„Es ist auf jeden Fall anstrengender und unfreier geworden“

Sonja Baum im Interview

Sonja Baum verkörpert ab Dienstag, 22. September, die neue "SOKO Köln"-Chefin Helena Jung. Die Corona-Pandemie hat den Beruf der 45-jährigen Schauspielerin gewandelt. "Es ist auf jeden Fall anstrengender und unfreier geworden. Wobei sich das langsam wieder verändert."
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Sonja Baum verkörpert ab Dienstag, 22. September, die neue „SOKO Köln“-Chefin Helena Jung. Die Corona-Pandemie hat den Beruf der 45-jährigen Schauspielerin gewandelt. „Es ist auf jeden Fall anstrengender und unfreier geworden. Wobei sich das langsam wieder verändert.“

Sonja Baum steigt mit einem Knall in die ZDF-Reihe „SOKO Köln“ ein - ihre Rolle Helena Jung wird direkt in den ersten Minuten erschossen. Wie lange sie trotzdem bleiben wird und warum Krimis so spannend sind, erklärt die 45-Jährige im Interview.

Eigentlich wollte die neue „SOKO Köln“-Chefin Helena Jung (Sonja Baum) ihren Einstand bei einem gemütlichen Bier mit ihrem Team feiern. Doch es vergehen nur wenige Minuten, da zerschneidet ein Schuss die entspannte Atmosphäre: Helena Jung wird erschossen! Ein nur kurzes Vergnügen für die neue „SOKO“-Chefin? Das Team ist schockiert - und erfährt kurz darauf, dass sie ihren Tod nur vorgetäuscht hat. Ein spannender Einstieg für Sonja Baum, die ab Dienstag, 22. September, immer wöchentlich um 18.00 Uhr, die neue Chefin der „SOKO“-Kommissare in Köln verkörpert. Im Interview verrät die 45-jährige Vierfach-Mutter, wie lange sie nun in der ZDF-Reihe bleibt, warum Krimis im Fernsehen so spannend sind, wie sich die Schauspielerei durch die Corona-Pandemie verändert hat und in welcher amerikanischen Serie sie am liebsten mitspielen würde.

nordbuzz: Sie werden in Ihrem ersten Fall als neue „SOKO“-Chefin direkt erschossen! Wie war es, mit so einer Idee einzusteigen?

Sonja Baum: Natürlich toll! Das Drehbuch habe ich vor etwa einem Jahr zu lesen bekommen, und ich fand die Geschichte sofort sehr spannend. Ich fände es auch reizvoll, die Idee der undercover arbeitenden Helena Jung weiterzuverfolgen.

nordbuzz: Ihre Vorgängerin Diana Staehly war vier Jahre lang die „SOKO“-Chefin. Wie lange bleiben Sie?

Baum: Vier Jahre klingen doch nach einer guten Zeit! Bei den Verhandlungen war von „Langstreckenlauf“ die Rede, nicht von „Sprint“. Ich denke, je länger man bei einer Reihe dabei ist, desto freier wird das Spiel. Vielleicht ist irgendwann aber auch die Routine zu groß. Geplant sind erst einmal drei bis vier Jahre - mal schauen!

nordbuzz: Für Episodenrollen waren Sie bereits am „SOKO“-Set zu Gast. Hatten Sie eine führende Rolle schon länger im Blick?

Baum: Ja, schon lange (lacht). Ich war vor vier Jahren, als meine Vorgängerin Diana Staehly besetzt wurde, schon einmal im Casting für die Kommissarin. Jetzt ist der Zeitpunkt aber viel besser. Ich bin froh, die Rolle jetzt bekommen zu haben und nicht damals.

nordbuzz: Warum das?

Baum: Weil meine Tochter damals erst zwei Jahre alt war. So hatte ich mehr Zeit für sie. Meine großen Kinder beschweren sich manchmal, dass ich nicht mehr so viel zu Hause bin wie früher. Dabei bin ich meistens um 18 Uhr daheim und an vielen Tagen auch früher, also das ist schon in Ordnung.

„Ob man eine Reihe mag oder nicht, hängt vom Team ab“

nordbuzz: In „SOKO Köln“ spielen Sie eine taffe Chefin. Sind Sie privat auch eher eine Anführerin oder geben Sie die Kontrolle auch gerne mal ab?

