„Jetzt kann ich mal ein bisschen austeilen“

Steffen Henssler im Interview

Seine neue Kochshow bei RTL ist hard and heavy: Steffen Henssler lädt um 17 Uhr zum Quickie am Herd - nach einer halben Stunde steht das Ergebnis fest.
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Seine neue Kochshow bei RTL ist hard and heavy: Steffen Henssler lädt um 17 Uhr zum Quickie am Herd - nach einer halben Stunde steht das Ergebnis fest.

Wohl bekomm's: Starkoch Steffen Henssler mischt ab Montag, 10. Febuar, den Nachmittag bei RTL auf. Was genau er vorhat, verrät der 47-Jährige im Interview.

Der Mann scheint unermüdlich zu sein. Ob vor oder hinter der Kamera, Steffen Henssler gibt immer und überall Vollgas: Kaum ist im November die letzte Staffel von „Grill den Henssler“ zu Ende gegangen, schon kommt der Starkoch mit einer brandneuen Kochshow wieder ins Fernsehen, dieses Mal bei RTL: Ab 10. Februar ist der 47-Jährige von Montag bis Freitag, um 17 Uhr, in „Hensslers Countdown - Kochen am Limit“ zu sehen. Bei diesem jeweils 30-minütigen Kochduell steht der prominente Küchenchef ausnahmsweise mal nicht selbst am Herd, sondern macht als Spielleiter den gegeneinander antretenden Hobbyköchen das Leben zusätzlich schwer. Und weil dem nicht genug ist, tritt Steffen Henssler auch noch im März (voraussichtlich am Sonntag, 22.03.) auf VOX bei „Kitchen Impossible“ an, wo er seinem Kollegen und Kumpel Tim Mälzer direkt mal „eins auf die Fresse“ geben will. Ach ja: Ganz nebenbei hat der umtriebige Starkoch Anfang des Jahres sein mittlerweile siebtes Restaurant eröffnet. Und Anfang Mai wird Henssler mit „Manche Mögens Heiss“ auch noch auf große Live-Tournee gehen, wo es ziemlich heiß hergehen soll. Der Mann hat wirklich Feuer unterm Hintern ...

nordbuzz: Herr Henssler, sind Sie denn gern böse und gemein?

Steffen Henssler: Manchmal schon (lacht)! Aber eher mit einem Augenzwinkern, es ist nie ernst gemeint.

nordbuzz: Ihre fiese Ader soll auch bei Ihrer neuen Kochshow „Hensslers Countdown - Kochen am Limit“ durchkommen. Womit dürfen die Zuschauer rechnen?

Henssler: Es geht schon damit los, dass die Kandidaten bis zum Start der Sendung die Gerichte nicht kennen. Ab da haben sie nur 25 Minuten Zeit, diese zuzubereiten. Dann bekommen sie von mir immer noch eine Challenge verpasst: Kann sein, dass sie die ganze Sendung im Ofenanzug kochen oder dass sie die ganze Sendung einhändig oder mit einer Augenklappe kochen müssen. Jeden Tag gibt es eine neue kleine Gemeinheit, damit müssen sie umgehen.

nordbuzz: Haben Sie an dem Konzept mitgearbeitet?

Henssler: Ja, zum großen Teil! Ich habe bei „Grill den Henssler“ auch schon oft erlebt, beim Impro-Gang nicht zu wissen, was ich kochen muss. Dann habe ich auch oft schon einhändig oder blind gekocht, deswegen dachte ich, daraus kann man etwas machen. Jetzt müssen die Kandidaten das alles durchstehen, und ich kann mal ein bisschen austeilen, aber eben auf lustig. Und: Wir machen es live on tape, es wird also alles ungeschnitten gezeigt. Wir drehen 30 Minuten und Ende. Was passiert, passiert. Davon gibt es erst mal 40 Folgen.

„Ey, das macht Spaß zu gucken“

nordbuzz: Es gibt ja schon ziemlich viele Kochshows im deutschen Fernsehen - warum braucht es noch diese Sendung?

