„Unser Wald wirkt wie ein Profi-Sportler auf Krücken“

Thore Schölermann über die Reportage „Unser Wald brennt“

Für die "Green Seven Week", die dieses Jahr unter dem Motto "Unser Wald brennt" steht, begab sich Moderator Thore Schölermann für die Reportage "Green Seven Report - Unser Wald brennt!" (Montag, 21. September, 20.15 Uhr, ProSieben) auf eine Reise rund um den Globus. Aber die Gefahr von Waldbränden droht nicht nur im fernen Ausland.
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Für die „Green Seven Week“, die dieses Jahr unter dem Motto „Unser Wald brennt“ steht, begab sich Moderator Thore Schölermann für die Reportage „Green Seven Report - Unser Wald brennt!“ (Montag, 21. September, 20.15 Uhr, ProSieben) auf eine Reise rund um den Globus. Aber die Gefahr von Waldbränden droht nicht nur im fernen Ausland.

Die ProSieben-Reportage „Unser Wald brennt“ ist für Moderator Thore Schölermann eine Herzenssache, schließlich wuchs der 35-Jährige selbst zwischen den Bäumen auf. Im Interview spricht er über Waldbrände in Australien und bei Iserlohn, deren Folgen und Naturschutz als vermeintlich hippen Trend.

Die Westküste der USA steht derzeit wieder in Flammen. Waldbrände in den Staaten Kalifornien, Oregon und Washington zeugen unmittelbar von den sonst bisweilen eher trägen Folgen des Klimawandels. Eine Ausnahme? Mitnichten. Für den „Green Seven Report - Unser Wald brennt!“ (Montag, 21. September, 20.15 Uhr, ProSieben) begab sich Moderator Thore Schölermann auf eine Reise um die Welt. Er zeigt, dass Waldbrände nicht nur in den USA oder Brasilien ein Problem sind, sondern auch im Harz. ProSieben bezeichnet die Reportage als Herzstück seiner „Green Seven Week“, die jedes Jahr auf ein anderes Umwelt-Thema aufmerksam macht - 2020 scheint es besonders akut zu sein.

Thore Schölermann, der am 26. September seinen 36. Geburtstag feiert, hat eine ganz besondere Beziehung zum Wald, weshalb seine Erlebnisse rund um die Reportage ordentlich Eindruck beim „taff“-Moderator hinterlassen haben. Seit 2012 konzentriert sich der gelernte Schauspieler - unter anderem spielte er in der ARD-Vorabendserie „Verbotene Liebe“ mit - aufs Moderieren. So präsentiert er die Musik-Show „The Voice of Germany“ sowie deren Ableger „The Voice: Kids“ und „The Voice: Senior“. Im Gespräch macht der Ehemann von Schauspielerin Jana Julie Kilka deutlich, wie wichtig ihm die Thematik Waldsterben ist, und wie viel Gedanken er sich über die Zukunft unserer Wälder macht.

nordbuzz: Herr Schölermann, stimmt es, dass Sie ihre Jugend im Wald verbracht haben?

Thore Schölermann: Ich bin in der Nähe von Iserlohn tatsächlich ein bisschen wie Mogli im Wald aufgewachsen. Nachbarn hatten wir dort nicht. Deshalb hatte ich auch mehr Freunde, die Waldarbeiter oder Förster waren, als Freunde in der Stadt. Desto älter ich geworden bin und desto mehr mir diese Selbstverständlichkeit des Wald-Lebens abhandengekommen ist, desto klarer ist mir geworden, wie sehr es mir fehlt.

nordbuzz: Was genau vermissen Sie am Leben im Wald?

Schölermann: Im Vergleich zum nervösen Stadt-Leben auf jeden Fall die Entschleunigung. Im Wald herrscht einfach gute Luft, er spendet Kraft und Ruhe. Aber ich verbinde damit auch ehrliche Arbeit. Ich habe früher selbst als Forstarbeiter gearbeitet und mir die Finger schmutzig gemacht. Für 7,50 Mark pro Stunde habe ich von fünf Uhr morgens bis 13 Uhr Bäume zersägt. Dann war Feierabend, weil der Rücken nicht mehr mitgemacht hat. Ich gehe heute einem anderen Job nach, aber ich bin ein sehr geerdeter Typ, und das holt mich immer wieder zurück auf den Boden der Tatsachen.

