„Es spielt keine Rolle, ob man 'The Voice Of Germany' gewinnt oder nicht“

Yvonne Catterfeld im Interview

Von ihrem neuen Coach-Kollegen Nico Santos zeigt sich Yvonne Catterfeld im Vorfeld der neuen Staffel von "The Voice Of Germany" begeistert: "Er ist irgendwie niedlich, lustig und toll als Künstler, aber auch als Mensch."
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Von ihrem neuen Coach-Kollegen Nico Santos zeigt sich Yvonne Catterfeld im Vorfeld der neuen Staffel von „The Voice Of Germany“ begeistert: „Er ist irgendwie niedlich, lustig und toll als Künstler, aber auch als Mensch.“

Die roten Stühle von „The Voice Of Germany“ drehen sich wieder. Mit dabei: Yvonne Catterfeld, die nach einem Jahr Pause pünktlich zur Jubiläumsstaffel als Coach zurückkehrt. Ein Gespräch über fehlende Umarmungen, die Tücken der Musikindustrie und die privaten Seiten von Mark Forster.

ProSieben sucht im Herbst offenbar sein Heil in Musikshows: Nach dem Debüt der Stefan-Raab-Idee „FameMaker“ erwarten die Zuschauer im Oktober zwei Quotengaranten mit neuen Staffeln. Bei „The Masked Singer“ verstecken sich ab Dienstag, 20. Oktober bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr Prominente hinter aufwendigen Kostümen. Schon am Donnerstag, 8. Oktober, kehrt mit „The Voice Of Germany“ (Ausstrahlung im Wechsel mit SAT.1) eine Institution zurück ins Programm - samt Yvonne Catterfeld, die nach einem Jahr Pause wieder als Coach auf einem der ikonischen roten Drehstühlen Platz nimmt. Im Interview verrät die 40-jährige Sängerin, welche ihrer Konkurrenten sie am meisten schätzt und weshalb die Sieger der Castingshow bislang einen schweren Stand in der Musikindustrie hatten.

nordbuzz: Nach einem Jahr Pause sind Sie zurück als Coach bei „The Voice of Germany“. Was hat Sie zur Rückkehr bewogen?

Yvonne Catterfeld: Die Anfrage. Sie kam sehr überraschend. Ich habe einen Anruf bekommen und wurde gleich mit der besonderen Nachricht zum Doppelstuhl mit Steff (d. Red. Stefanie Kloß) konfrontiert.

nordbuzz: Wie war Ihre Reaktion?

Catterfeld: Ich habe sofort Ja gesagt. Die Vorstellung, das zu zweit zu machen, fand ich toll. Denn immer, wenn ich die Fantas oder BossHoss gesehen habe, dachte ich: „Die haben es gut. Die können sich absprechen und sitzen da nicht so alleine.“ Sonst kämpft man im Coach Fight natürlich für sich. Die Verantwortung ist einfach groß und kann bei Entscheidungen auch mal belastend sein.

nordbuzz: Was hat sich durch den Doppelstuhl an Ihrer Funktion als Coach geändert?

Catterfeld: Es ist schon anders. Jetzt muss man eben auch auf den Partner achten. Manchmal ist man sich unsicher, und da hilft es natürlich, wenn man sich abstimmen kann. Der eine hält den anderen zurück oder aber, der eine ermutigt den anderen zu drücken. Es gab nicht viele Stimmen, bei denen wir uns uneinig waren. Aber doch eine oder zwei, die ich gerne gebuzzert hätte. Gut ist, wenn sein Team schon recht voll ist, Steff als Vernünftige an der Seite zu haben (lacht).

„Nico Santos ist eine wahnsinnige Bereicherung für die Show“

nordbuzz: Wie haben Sie sich gemeinsam mit Stefanie Kloß vorbereitet?

Catterfeld: Wir haben erst einmal via Facetime stundenlang gesprochen, privat und über die Show, unsere Einstellung dazu, was uns wichtig ist. Wir ticken da sehr ähnlich. Wir kannten uns nur flüchtig von der Talente-Show „Lucky Star“, wo wir uns 2003 kennengelernt haben. Ich moderierte die Show, und sie trat mit Silbermond das erste Mal im Fernsehen auf. Wir haben uns das dann auch gemeinsam angeschaut.

nordbuzz: Wie war das?