Henssler: Ganz einfach, weil die Leute Bock darauf haben, Kochshows laufen nach wie vor sehr gut. Und ich sage es mal so: Lieber eine Kochshow als „No Body Is Perfect“! Außerdem hat RTL noch keine Kochshow. Und es ist eine sehr lustige Show. Am Nachmittag willst du ja nicht Ernährungsfernsehen sehen oder belehrt werden, sondern ein bisschen unterhalten werden. Daher glaube ich, dass „Henssler Countdown“ schon ganz gute Chancen hat.

nordbuzz: Warum stehen die Leute denn so auf Kochshows?

Henssler: Weil das sehr unterhaltsam ist. Nehmen Sie „Grill den Henssler“, „Kitchen Impossible“ oder „Die Küchenschlacht“ - all diese Sendungen sind unterhaltsam. Außerdem muss jeder jeden Tag etwas essen. Essen ist für alle ein Thema und Kochen in dem Sinne ja auch. Und meistens ist auch noch ein Wettkampfgedanke dabei, wie bei uns jetzt auch: Drei Leute, die um Kohle spielen, und dann gibt es eine Bewertung. Ich glaube, das ist das, von dem die Leute sagen: „Ey, das macht Spaß zu gucken“. Und man lernt im Zweifel immer ein bisschen was, es gibt immer kleine Tipps und Tricks, aber ohne, dass es wie in der Schule rüberkommt.

nordbuzz: Was ist mit diesen ursprünglichen Kochsendungen, die in den dritten Programmen laufen?

Henssler: Damit hat das gar nichts zu tun. Wenn man wirklich wissen möchte, wie paniere ich ein Schnitzel hundertprozentig richtig, wie brate ich einen Fisch richtig, geht man auf Youtube oder ins Internet. Es ist schwierig, die Zuschauer im linearen Fernsehen noch damit zu fesseln. Fernsehen, gerade ein Privatsender, hat an der Stelle einen Unterhaltungsauftrag, finde ich. Ein bisschen was muss man dem Zuschauer schon auch mitgeben, dass er hier und da etwas lernt und sagt: „Mensch, geiler Tipp.“ Aber wenn ich wirklich wissen möchte, wie etwas gekocht wird, bin ich mittlerweile im Internet sehr gut aufgehoben.

nordbuzz: Sehen Sie da eine Konkurrenz?

Henssler: Ja klar! Internet oder Internetfernsehen sind eine Konkurrenz für das normale Fernsehen, auf jeden Fall.

nordbuzz: Haben Sie selbst auch schon darüber nachgedacht, via Youtube Kochen beizubringen?

Henssler: Nein. Das wäre viel zu aufwendig. Wenn man so etwas macht, muss man es auch anständig machen, dafür habe ich schon zu viele Dinge im normalen Fernsehen zu tun.

„Regionalität ist immer Gesetz“

nordbuzz: Was halten Sie generell von der deutschen Esskultur?

Henssler: Ich glaube schon, dass sich hier vieles entwickelt hat, es gibt viele verschiedene Restaurants, viele verschiedene Trends. Also, man kann schon sagen, dass man - das merke ich auch, wenn ich in anderen Ländern bin - in Deutschland sehr gut essen kann. Da braucht Deutschland sich nicht zu verstecken.

nordbuzz: Jedoch heißt es immer noch, dass kaum eine andere Nation so wenig Wert auf Qualität beim Essen legt, zumindest bei dem, was zu Hause auf den Tisch kommt.

Henssler: Ja, das stimmt. Es gibt diese Schere: Die eine Seite, die sagt, mir ist ganz wichtig, dass ich weiß, wo das Essen herkommt und auf Regionalität und Qualität achtet. Und es gibt auf der anderen Seite einfach wahnsinnig günstige Lebensmittel in Deutschland. Es gibt auch Studien, nach denen wir auf Platz Eins oder Zwei liegen in Bezug auf das, was wir für die technischen Geräte und die Küche an sich ausgeben. Bei den Lebensmitteln ist es aber genau das Gegenteil. Das ist schon schwierig.

nordbuzz: Wollen Sie diesbezüglich den Leuten vielleicht etwas vermitteln?

