Grünen-Vorsitzende der AFP .

Auf der Konferenz in Paris soll am Montag ein globaler Zustandsbericht zur Gefährdung der Artenvielfalt veröffentlicht werden. Nach Einschätzung von Experten sind bis zu eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Viele von ihnen könnten bereits in den kommenden Jahrzehnten verschwinden. Habeck warf der Bundesregierung vor, diesem Problem bisher keine Aufmerksamkeit zu schenken.

Artensterben: Habeck und WWF fordern globales Umsteuern

Als eine Hauptursache für das Artensterben nannte der Grünen-Chef die intensive industrielle Landwirtschaft. "Die Landwirte werden ökonomisch gezwungen, immer intensiver zu arbeiten", kritisierte Habeck. "Dadurch verlieren viele Tiere Lebensraum." Notwendig seien daher neue Einkommensmodelle für Landwirte, "die jenseits des bisherigen Systemzwangs 'Wachse oder Weiche' funktionieren".

Das schütze Klima und Artenvielfalt "und hilft am Ende auch den Bauern", sagte Habeck. Ziel müsse sein, Landwirte ökonomisch besser zu stellen, "die extensiver und ökologischer wirtschaften und somit Rücksicht auf Tiere und Umwelt nehmen". EU-Fördermittel müssten "an Gewässerschutz, Klimaschutz, Tierschutz und Artenschutz gekoppelt" werden, um Anreize für ökologisches und tierfreundliches Wirtschaften zu bieten.

Ein globales Umsteuern forderte mit Blick auf den angekündigten Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) auch die Umweltorganisation WWF. "Wir holzen zu viel Wald ab. Wir zerschneiden den Lebensraum von Pflanzen und Tieren mit Straßen, Schienen und Siedlungen. Wir planen Natur bei unserer Entwicklung nicht hinreichend mit ein", kritisierte der WWF-Experte für Biodiversität, Günter Mitlacher. "Damit sägen wir am Ast, auf dem wir sitzen", warnte Mitlacher, denn der Mensch sei auf die natürlichen Ressourcen angewiesen - ob bei der Versorgung mit frischem Wasser oder mit Nahrungsmitteln. Als ein Beispiel nannte er die Bestäubung von Nutzpflanzen durch Insekten.

dpa

Video: Welche Tierarten besonders vom Aussterben bedroht sind

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