Ärger über Berichterstattung und Politik

„Was uns vom Neandertaler unterscheidet“: Wotan Wilke Möhring über die Gesellschaft in Corona-Zeiten

Schauspieler und "Tatort"-Kommissar Wotan Wilke Möhring hat sich seine eigenen Gedanken zur Gesellschaft in der Corona-Krise gemacht. Im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau kritisiert er die Medien, Politiker und Hamsterkäufer.
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Schauspieler und „Tatort“-Kommissar Wotan Wilke Möhring hat sich seine eigenen Gedanken zur Gesellschaft in der Corona-Krise gemacht. Im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau kritisiert er die Medien, Politiker und Hamsterkäufer.

Die strengen Kontaktbeschränkungen der ersten Corona-Monate waren eine völlig neue Situation für unsere Gesellschaft. Schauspieler Wotan Wilke Möhring sprach nun in einem Interview von einer zerbrechlichen „Erste-Welt-Zivilisation“ - und darüber, was er in der Pandemie über die Menschen gelernt hat.

In seiner neuen Katastrophenserie „Sløborn“, am Donnerstag, 23., und Freitag, 24. Juli, mit jeweils vier Folgen auf ZDFneo zu sehen, und ab 23. Juli zudem in der ZDF-Mediathek abrufbar, kämpft Schauspieler Wotan Wilke Möhring gegen einen grassierenden Virus - eine Story mit erstaunlichen Parallelen zur realen Corona-Krise. Im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau äußerte er sich nun zur realen Pandemie, die nach Ansicht des „Tatort“-Kommissars schonungslos die Schwächen unserer Gesellschaft aufzeigt: „Ich finde es erschreckend, wie brüchig unsere Erste-Welt-Zivilisation tatsächlich ist, und dass ein Virus uns diese Wahrheit vor Augen führt.“

Wotan Wilke Möhring empfand die Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen mit Blick auf das Zusammenleben allerdings als durchaus lehrreich: „Wir haben in dieser Zeit ja viel lernen dürfen und müssen: Unter anderem, was uns in Wahrheit vom Neandertaler unterscheidet und uns als Zivilisation auszeichnet oder eben auch nicht.“ Die Corona-Krise halte der Gesellschaft also in gewisser Weise den Spiegel vor - und was sie darin sieht, hat sowohl positive als auch negative Seiten.

Zu den negativen Seiten gehört laut Möhring die Suche nach einem Schuldigen. „Es ist immer leichter, die Augen zuzumachen, jemandem die Schuld zu geben. Es ist immer einfacher, von jemand anderem eine Veränderung zu verlangen, als von sich selber“, beschreibt Möhring seine Sicht auf die Menschen als - wie er es ausdrückt „zu sehr auch egoistische Wesen“. Nichtsdestotrotz habe die ungewohnte Situation auch gezeigt, dass die Menschen den sozialen Aspekt in ihrem Leben brauchen. „Wir müssen kommunizieren, wir brauchen Kontakt“, stellt er klar.

Kein Verständnis für Hamsterkäufer

Nach Ansicht des Westfalen handelt es sich bei der Angst, die im Zuge der ersten Pandemie-Monate um sich griff, um einen starken Motor. „Angst ist so eine starke Macht, mit der sich am besten arbeiten lässt“, so Möhring. Für diejenigen, die zu Beginn der Pandemie Lebensmittel horteten, hat er kein Verständnis. „Wenn ich nur an die Hamsterkäufe mit Nudeln und Klopapier denke - Ich verstehe nicht, wie es so weit kommen kann“, äußerte Möhring sein Unverständnis gegenüber Panik-Käufern.

Auch die Medien hätten nach Ansicht des Schauspielers zu diesem Verhalten beigetragen. „Wenn ich etwa die Überschrift sehe: 'X Neuinfektionen', und dann kommt aber im Text raus, dass es viel weniger sind als vorher“, ärgerte er sich teilweise über die Berichterstattung.

Allerdings habe die Krise durchaus auch positive Diskussionen angestoßen. „Kriegen Krankenschwestern jetzt mehr Geld oder nicht? Werden die Schulen digitalisiert?“, nennt Möhring Beispiele. Wenn der Wille da sei, ließe sich einiges bewegen. „Wenn wir wirklich wollen, dann können wir das alles ändern“, laute für ihn eine Lehre aus der Krise. Dies gelte auch für den Klimawandel - nach Ansicht von Wotan Wilke Möhring ein noch viel größeres Problem als Corona.

teleschau

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