Baum: Mein Mann würde wahrscheinlich sagen, ich bin die Chefin (lacht). Aber ich finde, das stimmt überhaupt nicht. Klar, ich habe meine Meinung und kann auch eine Richtung vorgeben. Ich scheue mich nicht davor, Entscheidungen zu treffen oder Verantwortung zu tragen. Das mache ich gerne. Aber vieles kann ich auch gut abgeben.

nordbuzz: Ihre Rolle Helena Jung wird charakterisiert als „charismatische Chefin, die analytischen Scharfsinn mit Einfühlungsvermögen und Empathie verbindet.“ Trifft davon auch etwas auf Sie zu?

Baum: Alles natürlich (lacht). Naja, es ist nicht so einfach, sich selbst zu beschreiben ...

nordbuzz: Im deutschen Fernsehen gibt es mittlerweile fast jeden Abend Mord und Totschlag. Welche Funktion haben solche Krimi-Formate?

Baum: Ich persönlich lese und schaue gerne Krimis. Das liegt nicht daran, dass ich es interessant finde, wenn jemand erschlagen wird oder wenn Blut fließt. Ich glaube, Krimis sind eine gute Vorlage dafür, die Haustüren von anderen Menschen zu öffnen. Durch Krimis kann man hinter die Vorhänge gucken: Wer wohnt da? Wie leben sie? Bei der Ermittlungsarbeit kommen immer wieder versteckte persönliche Geschichten ans Licht.

nordbuzz: Und auch ganz unterschiedliche Charaktere ...

Baum: Ja, genau. Wenn zum Beispiel in einem Café am Nebentisch ein riesiger Streit entbrennt ... (lacht) Das sind Situationen, die einen irgendwie in den Bann ziehen, wo man am liebsten zuhören möchte. Gerade in Krimis schaut man in verschiedene Konstellationen und Familienverhältnisse. Wir hatten jetzt zum Beispiel eine Folge, in der es einen Ehekrach gab. Irgendwas ist ja immer, und das interessiert einen einfach.

nordbuzz: Und dann ist man froh, wenn es bei einem selbst zu Hause besser aussieht.

Baum: Ja, zumindest ohne Mord wäre gut (lacht). Wobei wir bei der „SOKO Köln“ viele Fälle haben, wo der Mord ein Unfall war, aus einem Streit heraus passiert. Bei manchen Fällen ist es einfach blöd gelaufen. Da ist dann keiner wirklich böse, sondern es war einfach eine Verstrickung von unglücklichen Umständen.

nordbuzz: Was unterscheidet die „SOKO“-Reihen von anderen Krimi-Reihen?

Baum: Ich muss offen zugeben, da müsste ich erst mal die ganzen anderen Krimireihen angucken! Die Strukturen sind wahrscheinlich ähnlich. Ob man nun eine Reihe mag oder nicht, hängt, glaube ich, hauptsächlich vom Team ab, von dessen Eigenheiten und davon, welche Energie es entwickelt. Das ist auch häufig nicht von vorneherein geplant, sondern entsteht einfach gemeinsam mit den Kollegen.

nordbuzz: Gibt es bei Ihnen daheim auch Krimi-Fernsehabende mit der Familie?

Baum: Klar. Ich gucke zum Beispiel gerne mit meinem Mann den „Tatort“ am Sonntagabend. Der passt perfekt, wenn das Wochenende sich dem Ende zuneigt. Aber leider schaffen wir das nicht jede Woche.

„Das ist absurd und nicht konsequent“

nordbuzz: Nach dem Corona-Lockdown sind die Dreharbeiten nun wieder in vollem Gange - allerdings mit neuen Regeln. Wie hat sich die Schauspielerei durch Corona verändert?

Baum: Es ist auf jeden Fall anstrengender und unfreier geworden. Wobei sich das langsam wieder verändert. Wir haben sehr früh nach dem Lockdown angefangen zu drehen. Ich glaube, wir waren eine der ersten Produktionen, die überhaupt wieder gedreht haben.

nordbuzz: Und wie ist es jetzt?

Baum: Man hat sich daran gewöhnt, so wie es auch im Alltag inzwischen normal ist, den Leuten nicht mehr so nahezukommen. Das hat man schon verinnerlicht. In der „SOKO“ haben wir auch immer einen Tisch dazwischen, wir müssen keine Kussszenen oder Ähnliches spielen. Bei vielen Produktionen hat sich die Art und Weise, wie gedreht wird, komplett verändert. Sogenannte Kontaktszenen werden jetzt zuerst und mit viel weniger Personal gedreht, alle hintereinander, und die betroffenen Protagonisten werden ständig getestet. So findet man langsam Wege, mit der neuen Situation umzugehen.

nordbuzz: Glauben Sie, dass die Schauspielerei irgendwann wieder so sein wird, wie sie mal war?