Catterfeld: Es war saulustig, mir auch etwas unangenehm. Steff hat sich gar nicht so sehr verändert, während bei mir der Unterschied zu damals schon krass ist. Das sind wie zwei unterschiedliche Menschen. Steff ist sich immer treu geblieben, aber ich war in meinen ersten Jahren im Business von außen sehr beeinflussbar und dementsprechend wandelbar. Ich hatte mich damals noch nicht gefunden und bin eher ein paar Umwege gegangen. Steff erkennt man hingegen sofort wieder.

nordbuzz: Wie klappt die Zusammenarbeit zwischen Ihnen?

Catterfeld: Wir sind eine Bereicherung füreinander. Wenn man zu zweit ist, ist man einfach anders, und ich mag das total. Man verhält sich anders, und die Zuschauer können uns noch einmal anders kennenlernen. Wir ergänzen uns sehr gut und haben extrem gute Sänger in unser Team locken können.

nordbuzz: Welches Team sehen Sie als größte Konkurrenz?

Catterfeld: Das von Nico Santos. Das haben wir uns aber auch schon gedacht, wegen seiner Präsenz im Radio und weil er einfach ein genialer Sänger ist. Zu ihm gingen die meisten Talente, die wir auch für uns gewinnen wollten. Nico ist eine wahnsinnige Bereicherung für die Show. Ich kannte ihn vorher nicht, habe ihn nur einmal kurz auf einem Radiopreis getroffen. Nico ist der Knaller, ich bin absoluter Fan. Er ist irgendwie niedlich, lustig und toll als Künstler, aber auch als Mensch. Er kümmert sich sehr um seine Talente, und man merkt absolut seine musikalische Handschrift.

nordbuzz: Auch Mark Forster gehört nach wie vor zu den Coaches. In Ihrer ersten Phase bei der Show gab es viele Kabbeleien zwischen Ihnen. Wie hat er Sie nach Ihrer Rückkehr empfangen?

Catterfeld: Ach, das war ja alles Spiel, hinter der Kamera ist es ganz anders als davor. Mark ist einer der liebsten und interessiertesten Menschen überhaupt. Wenn man Mark trifft, ist er immer total herzlich. Privat ist er eher ruhig, aber vor der Kamera springt er in Rollen und verwandelt sich. Er ist einfach ein Entertainer, und ich bewundere ihn total. Ich finde, er ist ein absolutes Genie und ein ungewöhnlicher Künstler. Wir haben uns daher gefreut, uns wiederzusehen.

„In meiner frühen Jugend war es absolut utopisch, Sängerin zu werden“

nordbuzz: Auch Sie haben am Anfang Ihrer Karriere an einer Castingshow, „Stimme 2000“, teilgenommen. Hätte es „The Voice of Germany“ damals schon gegeben, hätten Sie teilnehmen wollen?

Catterfeld: Wahrscheinlich schon. „Stimme 2000“ hatte damals zwar eine ganz andere Präsenz, für mich war es aber trotzdem riesig. In meiner frühen Jugend war es absolut utopisch, ins Fernsehen zu kommen oder Sängerin zu werden. Das ist nicht wie heute, wo man sich auf den sozialen Medien präsentieren kann und alle Chancen der Welt hat. Es war damals ein reiner Zufall, dass ich ausgerechnet an der Hochschule war, an der damals das Vorsingen für „Stimme 2000“ stattfand, so richtig am Flügel im Präsentationssaal. Heute vergesse ich immer, dass ich ja auch mal bei so etwas mitgemacht habe, weil es schon so lange her ist.

nordbuzz: Heute sind Sie schließlich auf der anderen Seite und coachen aufstrebende Gesangstalente ...

Catterfeld: Freunde von mir haben mir immer gesagt, dass es etwas für mich wäre, als Coach bei „The Voice of Germany“ zu sitzen. Ich habe mir das aber nie zugetraut.

nordbuzz: Warum?