„Um das zu erkennen, muss ich kein Klimaforscher sein“

nordbuzz: Und in genau diesen Wald sind Sie für die „Green Seven“-Reportage zurückgekehrt ...

Schölermann: Richtig, vor etwa 20 Jahren war ich zuletzt in diesem Teil des Waldes und habe ihn nicht wiedererkannt. Er wurde durch Borkenkäfer sowie einen Waldbrand zerstört - und nun ist er einfach weg. Das hat mir wirklich zu denken gegeben. Wir nutzen den Wald zum Spazierengehen, zum Bauen und zum Heizen. Wir wollen aber auch zukünftig mit einem schönen Wald leben, selbst, wenn wir in den Städten wohnen.

nordbuzz: Klingt, als läge Ihnen die Thematik der Reportage auch persönlich am Herzen.

Schölermann: Total, das ist wirklich eine Herzensangelegenheit für mich. Gerade, weil ich dort groß geworden bin und gesehen habe, wie sich dieser Wald verändert hat. Das Problem ist nur leider noch größer, als ich dachte. Die Trockenheit nagt stark an unserem Wald. Das ist vergleichbar damit, einen Profi-Sportler auf einmal an Krücken zu sehen. Das macht mir total Angst. Um diese markanten und schlimmen Veränderungen zu erkennen, muss ich kein Biologe oder Klimaforscher sein.

nordbuzz: Es geht also nur noch um Schadensbegrenzung?

Schölermann: Das kann man so sagen. Die große Frage ist, ob wir aus unseren Fehlern lernen und wie wir mit den Schäden umgehen. Wir müssen einen ungeheuren Aufwand in Technologie stecken, um die Feuer zu löschen. Meiner Meinung nach müsste man parallel viel mehr Energie aufwenden, um zu verhindern, dass es weiterbrennt. Wir müssen jetzt sagen: „Ok, es ist viel schiefgelaufen, und das müssen wir teuer bezahlen, aber dann müssen wir eben dafür sorgen, dass unsere Kinder nicht mit diesen Dingen zu kämpfen haben.“ Ich will meinen Kindern auch mal einen deutschen Urwald zeigen können. Aber auch dieser stolze deutsche Wald kränkelt gerade.

nordbuzz: Können wir unserer Verantwortung diesbezüglich noch gerecht werden?

Schölermann: Alles, was wir jetzt falsch machen, bekommen nachfolgende Generationen zu spüren, so wie wir jetzt das abkriegen, was in der Vergangenheit falsch gemacht wurde. Die Natur holt sich das alles irgendwann wieder. Wir haben die Wälder sehr schnell kaputt gemacht, bis sie sich regulieren, wird wohl länger dauern. Wenn wir wieder vernünftig Bäume anpflanzen, können wir nachhelfen. Allerdings werden aufgrund des Klimawandels jetzt schon Bäume aus Regionen angepflanzt, die eigentlich viel heißer sind.

„Wir machen es uns immer sehr einfach, die Politik verantwortlich zu machen“

nordbuzz: Welche deutschen Wälder sind denn noch intakt?

Schölermann: Alle naturbelassenen Urwälder, in die der Mensch möglichst wenig eingegriffen hat. Das heißt: Wälder, in denen nicht vor 50 bis 60 Jahren exzessiv Monokulturen angepflanzt wurden. Mischwälder sind beispielsweise noch nicht so stark betroffen, fangen nun aber auch an zu schwächeln. Der Wasserspiegel ist so weit gesunden, dass selbst die Bäume dieser Wälder krank werden.

nordbuzz: Glauben Sie, dass das Bewusstsein bei politischen Entscheidungsträgern für die Problematik in den vergangenen Jahren geschärft wurde?