Baum: Ja, auf jeden Fall, auch wenn die neue Normalität vielleicht anders aussieht als die bisher bekannte. Ich hoffe sehr, dass wir diese Krise überwinden. Ich weiß nicht, wie die Theater das aktuell machen. Vielerorts hält man zwar einerseits die Abstände ein, spielt dann aber andererseits wieder Vorstellungen, bei denen man sich nahekommt. Das ist absurd und nicht konsequent. Aber ich denke, mit der Zeit wird sich alles finden. Vielleicht kann man auch irgendwann an jeder Ecke einen Test machen.

nordbuzz: Sie haben sich einen Hund angeschafft - nur kurz vor dem Corona-Lockdown ...

Baum: Ja, das war super! Viele haben sich während der Corona-Zeit einen Hund angeschafft, wir haben den zufälligerweise bereits im Februar bekommen. Ich habe mir schon gedacht, dass es schade ist, wenn wir einen Hund haben und ich mich nicht so viel mit ihm beschäftigen kann, wie ich gerne würde. Und dann kam Corona, und ich hatte viel Zeit für und mit ihm. Es ist total schön, einen Hund zu haben, das hätte ich vorher nicht gedacht.

nordbuzz: Wie sind Sie generell mit Ihrer großen Familie - Sie haben vier Kinder - durch die Corona-Zeit gekommen?

Baum: Es gab solche und solche Tage. Aber alles in allem sind wir gut durchgekommen. Meine Tochter hat in der Zeit zwei Nachbarsfamilien kennengelernt, die sie vorher nicht so gut kannte, weil in der Coronazeit alles auf einen kleinen Raum beschränkt war. Irgendwann hatten wir aber auch das Gefühl, dass es reicht. Ich hoffe, dass die Schulen auch nicht direkt wieder schließen. Gerade für Kinder und Jugendliche tut mir dieses Abstandhalten und Maskentragen am meisten leid. Sie sind noch mal in einer anderen Lebensphase, und da ist es wirklich schwierig, sich daran zu halten.

„Ich möchte eigentlich noch alles spielen!“

nordbuzz: Was haben Sie aus der Coronakrise mitgenommen?

Baum: Man hat gemerkt, dass man eigentlich weniger braucht und mit weniger wirklich gut zurechtkommt. Eine Begrenzung von außen hat schon auch mal eine Form von Erleichterung gebracht. Wenn man das Gefühl hat, draußen findet das Leben statt und man bleibt zu Hause, fühlt sich das anders an, als wenn man zu Hause bleibt und alle anderen machen es auch so. Man hat nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Das zu erfahren war schön. So ging es vielen, die ich kenne, auch Freiberuflern, die sonst von einem Termin zum nächsten jagen.

nordbuzz: Sie haben bereits vielfältige Rollen gespielt. Warum ist Ihnen Abwechslung so wichtig?

Baum: Ich bin Schauspielerin geworden, weil ich mich für viele Sachen interessiere. Ich schnuppere total gerne irgendwo rein oder beschäftige mich intensiv mit bestimmten Themen. Entsprechend ist es toll, in verschiedenen Formaten verschiedene Rollen zu spielen. Ich finde es spannend, immer wieder einen anderen Blickwinkel auf etwas zu bekommen.

nordbuzz: Welches Engagement würde Ihre Filmografie jetzt noch perfekt machen?

Baum: Es gibt vieles, was ich gerne noch spielen würde, ich möchte eigentlich noch alles spielen! Mich würde zum Beispiel eine horizontal erzählte Serie reizen, in der man über einen langen Zeitraum eine Rolle spielt, die sich immer weiter entwickeln kann.

nordbuzz: So wie bei „Wege zum Glück“?

Baum: Ich habe jetzt ehrlich gesagt eher an „Breaking Bad“ oder so gedacht (lacht). Meine Kinder gucken gerne „Modern Family“, da schaue ich immer mal wieder mit. Ich weiß nicht, wie das ist, wenn man zehn Jahre das Gleiche dreht, aber das wäre auf jeden Fall ein tolles Format.

teleschau

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