Catterfeld: Ich bin da ein bisschen anders als Steff, zurückhaltender. Steff ist dagegen eine Frontfrau und es gewohnt, auf der Bühne zu stehen. Durch ihre Band ist sie Teamplayer, und ich liebe es auch, zum Beispiel beim Film, Teil eines Teams zu sein. Ich ziehe mich jedoch öfter aus der Öffentlichkeit zurück und bin gerne im Studio. Steff geht mit einer Selbstverständlichkeit auf die Bühne, während ich mich erst einmal überwinden muss. Insofern haben wir uns gut ergänzt: Sie ist die volle Kraft voraus, während ich manchmal etwas zurückhaltender bin. Im Geschmack sind wir uns aber sehr ähnlich.

nordbuzz: Viele der bisherigen Sieger bei „The Voice of Germany“ haben in der Musikindustrie nicht wirklich Fuß gefasst. Woran liegt das?

Catterfeld: Ich glaube, das liegt einerseits an den Plattenfirmen, aber am Ende auch an jedem Künstler selbst. Ich gebe allen meinen Talenten mit, dass es keine Rolle spielt, ob man gewinnt oder nicht. Natürlich hat man dann den Titel und macht eine Single - das ist toll. Aber es kann genauso gut, wenn nicht vielleicht sogar besser sein, wenn man vorher rausfliegt.

nordbuzz: Warum?

Catterfeld: Wenn man sofort eine Plattenfirma hat, ist man erst einmal damit konfrontiert, was die wollen. Da muss man sich durchsetzen. Als Newcomer wird man sich aber wahrscheinlich eher anpassen. Aber es gibt einige Talente, die so eigen sind, und für die ist es besser, wenn sie ihr eigenes Ding machen und die Präsenz der Show nutzen.

„Es fehlt einfach diese Nähe, die man nur durch Körperlichkeit schaffen kann“

nordbuzz: Welche Tipps können Sie den Kandidaten geben?

Catterfeld: Sehr wichtig ist es für die Talente, an eigenen Songs zu arbeiten. Als Interpret wird man es über die Show hinaus nicht schaffen, sondern man muss sich als Künstler einbringen und eigene Lieder schreiben. Die meisten, die es geschafft haben, sind vorher rausgeflogen - ob Michael Schulte, Max Giesinger oder Mathea, die in meinem Team war.

nordbuzz: Haben Sie heute noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Talenten?

Catterfeld: Ja, zu allen, die das noch wollen. Es gibt natürlich einige, die sich davon lösen und sich nicht mehr melden. Aber es gibt auch viele, mit denen ich noch in Kontakt stehe. Ich habe alle bei Instagram abonniert und verfolge, was sie machen. Für mich ist das schon auch noch so ein Job danach. Das sehe ich als meine Aufgabe, und ich würde mich schlecht fühlen, wenn ich das nicht machen würde.

nordbuzz: In Ihren bisherigen drei Staffeln haben sich sehr viele Kandidaten angesammelt ...

Catterfeld: Nach drei Jahren „The Voice Of Germany“ sind das fast 60 talentierte Menschen, die ich kennengelernt habe und begleite, wenn sie es so wollen. Natürlich ist das anstrengend, und manche Jahre habe ich das auch exzessiv betrieben. Irgendwann muss man sich wieder distanzieren, wenn man merkt, dass es über eine gewisse Grenze hinausgeht. Das habe ich letztes Jahr gemacht und mich wieder mehr auf mich als Künstlerin konzentriert. Die Sendung ist für einen selbst als Künstler auch inspirierend. Das vergesse ich manchmal, weil ich in der Rolle als Coach so aufgehe.

nordbuzz: Die neue Staffel steht nicht nur wegen des Jubiläums unter einem besonderen Stern. Wie haben sich die Corona-Auflagen auf den Dreh ausgewirkt?

Catterfeld: Es ist kompliziert und eine Umstellung für uns. Bei den Blinds dürfen wir den Talents zum Beispiel nicht zu nahekommen - und das, obwohl die erste Verbindung die Umarmung ist. Jetzt fühlt es sich wie eine Schranke an, die zwischen einem steht. Da kann man auch nichts schön reden, das fehlt einfach. Es ist definitiv eine Herausforderung, aber man wird erfinderisch. Es fehlt einfach diese Nähe, die man nur durch Körperlichkeit schaffen kann.

teleschau

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