„Ich bin Julian Assange“

Schrille Protestaktion: Vivienne Westwood setzt Zeichen für WikiLeaks-Gründer Julian Assange

Modeschöpferin Vivienne Westwood protestierte am Dienstag vor einem Londoner Gericht für die Freilassung von Julian Assange - im quietschgelben Outfit und in einem Vogelkäfig.
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Modeschöpferin Vivienne Westwood protestierte am Dienstag vor einem Londoner Gericht für die Freilassung von Julian Assange - im quietschgelben Outfit und in einem Vogelkäfig.

Politisches Engagement ist für Vivienne Westwood eine Selbstverständlichkeit. Nun forderte Mode- und Punk-Ikone mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion die Freilassung von Julian Assange, dem Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks.

Es war ein ungewöhnlicher Anblick vor dem Londoner Gerichtsgebäude: Modeschöpferin Vivienne Westwood trug ein quietschgelbes Outfit und saß in einem riesigen Vogelkäfig. In der Hand hielt sie ein Megafon, auf der Außenseite des Käfigs prangte in großer Schrift: „Ich bin Julian Assange“, eine Aussage, die die 79-jährige Designerin auch verbal wiederholte. „Ich bin der Kanarienvogel im Käfig“, ließ Westwood verlauten.

Allein war sie mit ihrem Protest für die Freilassung des umstrittenen WikiLeaks-Gründers Julian Assange dabei nicht. Die Demonstranten, die sich ebenfalls vor dem Gerichtsgebäude versammelten, skandierten „Lasst Julian Assange frei!“ Die USA, die die Auslieferng des Aktivisten verlangen, bezeichnete Westwood als korruptestes Land der Welt. Die Organisation des Protests übernahm Westwoods Sohn Joe Corre.

Für ihr politisches Engagement, welches sie auch gerne in ihre Modeschauen einfließen lässt, ist die Erfinderin der Punk-Mode der 70er-Jahre bekannt. So setzte sie sich in der Vergangenheit gegen Klimawandel und Krieg ein. Auch für Julian Assange, Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, machte sich die Britin schon zuvor stark. Wie sie 2015 dem „Guardian“ verriet, besuchte sie ihn monatlich in der ecuadorianischen Botschaft in London, in die sich der Australier geflüchtet hatte. „Ich finde ihn brillant“, sagte Westwood damals über den Programmierer und ehemaligen Hacker.

Bis zu 175 Jahre Haft möglich

In der Botschaft Ecuadors hält sich Assange aber schon lange nicht mehr auf. Der 49-Jährige ist seit etwa einem Jahr im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh Prison inhaftiert. Ihm droht die Auslieferung an die USA.

Die amerikanische Justiz wirft Assange vor, die Whistleblowerin Chelsea Manning bei der Veröffentlichung geheimen Materials zu US-Militäreinsetzen im Irak sowie in Afghanistan unterstützt zu haben. Dies impliziert den Vorwurf, die Sicherheit von US-Informanten gefährdet zu haben. Sollte Assange in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen werden, ist eine Haftstrafe von bis zu 175 Jahren möglich. Assange bestreitet die Vorwürfe vehement. Die WikiLeaks-Enthüllungen halfen dabei, Kriegsverbrechen von US-Soldaten aufzudecken.

Im April 2019 wurde Assange von der britischen Polizei verhaftet - durch die Flucht in die ecuadorianische Botschaft 2012 hatte er gegen Bewährungsauflagen verstoßen. Die Corona-Pandemie verhinderte die auf den 18. Mai angesetzte Fortführung seines Prozesses. Im September soll das Verfahren wieder aufgenommen werden.

teleschau

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