Henssler: Ich glaube, da ist eine Kochshow der falsche Ansatz. Dafür braucht es Dokumentationen, die darüber aufklären, und nicht eine Nachmittagskochshow, die erzählt, wie wir mit Lebensmitteln umzugehen haben.

nordbuzz: Wäre das nicht mal ein schöner Auftrag, gerade mit Ihrer Bekanntheit, die Sie haben?

Henssler: Ja klar, das wird sicherlich auch mal Thema werden. Aber im Moment bin ich eher in der Unterhaltung festgelegt, und nur, weil ich ein bekannterer Koch bin, kann ich schlecht den Leuten vorschreiben, was und wie sie zu essen haben. Das muss jeder für sich selbst herausfinden, da kann dir zehnmal einer erklären, du musst das und das Fleisch kaufen, das ist gesund. Es ist eigentlich traurig und schlimm genug, dass man jemandem sagen muss: „Mensch, bist du dir nicht selbst ein bisschen mehr wert, dass du dir ein bisschen bessere Lebensmittel gönnst?“

nordbuzz: Die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind derzeit in aller Munde und betreffen ja auch das Essen. Hätten Sie hier einen Rat?

Henssler: Ich glaube, Regionalität ist an der Stelle immer Gesetz. Ich sollte mir in einem Land wie Deutschland, das ein wahres „Apfel-El-Dorado“ ist, schon zweimal überlegen, ob es unbedingt ein Apfel aus Chile oder Mexiko sein muss. Und man sollte auch nicht die Erwartung haben, immer alles zu bekommen. Natürlich ist da die Industrie, die das anbietet, aber da muss der Kunde vielleicht mal sagen: „Nö, ich will im Dezember keine Himbeeren oder keine Erdbeeren haben.“ Dann würde sich etwas ändern. Aber wie gesagt: Den mahnenden Zeigefinger kann man zwar erheben, aber ich bin der Meinung, dass das jeder für sich selbst erkennen muss.

„Live ist schon etwas ganz, ganz Besonderes“

nordbuzz: Wie geht es eigentlich mit „Grill den Henssler“ weiter?

Henssler: Im April beginnt die neue Staffel. Es wird eine neue Moderatorin geben, aber mehr wird auch nicht verraten.

nordbuzz: Damit es nicht langweilig wird, gehen Sie im Mai auch noch auf Tournee ...

Henssler: Genau. Ich habe eine neue Tour mit dem Titel „Manche mögen's Heiss - Henssler live“. Ich war zuletzt mit einer kleineren Tour unterwegs, jetzt im Mai wird wieder alles ein bisschen größer. Wir wollen versuchen, das visuell noch beeindruckender hinzubekommen und noch mehr was fürs Auge bieten, sodass man denkt: Was für geile Kochbilder! Da geht es wirklich ums Kochen. Auch die Gerichte, die wir zusammengestellt haben, haben es in sich: Es wird das beste Gericht aus jedem Restaurant geben. Dann werde ich Geschichten zu den Restaurants erzählen, da sind wir schwer am planen.

nordbuzz: Ist der Titel „Manche Mögens Heiss“ wörtlich zu nehmen?

Henssler: Ja, es wird viel Feuer geben, es wird alles warm sein. Ich habe den Titel auch gewählt, weil ich den Film von damals schön finde. Außerdem passt das für eine Kochshow ganz gut.

nordbuzz: Werden Sie auch wieder Leute aus dem Publikum einbinden?

Henssler: Absolut. Das ist immer Part of the deal.

nordbuzz: Was macht Ihnen mehr Spaß: so eine Live-Show auf der großen Bühne oder die Arbeit im TV-Studio?

Henssler: Das ist schwer zu sagen. Live ist immer das Sahne-Häubchen, man hat da eine unmittelbare Reaktion. Die Leute haben sich extra ein Ticket dafür gekauft, das ist schon eine eigene Atmosphäre. Live ist schon etwas ganz, ganz Besonderes und liegt daher vielleicht schon ein Stückchen über einer TV-Aufzeichnung.

nordbuzz: Und wenn etwas schief geht?

Henssler: Es geht immer mal was schief, du vergisst mal was, aber das ist genau das, was ich mag. Ich mag es eh, zu improvisieren. Deswegen finde ich live auch so spannend.

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