Schölermann: Wir machen es uns immer sehr einfach, die Politik für diese Zustände verantwortlich zu machen. Ich finde aber, dass unser Lifestyle das viel größere Problem ist. Es bringt mehr und geht schneller, wenn jeder sein Leben ändert, als wenn ein entsprechendes Umweltschutz-Gesetz erlassen wird. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir auf dieser Erde endliche Ressourcen vergeuden. Sei es durch das Amazon-Paket oder den Billigflug: Die Natur reagiert darauf und das kommt uns am Ende teurer zu stehen als kleinere Einschränkungen.

nordbuzz: Die Bilder von verheerenden Waldbränden in Australien und Brasilien gehen um die Welt, für viele Menschen erscheint das Problem dennoch weit weg ...

Schölermann: Genau das ist das Problem! Ich habe mich schon immer darüber aufgeregt, dass ein zugegebenermaßen trauriges Foto von einem verbrannten Koala so viel mehr Bestürzung auslöst als etwas, das vor unserer Haustür passiert. Die Leute gucken mehr aufs Handy als einfach mal selbst in den Wald zu gehen. Wir Menschen raffen es oft erst, wenn wir an einem Punkt sind, an dem es wehtut. Jetzt tut es weh und ich hoffe auf ein Umdenken.

nordbuzz: Für Ihre Reportage zum Thema Waldbrand waren Sie rund um den Globus unterwegs.

Schölermann: Unsere Reportage ist ein Signalfeuer, um den Menschen die Augen zu öffnen. Auf jedem Kontinent gibt es diese Probleme. Dafür hätte man nicht an den Amazonas fahren müssen, hierzulande zu drehen wäre erschreckend genug gewesen. Egal wo in Deutschland: Es reicht, eine Zigarette in den Wald zu schmeißen und es brennt lichterloh. Das ist ein Hilferuf der Natur. Trotz unserer technischen Möglichkeiten stehen uns heiße Zeiten bevor. Aber das heißt für die Zukunft auch: Es kann jetzt eigentlich nur besser werden.

„Naturschutz ist kein hipper Zeitvertreib“

nordbuzz: Ist die Corona-Debatte Gift für die Umwelt-Bewegung, die durch die Pandemie aus dem medialen Fokus rückte?

Schölermann: Verständlicherweise haben wir uns mit Corona die letzten sechs Monate mehr beschäftigt. Aber das war bis jetzt ein halbes Jahr - die Wald-Thematik beschäftigt uns seit über 50 Jahren. Ich fand die Pandemie bis zu einem gewissen Punkt sogar sehr hilfreich, weil die Leute gemerkt haben, dass wir auch in Deutschland eine wunderschöne Natur haben und man nicht nach Mallorca fliegen muss, um zu entspannen. Grundsätzlich ist Naturschutz immer dann ein Thema, wenn es am dringendsten ist. Ich habe das Gefühl, dass sich das Bewusstsein eher ins Positive entwickelt, unter anderem in meinem Freundeskreis.

nordbuzz: Haben Sie den Eindruck, die „Fridays for Future“-Generation ist sensibilisierter für die Thematik?

Schölermann: Ich hoffe, dass Naturschutz bei jungen Leuten nicht nur ein Trend ist. Das ist kein hipper Zeitvertreib. Die Sache funktioniert nur, wenn das Engagement über einen Instagram-Post hinausgeht und man sich den eigenen Energieverbrauch und die eigene Müllentsorgung bewusst macht. Es ist eine verrückte Entwicklung: Naturschutz ist zwar hip geworden, aber gleichzeitig haben sich die Menschen von der Natur entfremdet. Man ist nicht nur ein Naturschützer durch veganes Essen und faire Klamotten, man muss sich auch die Zusammenhänge bewusst machen. Manchmal fehlt mir da das Weiterdenken.

nordbuzz: Was ist Ihnen auf Ihrer Reise besonders im Gedächtnis geblieben?

Schölermann: Für mich war es erschreckend zu sehen, auf welchem Pulverfass wir sitzen. Bei unserer Feuerwehr sind absolute Profis, die gewarnt haben: Wenn es richtig brennt, haben wir auch in Deutschland ein echtes Problem. Im Harz habe ich zudem Waldbesitzer getroffen, deren Existenz zerstört wurde. Diese Leute wirkten wirklich resigniert. Viele gehen am Wochenende im Wald spazieren, vergessen aber dabei, dass andere 365 Tage davon leben. Diese Existenzen am Boden zu sehen, hat mich wirklich mitgenommen.

teleschau

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